Klimaanlagen für alle?!

Darf ich mir eine Klimaanlage anschaffen? Soll der Staat sogar für Anlagen bezahlen? Darüber ist eine heiße Diskussion entbrannt.

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Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

darf ich mir eine Klimaanlage anschaffen – obwohl das dem Klima schadet? Soll der Staat vielleicht sogar für Anlagen bezahlen? Darüber ist eine heiße Diskussion entbrannt – und spannend ist, wer sich dabei auf welche Seite schlägt. Denn für Klimawandelleugner und Rechtspopulisten ist es gar nicht so leicht, hier Position zu beziehen. Mehr dazu im Thema des Tages.

Am Wochenende bekam Deutschland den Klimawandel mit voller Breitseite zu spüren. Nicht nur die Hitze, sondern auch die Dürre. Einige Kommunen haben sich schon auf drohende künftige Hitzeperioden eingestellt – und zwar, indem sie drakonische Strafen gegen Privatleute verhängen, wenn diese zu viel Wasser verbrauchen. Zum Beispiel, um den Garten zu wässern. 

Wir wollen wissen, ob das auch in Ihrer Kommune ein Thema ist: Drohen auch bei Ihnen solche Strafzahlungen für hohen Wasserverbrauch? Wie gehen Sie damit um? Unterstützen Sie die aktuelle Recherche unseres Klima-Teams und schreiben Sie es hier in den Crowd Newsroom. Die Ergebnisse lesen Sie dann in den kommenden Tagen bei uns.

Foto: Chris Gordon / istock
Außerhalb erlaubter Zeiten den Rasen sprengen? Das kann hohe Bußgelder bedeuten. (Foto: Chris Gordon / istock)

Haben Sie Familienmitglieder, die lieber ausblenden, wie groß das Dürre-Problem durch den Klimawandel ist? Dann können Sie sich hier unseren neuen CORRECTIV-Spickzettel als PDF herunterladen und bei Bedarf ausdrucken. In unserer Spickzettel-Reihe stellen wir kurz und knackig Fakten zusammen – zu typischen Reiz-Themen, bei denen man leicht mal mit Familienmitgliedern oder Freunden aneinandergerät.

Und dann empfehle ich Ihnen diesen aktuellen CORRECTIV-Text: Volkswagen plant derzeit den größten, radikalsten Konzern-Sparkurs, den es jemals im Autokonzern gab. Jetzt hat unser Wirtschaftsexperte Martin Murphy den ganzen Plan zugespielt bekommen – und heute einen exklusiven Text dazu veröffentlicht.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Haben Sie eine Klimaanlage? Planen Sie, sich eine anzuschaffen? Haben Sie Vorschläge, was wir zur aktuellen Klimaanlagen-Debatte recherchieren sollten? Dann schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Klimaanlagen für alle?!

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Grafik des Tages: Im Netz suchte Deutschland so häufig wie noch nie nach Klimaanlagen

Eine Klimaanlage haben und wollten wir bislang auch nicht. Zu schlecht für die Umwelt. Wie schlecht die Klimabilanz einer Anlage ist, kann man zum Beispiel beim WDR-Wissensmagazin Quarks nachlesen.

Jetzt aber begannen wir, zu recherchieren: Was würde die Anschaffung kosten und wie würde der Einbau funktionieren? Mein Mann und ich sorgen uns, dass wir es sonst in ein paar Jahren im eigenen Zuhause nicht mehr aushalten. Vor allem nicht mehr, wenn wir mal alt sind und es dann noch heißer wird. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Genau dieselben Fragen haben sich am Wochenende sehr viele Menschen in Deutschland gestellt – siehe dazu auch die heutige Grafik des Tages. 

Die Elektrogeräte beschäftigten aber nicht nur Privatleute. Die Klimaanlage ist an diesem Wochenende zum politischen Zankapfel geworden – die sozialen Netzwerke sind voller kontroverser Diskussionen darüber.

Bald auch Stadtbild in Deutschland? So sehen die Hauswände zum Beispiel in Südfrankreich aus. Quelle: Picture alliance / Hans Lucas | Frédéric Scheiber.

Die Positionen sind teils überraschend:

Ausgerechnet die Grünen …
… fordern ein Sofortprogramm für mehr Klimaanlagen, wie deren Fraktionschefin Katharina Dröge der Bild am Sonntag sagte. Das hätte man nicht unbedingt erwartet. 

Allerdings: Es geht hier nicht um Privathaushalte, sondern um Pflegeheime und Krankenhäuser. Also um jene Einrichtungen, in denen die Gefährdetsten der Gesellschaft am Wochenende vor sich hin vegetierten – und wo man tatsächlich fragen muss: Warum gibt es denn nicht schon in allen dieser Einrichtungen längst Klimaanlagen?

Die Grünen-Politikerin hat das zudem mit einer Forderung nach Solarenenergie-Förderung verknüpft. Um die umweltschädlichen Effekte der Klimaanlagen teils wieder gutzumachen, sozusagen.

Die Fachleute …
… also Mediziner, die in Pflegeheimen und Krankenhäusern arbeiten, gehen zum Teil noch einen Schritt weiter: Hier zum Beispiel fordert ein bekannter Intensivmediziner, die Bundesregierung müsse jetzt Geld aus dem Infrastruktur-Sondervermögen zur Verfügung stellen, um für Krankenhäuser und Pflegeheime Klimaanlagen anzuschaffen. Der Forderung nach Geld aus dem Sondervermögen schloss sich jetzt auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) an.

Ist das wirklich eine politische Option? Wir haben heute das Bundesfinanzministerium und das Bundesgesundheitsministerium gefragt, ob dies denkbar wäre.

Das Bundesfinanzministerium verwies uns ans Umweltministerium – das sich aber ja schon über deren Minister dazu geäußert hatte. Und das Bundesgesundheitsministerium schrieb uns sinngemäß: Tatsächlich gibt es schon einen Krankenhaus-Transformationsfonds, in dem insgesamt 50 Milliarden Euro stecken. Darin seien 29 Milliarden Euro vom Bund aus dem Sondervermögen eingeflossen. 

Das Geld könne also auch genutzt werden, um die „Anforderungen des Klimawandels“ bei neuen Krankenhäusern zu berücksichtigen oder bestehende Krankenhäuser zu modernisieren. Wie allerdings der Schutz der Gesundheit vor Hitze genau ausgestaltet werden solle – das würden am Ende die Bundesländer entscheiden. Nicht der Bund.

Ob das Geld also am Ende wirklich in Klimaanlagen fließt, hängt also an den Ländern.

Die Klimaschützer …
… weisen darauf hin, dass es auch Alternativen zur Klimaanlage gibt, zum Beispiel Eimer voller Eiswasser, die man sich vor den Ventilator stellt. Das ist auch kostengünstiger als eine Klimaanlage, deren Kosten T-Online hier vorrechnet. Ich habe in der CORRECTIV-Belegschaft herumgefragt und weitere spannende Vorschläge gesammelt. Zum Beispiel:

– eisgekühlte Schweißbänder anziehen – weil die Handgelenke den ganzen Körper kühlen
– in den Wald gehen
– eine Kühl-Weste anschaffen, die man unter seiner Kleidung trägt
– die Fenster seiner Wohnung vor Hitzetagen mit UV-Folie oder Auto-Rettungsdecken abdunkeln (wobei letzteres auch wieder Gefahren birgt).

Die Klimawandel-Skeptiker und die AfD…
… haben es gerade nicht leicht: Da es ja aus ihrer Sicht keinen menschengemachten Klimawandel gibt, können sie jetzt schlecht nach dem Staat rufen, damit dieser für Abkühlung sorgt. Andererseits versprechen Populisten ja gern viel. 

Also machen sie einfach beides.

Ohne Anerkennung der Klimakrise fordert zum Beispiel ein Autor von Springers WELT von der Politik, deutlich mehr Klimaanlagen herbeizuschaffen – nachzulesen ist das hier. In Frankreich geht derweil Marine Le Pen noch weiter und verspricht: Klimaanlagen für alle!

Und die AfD? Die hat das Problem, dass sie gerade das Selbe fordert wie die Grünen: kühle Räume für Pflegeheime. 

Eine solche Einigkeit will man rechtsaußen natürlich vermeiden. Deshalb haben sich zumindest die rechtslastigen Medien jetzt sicherheitshalber auf einen neuen Aspekt verlagert: Klimaanlagen in Privathäusern. Ihre Botschaft ist jetzt: Wir lassen uns die Klimaanlagen nicht verbieten! Ein solcher Text ist zum Beispiel hier nachzulesen. Dabei hat überhaupt niemand den Plan, Klimaanlagen für Privathäuser zu verbieten.

Für eine solche Differenzierung hat aber – zumindest in der Rechtsaußen-Bubble – gerade niemand einen kühlen Kopf. Unter dem Strich bleibt: So ziemlich alle Seiten versuchen gerade, das Hitzewochenende und das Thema Klimaanlagen politisch auszuschlachten. Hoffnung gibt dabei der Fakt, dass offenbar alle Seiten erkannt haben: Die verletzlichen Menschen in den Pflegeheimen darf man dabei nicht allein lassen.

Wenn Sie selbst über eine Anschaffung nachdenken:
Beim SWR gibt ein Energieberater Tipps, für wen eine Klimaanlage wirklich sinnvoll ist – auch aus Klima-Sicht.

Niederlagenserie setzt sich fort: Weiter kein AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt
Am Sonntag unterlag im Saalekreis der AfD-Kandidat und Polizist Uwe Arendt bei der Landratswahl dem CDU-Bewerber Sven Czekalla. Vor der Wahl hatte die taz berichtet, Arendt sei während seiner Amtszeit durch rassistisches Verhalten aufgefallen. Für die AfD setzt sich damit die Niederlagenserie bei Bürgermeister- und Landratswahlen in Ostdeutschland fort: Seit Jahresbeginn verlor die Partei 30 von 32 Wahlen. 
taz.de

Laut Ifo-Studie: Mineralölkonzerne geben Tankrabatt nicht vollständig weiter 
Eine Studie des Münchener Ifo-Instituts erhärtet den Verdacht, dass Mineralölkonzerne den Tankrabatt nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben haben. Beim Diesel betrug die Weitergabe im Schnitt 12 Cent pro Liter, obwohl der Rabatt 16,7 Cent betragen sollte. Bei Super und Super E10 lagen die Werte mit 17 und 16 Cent näher am vorgesehenen Rabatt. Die Ergebnisse widersprechen den Aussagen des Mineralölwirtschaftsverbands En2x, der stets betont hatte, der Steuerrabatt sei vollständig weitergegeben worden.
spiegel.de

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Diese Stadt ist wirklich im Video zu sehen: A Coruña im Norden Spaniens. (Foto: Stephan Suehling / Imagebroker / Picture Alliance)

So geht’s auch
Ein britisches Start-up erzeugt Strom aus dem Boden – mithilfe von Bakterien. Die Technik nutzt Mikroben, die in der Erde während ihres natürlichen Stoffwechsels Elektronen freisetzen. Die jährliche Leistung entspricht der von zehn AA-Batterien – genug, um Sensoren, wie sie in der Landwirtschaft häufig eingesetzt werden, ein Jahr lang zu betreiben.
utopia.de

Fundstück
Der Hantavirus-Ausbruch klingt ab, meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Nachbeobachtung der meisten Kontaktpersonen ist abgeschlossen. Noch 30 Menschen stehen unter Beobachtung, so die WHO. Insgesamt gab es 13 Fälle, darunter drei Todesopfer. 
tagesschau.de


Meine unterschiedlichen Anfragen an Experten und Verbände wurden unbrauchbar. Das ist im journalistischen Alltag aber normal. Manchmal führt eine Recherche eben dazu, dass man eine Meldung „tot recherchiert“, wie man in Redaktionen dazu sagt. 

Das erlebe ich auch als Leserreporter. Ich stelle Ihre Fragen den zuständigen Behörden und verzweifle manchmal beinahe an den Antworten. Damit das Format nicht ausfällt, muss ich mir schnell Alternativen suchen. Archivierte Pressemitteilungen oder gesprächige Pressesprecher sind da mein Auffangnetz. Ein konkretes Beispiel dazu war die Frage: Warum müssen wir Umsatzsteuer auf die Stromsteuer zahlen? Die Antwort vom Bundesfinanzministerium war überwuchert mit Fachjargon. Die Frage habe ich dann mithilfe des Gesetzestextes der Umsatzsteuer beantwortet (Sie können sich vorstellen, wie die Antwort des Ministeriums aussah, wenn ein Gesetzestext auch für Nicht-Juristien verständlicher wirkt). 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Sebastian Haupt und Elena Müller.