Das ist ziemlich dürre!

In ganz Europa werden die Böden immer dürrer. Wir haben analysiert, welche Regionen wie stark betroffen sind.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

Europas Böden trocknen aus. Das ist eine existenzielle Bedrohung – denn auf ausgedürrter Erde kann nichts wachsen. Aber wie stark ist welche Region in Europa betroffen? Das hat unser Team CORRECTIV-Europe in einer Datenanalyse zusammengestellt. Mehr dazu lesen Sie heute im Thema des Tages.

Außerdem heute bei uns: An welche unsichtbaren Mauern stößt man als Deutscher mit Migrationsgeschichte? Darüber habe ich im Videointerview mit jemandem gesprochen, der es genau weiß – weil er selbst betroffen ist und in seiner Arbeit damit zu tun hat: der Kölner Sozialpsychologe Musa Deli. Er leitet das dortige Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten – das Leuten hilft, zum Beispiel die rar gesäten Behandlungsplätze bei Psychotherapeuten zu finden.

Deli erzählte Dinge, über die ich seitdem viel nachgedacht habe. Zum Beispiel, dass ihn in der Grundschule eine Lehrerin schlug – und dies seiner Mutter gegenüber damit rechtfertigte: Sie habe sich an „türkischen Erziehungsmethoden“ orientiert. Hier geht es zum Video.

Jetzt wie angekündigt eine ganz kurze Zusammenfassung der vielen Mails, die Sie mir zum Thema Organspende geschrieben haben. Viele von Ihnen schreiben: Sie seien skeptisch, ob Organe nicht zu schnell entnommen würden – also wo die Grenze liege und wann man wirklich nicht mehr zu retten sei. Und es gab auch Zuschriften von gläubigen Christen, die befürchten, es könnte ihre Seele beschädigen, wenn vor dem Tod Organe entnommen werden. Die Debatte in den Leser-Mails zeigt, dass unsere Gesellschaft das Thema noch viel ausführlicher diskutieren muss.

Und nun zum Sport. Heute beginnt die Fußball-WM! Sind Sie schon im Fußballfieber? Oder versuchen Sie, das Spektakel zu ignorieren? Ich war gestern Abend bei der Fun Facts-Aufzeichnung mit einem besonderen Gastgeber, der für uns den Klüngel in der Fifa unter die Lupe genommen hat: Oliver Welke, Moderator der Heute Show. Sehr sehenswert – und morgen im SPOTLIGHT. Schreiben Sie mir gern, was Sie zur Fußball-WM meinen: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Das ist ziemlich dürre!

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Wer zahlt für die Klimaschäden?

Leserfrage der Woche: Warum muss man eigentlich Umsatzsteuer auf die Stromsteuer bezahlen?

CORRECTIV.Faktenforum: Studie zu Golfplätzen beweist keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Parkinson

Gute Sache(n): Outing – die Vorreiter im Fußball • Deutschland dank Erneuerbarer Energien wieder Stromexporteur • Geheimnis gelüftet: Warum Menschen eine bevorzugte Hand haben

CORRECTIV ganz persönlich: Auf den Berliner Waffenmessen diese Woche zeigt sich, wohin das Land steuert

Grafik des Tages: EU-Lobbyausgaben auf Höchststand

Die Sache ist die: Es wird ja nicht nur wärmer, sondern auch trockener. Wenn Böden immer weiter ausdörren, wächst darauf weniger – es wird also immer schwieriger, die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. 

Wir haben einen Überblick erstellt …
… wie betroffen welche Region in Europa ganz konkret ist. Unsere Reporterinnen Frida Thurm und Lilith Grull haben mit ihrem Team europaweite Datensätze des  Erdbeobachtungsprogramms Copernicus ausgewertet – und daraus eine Landkarte erstellt. Darauf können Sie nachschauen, wie es in Ihrer Region aussieht. 

Hier geht es zum Text und zur Karte. Kleine Anleitung: Um zur Suchmaske zu gelangen, müssen Sie im Text etwas nach unten scrollen.

Wie es in Deutschland aussieht:
Ich habe mich mal durch die Karte geklickt und dabei festgestellt: In Berlin zum Beispiel (wo es natürlich wenig Ackerfläche gibt) herrschte in den vergangenen Jahren im Schnitt an vier Tagen pro Jahr Dürre-Alarm. Spitzenreiter war das Jahr 2019 mit 20 Alarmtagen. Doch nicht nur, wenn die Böden so extrem trocken sind, ist das ein Problem. Auch Tage, an denen generell zu wenig Niederschlag fällt, lassen sich über die Karte nachvollziehen. Solche Warnungen für moderate Dürren gab es im Schnitt in Berlin an 73 Tagen – im Jahr 2019 sogar an 265 Tagen.

Relevanter ist natürlich, wie es in Regionen mit einem hohen Anteil an Ackerfläche aussieht. Zum Beispiel in der Gemeinde Coesfeld in NRW (mit mehr als 55 Prozent Ackerfläche) gab es in den letzten Jahren im Schnitt sieben Tage mit Dürre-Alarm und je 47 Tage mit Dürre-Warnungen.

Und anderswo in Europa?
Der gesamte europäische Wirtschaftsraum sowie Großbritannien, Nordmazedonien, Albanien und Serbien ist von Dürre betroffen. In zwei Drittel aller Landkreise und Städte gab es von 2012 bis 2026 sehr trockene Jahre.

Was heißt das?
In vielen Regionen Europas ist die Konsequenz schon jetzt, dass Wasser gespart werden muss. Zum Beispiel in Spanien: Um die Trinkwasserversorgung zu sichern, fordert die dortige Regierung schon seit 2024 in weiten Teilen des Landes, den Wasserverbrauch zu reduzieren – in der Landwirtschaft um bis zu 80 Prozent.

Dürre und andere Extremwetter-Ereignisse sind auch ein Wirtschaftsfaktor:
Alleine im Jahr 2025 verursachten extreme Wetterereignisse in Europa finanzielle Schäden von mindestens 43 Milliarden Euro. 

Neben Dürren waren dies auch Hitzewellen und Überschwemmungen nach Starkregen. Die Europäische Umweltagentur warnt: Die wirtschaftlichen Folgen könnten sich bis 2029 auf rund 126 Milliarden Euro summieren, wenn der Trend nicht gestoppt wird. 

Iran und USA liefern sich Raketenangriffe: Widersprüchliche Berichte zur Lage 
In der Nacht zum Donnerstag ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut eskaliert. Die USA griffen den Iran mit Raketen an, der Iran reagierte mit einem Angriff auf das regionale Hauptquartier der US-Marine. Beide Staaten lieferten dabei widersprüchliche Berichte: Der Iran erklärte, die Straße von Hormus sei geschlossen, die USA dementierten das.
welt.de

Reiche zeigt Kompromissbereitschaft beim Ausbau erneuerbarer Energien 
Seit Wochen ringt die Koalition darum, wie es beim Ausbau der Erneuerbaren weitergehen soll. Nun zeigt sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei einem besonders strittigen Punkt kompromissbereit. Dabei geht es um den Anschluss Erneuerbarer Energien in strukturell überlasteten Regionen (Redispatch-Vorbehalt). Am Mittwoch erklärte Reiche, sie sei offen für alternative Vorschläge. Eine Lösung will sie noch vor der Sommerpause präsentieren.
tagesspiegel.de

Symbolbild Leserfrage der Woche

Wir haben beim Bundesfinanzministerium nachgefragt und eine schnelle Antwort erhalten – in ziemlichem Behördendeutsch. Vereinfacht lässt sie sich so zusammenfassen: 

Die Umsatzsteuer wird auf den gesamten Preis erhoben, den Kunden letztlich für ein Produkt oder eine Dienstleistung zahlen – in diesem Fall Strom. 

Dabei kaufen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur den Strom an sich. Denn bevor der Betreiber ihn verkauft, zahlt er dem Staat die gesetzlich vorgeschriebene Stromsteuer. Für das Unternehmen zählt das als ein weiterer Kostenfaktor – ähnlich wie Miete oder Löhne. All diese Kosten fließen in den Endpreis ein, wie bei jedem anderen Produkt. 

Die Rolle von Pestiziden auf Golfplätzen bleibt ungeklärt (Symbolbild: Darren Kirk / Picture Alliance / Visually)

So geht’s auch
Erstmals seit 2023 hat Deutschland wieder mehr Strom in andere Länder exportiert, als es aus dem Ausland bezieht. Die Grundlage dafür bilden Erneuerbare Energien.
zdfheute.de

Fundstück 
90 Prozent der Menschen sind Rechtshänder. Im Tierreich, selbst bei Menschenaffen, gibt es keine bevorzugte Hand. Forschende der Universitäten Oxford und Reading haben nun herausgefunden, warum sich der Mensch unterscheidet. Zwei Faktoren machen den Unterschied: das größere menschliche Gehirn und der aufrechte Gang. Mit freien Händen brachte eine dominante Hand klare Vorteile.
welt.de


Die Messe befasste sich über viele Jahrzehnte hauptsächlich mit der zivilen Luft- und Raumfahrt, Rüstung machte eher einen kleineren Teil aus. Jetzt ist es im Grunde umgekehrt. Und so zeigt sich hier gut, wohin das Land steuert: Es scheinen Waffen zu sein, die uns einen Wirtschaftsaufschwung bescheren sollen.  

Ich habe diese Woche gleich mehrere solcher Rüstungsveranstaltungen besucht und mich dort mit Militärs, Industriellen und Politikern unterhalten. Spannend war für mich am Montag auf einer Konferenz insbesondere der Widerspruch zwischen dem, was ukrainische Soldaten von der Front berichten – dass sie vor allem billige Waffensysteme brauchen –, und dem, was etwa Firmen wie Helsing oder Stark dort angeboten haben: sehr, sehr, sehr teure Geräte, die in der Ukraine kaum gebraucht werden. 

Was vielen nicht bekannt sein dürfte: Einige Firmen testen ihre Waffen dort derzeit im laufenden Krieg. Auf seinem Stand warb etwa das Unternehmen Tytan aus München mit: „Battlefield-tested in Ukraine“. Auch das Unternehmen Quantum Systems, ebenfalls aus dem Münchner Raum, präsentierte stolz, wie man mit seinen Drohnen der Ukraine helfe. 

Doch all die noblen Marketing-Slogans täuschen zumindest mich über eine Sache nicht hinweg: Den Ukrainern geht es gerade darum, mit allen Mitteln ihr Land zu verteidigen – den deutschen Waffenhändlern jedoch geht es primär ums Geldverdienen. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.