Hat die Whatsapp-KI „ab Samstag“ Zugriff auf private Chats? Warum dieser Kettenbrief so nicht stimmt
Angeblich habe die Künstliche Intelligenz in Whatsapp Zugriff auf alle Chats, Kontakte und persönlichen Daten, heißt es im Juni 2026 online. Die Behauptung ist nicht neu – sie stellt die Situation aber teilweise falsch dar.
In Sozialen Netzwerken kursiert im Sommer 2026 eine Warnung über die KI-Funktion bei Whatsapp. In der Nachricht steht, „ab Samstag“ sei die KI verfügbar und habe Zugriff auf alle Chats, sie könne Telefonnummern sehen und persönliche Daten abrufen. Mehr als 20 Mal wiesen uns Menschen über unsere Einreichungsplattform auf diese Nachricht hin. In diesem Faktencheck gibt es die Hintergründe.
Es geht um die Künstliche Intelligenz Meta AI, die der Konzern hinter Facebook, Whatsapp, Instagram und Threads im Jahr 2025 eingeführt hat. Wie CORRECTIV.Faktencheck berichtete, kursierte schon damals ein sehr ähnlicher Kettenbrief. Der Inhalt ist jedoch irreführend: Es stimmt nicht, dass die Meta-KI automatisch auf alle Chats Zugriff hat – dennoch kann es ratsam sein, den erweiterten Datenschutz zu aktivieren. Datenschutzbedenken gibt es bei Metas Apps dennoch.

Meta hatte Ende März 2025 in der EU die KI-Option Meta AI in seinen Apps Whatsapp, Facebook und Instagram angekündigt. Auf Whatsapp kann man die KI zum Beispiel in einem Chat markieren und sie bitten, alle neuen Nachrichten zusammenzufassen. Oder man schreibt mit der KI in einem eigenen Chat, stellt ihr Fragen oder lässt sie Bilder erstellen.
Allerdings bedeutet das nicht, dass Meta damit direkt Zugriff auf alle Nachrichten hat.

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Liest die KI auf Whatsapp private Chats mit?
Im Hilfebereich von Whatsapp steht dazu: Persönliche Nachrichten seien für die KI „tabu“, Auf Nachfrage teilte Meta mit: „Meta AI kann nur die Nachrichten einsehen, die Sie bewusst mit ihr teilen. Ihre persönlichen Nachrichten und Anrufe mit Freunden und Familie bleiben durch eine End-to-End-Verschlüsselung geschützt.“ Das heißt: Nur Nachrichten, in denen „@Meta AI“ erwähnt wird oder die Personen mit Meta AI teilen, könne die KI auch lesen.
Die Bundesbeauftragte für Datenschutz schrieb im April 2025 auf ihrer Webseite, dass die KI nach aktuellem Kenntnisstand nicht mitlese. Der Inhalt und die näheren Umstände von Chats unterlägen allgemein dem Fernmeldegeheimnis – das gelte auch für Gruppenchats.
Auf aktuelle Nachfrage bestätigte das ein Sprecher der Datenschutzbeauftragten. „Hinsichtlich Whatsapp begrenzt sich das Ausmaß der KI Nutzung bislang auf die Interaktion zwischen dem:der Nutzer:in mit der Meta AI. Nach hiesigem Kenntnisstand werden diese zum aktuellen Zeitpunkt nicht zum Training der KI genutzt.“
Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schrieb uns bereits zum Kettenbrief von 2025, die KI habe nicht automatisch Zugriff auf die Inhalte von Gruppen- oder Einzelchats. Nur wenn Personen Meta AI gezielt nutzen, würden die Anfragen an die KI-Systeme weitergeleitet. Wer nicht will, dass sie Nachrichten mitliest, sollte sie nicht nutzen – um einen Chat zu schützen, gibt es eine zusätzliche Funktion. Dazu unten mehr.
Kann Meta AI Telefonnummern und persönliche Daten abrufen?
Grundsätzlich gilt: Auch durch seine Apps Facebook, Threads und Instagram sammelt Meta Daten, so wie viele andere Tech-Anbieter auch. Wie sie verwendet werden, steht in den Datenschutzbestimmungen, denen Nutzer bei der Anmeldung zustimmen müssen. Dazu können zum Beispiel die eigene Telefonnummer, mit der man sich bei Whatsapp anmeldet, Geräteinformationen, IP-Adresse und Standortdaten gehören.
Für das Training der Meta-KI werden in Europa seit Ende Mai 2025 öffentliche, personenbezogene Daten und Chatverläufe mit der KI genutzt. Wie der Datenschutzbeauftragte erklärt, fallen darunter die öffentlichen Daten aller volljährigen Nutzerinnen und Nutzer, also Posts, Fotos und Kommentare. Vor allem bei Facebook oder Instagram teilen viele Menschen diese öffentlich.
Die Verbraucherzentrale stellte in einem Artikel klar, dass dies auch Daten von Dritten betreffen könne, die Meta-Apps nicht nutzen. Etwa wenn ein Nutzer ein Foto von einer Person auf Facebook öffentlich postet, die dort nicht angemeldet ist.
Der Nutzung dieser Daten konnte man bis Mai 2025 widersprechen. Auch jetzt können Nutzerinnen und Nutzer noch widersprechen, allerdings nicht rückwirkend, es werden also nur neue Daten und Beiträge ausgeschlossen. Verbraucherschützer kritisierten, dass jede Person damit aktiv der Datennutzung widersprechen muss („Opt-out“).
Erweiterter Datenschutz: Wie lässt sich die KI-Funktion in Chats ausschalten?
In Deutschland ist Meta dafür in der Kritik, dass sich die KI nicht vollständig deaktivieren lässt – das Kreis-Logo, das zum Chat mit der KI führt, ist in der App prominent zu sehen.
Wer die KI aus einem Chat explizit ausschließen will, kann den erweiterten Datenschutz aktivieren, den Whatsapp im April 2025 mit der KI eingeführt hat. Damit gibt es etwa keinen Chat-Export mehr und Fotos oder Videos landen nicht mehr automatisch in der Fotogalerie aller Chat-Teilnehmer. Allerdings hat diese Funktion ihre Grenzen: Es lässt sich nicht komplett ausschließen, dass ein anderes Chat-Mitglied einen Screenshot anfertigt oder private Fotos mit der KI teilt. Die KI-Funktion kann lediglich in dem Chat nicht mehr verwendet werden (siehe Foto rechts). Und: In Gruppen kann nur der Admin die Funktion aktivieren.

Dazu hat Meta weitere Optionen eingeführt: Etwa können Nutzer vergangene Interaktionen mit der Meta KI hier zurücksetzen. Im Mai 2026 hat Whatsapp darüber hinaus eine private Chatfunktion mit der KI ergänzt, „auf die nicht einmal Meta zugreifen kann“.
Grundsätzlich weist Whatsapp im Hilfebereich darauf hin: „Sende Meta keine Nachrichten mit Informationen, von denen du nicht möchtest, dass die KI sie sich merkt.“
Transparenzhinweis: CORRECTIV ist seit 2017 in einer Kooperation mit dem Konzern Meta, um Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk zu bekämpfen. Mehr Informationen zu der Kooperation erhalten Sie hier. Über die aktuellen Entwicklungen zu dieser Kooperation hat CORRECTIV hier berichtet.
Redigatur: Sophie Timmermann, Max Bernhard
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