Russland/Ukraine

Kein Ukraine-Bezug: Foto von geretteter Katze ist aus den USA

Online sollen Zweifel an der Berichterstattung zur Ukraine gesät werden: Das Foto von einer Frau, die ihre Katze nach einem Tornado in den USA rettete, sei für Berichte über einen Bombenangriff in der Ukraine verwendet worden. Doch das stimmt nicht.

von Paulina Thom

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2011 verwüstete ein Tornado die US-Stadt Joplin in Missouri. Über ein Foto einer damals geretteten Katze kursieren immer wieder falsche Behauptungen. (Archivfoto: Mark Schiefelbein / Associated Press / Picture Alliance)
Behauptung
Medien hätten das Foto einer Frau, die 2011 ihre Katze nach einem Tornado in den USA rettete, auch für Berichte über einen Bombenangriff 2023 in der Ukraine genutzt.
Bewertung
Falsch. Es finden sich keine Medienberichte, die das Bild in den Kontext eines Bombenangriffs 2023 auf die Ukraine setzten. Eine Nutzerin, die das Bild 2023 der Ukraine zuordnete, löschte ihren Beitrag anschließend wieder. Die Behauptung kursiert seit Jahren.

Auf Tiktok präsentiert ein Nutzer einen angeblichen Beweis für eine falsche Berichterstattung durch Medien: Dasselbe Foto einer Frau, die 2011 nach einem Tornado in den USA eine Katze aus den Trümmern gerettet haben soll, soll auch 2023 im Kontext eines Bombenangriffs in der Ukraine veröffentlicht worden sein. „Verlogene Berichterstattung“ kommentiert ein Nutzer. Der Beitrag auf Tiktok hat mehr als 200.000 Aufrufe. Auf X verbreiteten sich ähnliche Beiträge bereits 2023, auch auf Englisch.

Post auf Tiktok
In diesem Tiktok-Beitrag wird behauptet, dass Medien das Foto von 2011 fälschlich für Berichte über die Ukraine verwenden. Belege dafür finden sich jedoch keine. (Quelle: Tiktok / Suzy Hoskins; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Frau rettete ihre Katze 2011 nach Tornado in den USA 

Zunächst: Was zeigt das Foto wirklich? Eine Bilder-Rückwärtssuche mit dem Foto führt zu mehreren Medienberichten über einen Tornado in Joplin, im US-Bundesstaat Missouri, der im Mai 2011 für Verwüstung und Zerstörung sorgte. Ausführlicher wird der Vorfall auf einem Katzen-Blog beschrieben, aus dem der online geteilte Screenshot aus dem Beitrag stammt. Demnach hatte die Frau die Katze „Lavern“ nach 16 Tagen überraschend gefunden und aus den Trümmern befreit. Auf dem Blog sind weitere Fotos der beiden zu sehen.

Was die Bilder-Rückwärtssuche dagegen nicht liefert, sind Medienberichte über einen Bombenangriff auf die ukrainische Stadt Kramatorsk.

X-Beitrag der Foto fälschlich der Ukraine zugeordnete, ist seit 2023 gelöscht

In den Beiträgen mit der Behauptung findet sich als angeblicher Beleg auch kein Medienbericht mit dem Foto, sondern ein Screenshot eines X-Beitrags. Darin wird das Bild Kramatorsk, einer Stadt im Osten der Ukraine, zugeordnet. Auf dem entsprechenden X-Profil findet sich ein solcher Beitrag nicht. Die Nutzerin gab bereits Anfang Juli 2023 auf X an, das Bild wieder gelöscht zu haben, nachdem sie herausfand, dass es eigentlich aus den USA stammte.

In der Stadt gab es kurz vorher, Ende Juni 2023, einen schweren Raketenangriff mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Eine Stichwort-Suche danach liefert jedoch keinen Treffer mit dem Foto von Frau und Katze.

Das Foto wurde in den letzten Jahren immer wieder international falsch verbreitet. Auch die österreichische Organisation Mimikama fand 2023 keine Hinweise auf eine irrtümliche Verwendung in Medienberichten.

Medien wird im Zuge des Ukraine-Kriegs öfter eine verzerrte Berichterstattung vorgeworfen. In vielen Fällen werden Medienberichte dafür gefälscht oder aus dem Kontext gerissen, wie wir zum Beispiel hier oder hier berichteten. Eine beliebte Masche der Desinformation – die oft nicht auf den ersten Blick zu entlarven ist und so mit einfachen Mitteln Unsicherheit stiftet.

Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

Redigatur: Sophie Timmermann, Max Bernhard