Hitzedarstellung im TV: Video zu Wetterkarten ist nicht echt
Ein Video soll zeigen, dass Temperaturen im Fernsehen früher weniger dramatisch dargestellt wurden. Zu solchen Wetterkarten verbreiten sich seit Jahren Falschbehauptungen. Diesmal ist das Video mit KI generiert.
Deutschland erlebt Ende Juni eine Hitzewelle mit Rekordtemperaturen über 40 Grad. In den Tagen davor verbreitete sich ein Video auf Instagram, Tiktok und Youtube, das zeigen soll, dass Medien die Temperaturen dramatisieren.
Belegen soll das ein Wetterbericht, der „früher“ im Fernsehen gezeigt worden sein soll. Darin spricht eine Moderatorin über die Vorhersage für den nächsten Tag, auf einer Deutschlandkarte im Hintergrund sind Temperaturen von 32 Grad vor einem blass gelben Hintergrund zu lesen. Ein vermeintlich aktueller Bericht mit einem Moderator illustriert ähnliche Temperaturen hingegen mit einer tiefroten Karte.
Doch an dem Video ist etwas faul, wie auch einige in den Kommentaren bemerken: Es ist offensichtlich mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Die Wetterberichte gab es nie. Im Faktencheck erklären wir, woran sich das erkennen lässt.

Video zu Wetterkarten wird auf Tiktok und Youtube als KI gekennzeichnet und enthält KI-Wasserzeichen
Neben vielen Kommentaren, die auf die Nutzung von KI hinweisen, finden sich bei einigen Beiträgen etwa auf Tiktok und Youtube Hinweise der Plattformen, dass hier KI genutzt wurde: „Mit KI erstellt“ und „Audioinhalte oder visuelle Inhalte wurden verändert oder vollständig mithilfe von Kl generiert“ heißt es etwa bei Youtube, „Enthält KI-generierte Medien“ bei Tiktok. Nicht alle Beiträge mit dem Video enthalten jedoch so einen Hinweis.

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Der früheste Beitrag, den wir finden konnten, wurde am 18. Juni veröffentlicht und stammt von einem Profil, das sich als „Hobby KI Creator“ bezeichnet und offenbar ausschließlich KI-Videos veröffentlicht. Teils sind einzelne Beiträge des Profils auch entsprechend gekennzeichnet. Auf Anfrage schreibt uns der Account, dass sein Video geklaut worden und dann ohne KI-Kennzeichnung weiterverbreitet worden sei. Gleichzeitig schreibt er, dass die Behauptung, dass Wetterberichte früher weniger dramatisch waren, „Fakt“ sei. Wieso diese Behauptung in die Irre führt, erklären wir weiter unten im Text.
Laut Googles KI Gemini enthält das Video zudem ein digitales Wasserzeichen, die „SynthID“. Damit werden Bilder gekennzeichnet, die von Googles KI oder mit ChatGPT erstellt oder bearbeitet wurden. Sowohl die Tonspur als auch das Bildmaterial enthält demnach diese Kenntlichmachung.

Details in Wetterkarten-Video deuten auf KI hin
Auch unabhängig davon lassen sich in dem Video Hinweise auf die Nutzung von KI erkennen: Text, etwa bei „Dresden“ oder „Stuttgart“ ist merkwürdig verschwommen, Bildelemente, beispielsweise die Zähne und die Lippen der Moderierenden, verschmelzen miteinander, die Hand des Moderators wird kurz durchsichtig.
Und: Wir finden keine Hinweise, dass es die gezeigten Moderatoren im deutschen Fernsehen überhaupt gab.

Falsche und irreführende Behauptungen zu Wetterkarten verbreiten sich seit Jahren
Behauptungen zu Wetterkarten und angeblich manipulativer Berichterstattung durch „die Medien“ verbreiten sich seit Jahren. Wir haben dazu immer wieder Faktenchecks veröffentlicht. Oft werden Karten miteinander verglichen, die unterschiedliche Dinge zeigen und daher gar nicht vergleichbar sind. Oder der Kontext ausgelassen, dass die Wetterkarten der Tagesschau im Laufe des Jahres immer wieder angepasst wurden, um Temperaturunterschiede besser abzubilden. Unseren Hintergrundtext dazu finden Sie hier.
Neu ist, dass nun KI eingesetzt wird, um die Behauptungen zu füttern.
Redigatur: Matthias Bau, Sophie Timmermann
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