Russland/Ukraine

Nein, Deutschland hat keine 233 Millionen Euro für Sozialwohnungen in der Ukraine zugesagt

In Sozialen Netzwerken heißt es, Deutschland stecke 233 Millionen Euro in den Wohnungsbau in der Ukraine, während hierzulande über eine Millionen Wohnungen fehlten. Das ist nur in Teilen korrekt.

von Matthias Bau

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bundeskanzler Friedrich Merz am 14. April bei den Deutsch-Ukrainischen Regierungskonsultationen im Bundeskanzleramt in Berlin (Quelle: Jens Krick / Flashpic / Picture Alliance)
Behauptung
Deutschland zahle im Rahmen einer strategischen Partnerschaft 233 Millionen Euro Entwicklungshilfe an die Ukraine, um dort sozialen Wohnungsbau zu fördern. Gleichzeitig fehlten in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen.
Bewertung
Teilweise falsch
Über diese Bewertung
Teilweise falsch. Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit hat Deutschland 25 Millionen Euro für die Wiederherstellung von Wohnungen für bedürftige Menschen in der Ukraine zugesagt. Richtig ist, dass laut einer Untersuchung des Pestel Instituts bis Ende 2024 in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen fehlten.

Deutschland und die Ukraine schlossen Mitte April eine strategische Partnerschaft. Seitdem verbreitet sich in Sozialen Netzwerken die Behauptung, Deutschland habe sich damit verpflichtet, der Ukraine 233 Millionen Euro Entwicklungshilfe für den Bau von Sozialwohnungen zu zahlen, während in Deutschland 1,4 Millionen Wohnungen fehlten. 

Beiträge mit dieser Behauptung erzielten online hunderttausende Aufrufe. Zu den Verbreitern zählt unter anderem der Jugendverband des BSW in Nordrhein-Westfalen. 

Mutmaßlich ist die Behauptung auf einen Artikel des Journalisten Florian Warweg zurückzuführen, der für die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ) arbeitet. Die OAZ gründete Holger Friedrich, dem auch die rechtspopulistische Berliner Zeitung gehört. Darin schreibt er, die deutsche Förderung von sozialem Wohnraum in der Ukraine werde „flankiert“ durch „neue Finanzmittel von bis zu 233 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit“. Das ist zwar richtig, lässt aber offen, wie hoch die finanzielle Unterstützung für den sozialen Wohnungsbau konkret ist. Zuvor arbeitete Warweg für den russischen Propagandasender RT Deutsch.

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Auf Instagram verbreitet sich die Falschbehauptung, Deutschland finanziere Sozialwohnungen in der Ukraine mit 233 Millionen Euro
Auf Instagram verbreitet sich die Falschbehauptung, Deutschland finanziere Sozialwohnungen in der Ukraine mit 233 Millionen Euro (Quelle: Instagram; Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Laut zuständigem Ministerium sind 25 Millionen Euro für die Sozialwohnungen in der Ukraine vorgesehen

Aus der Erklärung über die strategische Partnerschaft selbst geht nicht hervor, wie viel Geld Deutschland der Ukraine für den sozialen Wohnungsbau zugesagt hat. Wir haben deshalb beim Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) nachgefragt. Eine Pressesprecherin des BMZ schrieb uns, dass 25 Millionen Euro für die „Wiederherstellung von Wohnungen für bedürftige Menschen in der Ukraine“ vorgesehen seien. 

Daneben habe man Geld für die folgenden Projekte zugesagt: 

  1. Industrielle Zusammenarbeit und Stärkung der lokalen Wirtschaft: 11 Millionen Euro 
  2. Energieresilienz und Absicherung der Energieversorgung: 45,3 Millionen Euro
  3. Wiedereingliederung von Veteranen, Rückkehrern, Kriegsgeschädigten: 26,5 Millionen Euro
  4. Ausbildung von Fachkräften für den Wiederaufbau: 25 Millionen Euro
  5. Vorbereitung auf den EU-Beitritt sowie kommunale Selbstverwaltung: 10 Millionen Euro
  6. Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption: 3 Millionen Euro

Die restlichen Gelder, so die Sprecherin weiter, seien „für Wiederaufbau- und Krisenvorsorgebedarfe“ vorgesehen. Dazu gehöre zum Beispiel der ukrainische Katastrophenschutz. 

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des BMZ: Nach den Regierungskonsultationen würden „die jeweiligen Kooperationen geprüft, ausgestaltet und im Lauf der nächsten Monate vertraglich zwischen Deutschland und der Ukraine vereinbart“. 

Immer weniger Sozialwohnungen in Deutschland

Wie aber ist die Situation in Deutschland? Laut Angaben in Sozialen Netzwerken fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Das stimmt mit den Ergebnissen des Sozialen Wohn-Monitors 2026 überein. Die 1,4 Millionen Wohnungen beziehen sich auf den Datenstand bis Ende 2024. 

Die Untersuchung wurde vom Pestel Institut durchgeführt und unter anderem von der Caritas und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt beauftragt. Bei seinen Berechnungen geht das Pestel Institut davon aus, dass Wohnungen, die bereits seit zwölf Monaten leerstehen, nicht mehr am Markt verfügbar sind.

Hinzu kommt, dass seit Jahren Sozialwohnungen aus der sogenannten Sozialbindung fallen, wie das Pestel Institut schreibt. Dabei handelt es sich um Wohnungen, deren Bau staatlich gefördert wird und die daher preiswerter sind, sodass Menschen mit einem geringen Einkommen dort leben können.Zwischen 2020 und 2024 verloren laut den Angaben des Instituts 107.353 Wohnungen ihre Sozialbindung und standen so dem regulären Mietmarkt zur Verfügung. Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung (bezahlpflichtig) berichtete, erwartet die Bundesregierung, „dass in den nächsten Jahren bundesweit jährlich rund 55.000 Sozialmietwohnungen aus der Bindung fallen könnten“. 

Damit könnte der Verlust an Sozialwohnungen in Deutschland weiter voranschreiten. Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, kündigte im September 2025 an, mit 23,5 Milliarden Euro bis 2029 dagegen zu steuern. 

Wohnraumförderung in Deutschland änderte sich von Objekt- hin zu Subjektförderung 

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Hinzu kommt ein weiteres Problem, auf das zuerst die Zeit (bezahlpflichtig) aufmerksam machte und das der Deutschlandfunk so beschreibt: Der Bund gebe immer mehr Geld dafür aus, Menschen zu unterstützen, die sich eine Wohnung sonst nicht leisten können (Subjektförderung), anstatt selbst für günstigen Wohnraum, also Sozialwohnungen, zu sorgen (Objektförderung). Wie sich die Förderungen entwickelt haben, untersuchte der Thinktank „Dezernat Zukunft“ im März 2026 anhand von Daten der Bundes- und Landesregierungen:

Der Thinktank Dezernat Zukunft zeigte in seiner Untersuchung, dass seit Beginn der 2000er Jahre immer mehr Geld für Subjekt- und immer weniger für Objektförderung beim Wohnen ausgegeben wurde
Der Thinktank Dezernat Zukunft zeigte in seiner Untersuchung, dass seit Beginn der 2000er Jahre immer mehr Geld für Subjekt- und immer weniger für Objektförderung beim Wohnen ausgegeben wurde (Quelle: Thinktank „Dezernat Zukunft“; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Das BSW hat auf unsere Anfrage bis zur Veröffentlichung nicht reagiert.

Fazit: Deutschland hat laut BMZ keine 233 Millionen Euro, sondern 25 Millionen Euro für die Wiederherstellung von Wohnungen für bedürftige Menschen in der Ukraine zugesagt. Richtig ist, dass in Deutschland laut einer Untersuchung des Pestel Instituts 1,4 Millionen Wohnungen bis Ende 2024 gefehlt haben.