Schule in NRW: Leiterin dementiert angebliches Deutschlandflaggen-Verbot
In einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen soll der Schülerschaft untersagt worden sein, Kleidung mit Deutschlandflaggen zu tragen, heißt es in einem Video eines AfD-Lokalpolitikers. Die Schulleitung dementiert.
In einem Video berichtet der Lokalpolitiker Felix Hermann Hampe (AfD) von einem angeblich „irren Vorfall“ in Nordrhein-Westfalen. Mehrere Schüler des Gymnasiums in Horn-Bad Meinberg sollen sich an die dortige AfD gewandt haben, weil ihnen vom Schulleiter verboten worden sei, Deutschlandfahnen auf Kleidungsstücken zu tragen.
Die Geschichte verbreitet sich mitten in der Fußballweltmeisterschaft und erreichte zehntausende Likes. Der Haken: Sie stimmt so nicht.

Das Gymnasium in Horn-Bad Meinberg hat keinen Schulleiter, sondern eine Schulleiterin: Anja Vothknecht. Sie schrieb uns auf Nachfrage: „An unserer Schule dürfen Schüler:innen Trikots mit Flaggen tragen – und die Flaggen dürfen natürlich auch auf Rucksäcken usw. sichtbar ein. […] Es gibt kein und gab nie ein Verbot, die deutsche Flagge oder irgendeine andere zu zeigen. Dies haben wir in einem Elternbrief und einer schriftlichen Nachricht an alle Schüler:innen deutlich formuliert.“ Beide liegen uns vor.
Schulleitung dementiert angebliches Verbot von Deutschlandflaggen
Ein Verbot gab es laut Schulleitung also nicht. Mögliche Hintergründe für die Beschwerde der Schüler gehen aber aus einem Artikel der Lippischen Landes-Zeitung hervor. So gaben Schüler an, ihnen seien nach WM-Start einige Fanartikel durch Lehrkräfte abgenommen worden. Auch hätten manche Lehrkräfte ihnen nahegelegt, die Flaggen abzulegen. Auf diese Vorfälle nimmt Hampe in einem späteren Video Bezug. Warum er in seinem Video von einem Verbot durch die Schulleitung spricht und ob und worüber sich die Schüler konkret beklagt hatten, bleibt unklar. Felix Hermann Hampe antwortete auf diese und weitere Fragen unserer Redaktion nicht.
Dass einigen Schülern nahegelegt wurde, die Deutschlandfahne nicht als Umhang zu tragen, bestätigt auch der Schulpflegschaftsvorsitzende Frank Hanke uns per E-Mail. Die Schulpflegschaft ist in Nordrhein-Westfalen ein Organ der Elternvertretung an Schulen. Allerdings habe es sich dabei nicht um eine Vorgabe der Schulleitung gehandelt, sondern um eine Einschätzung einer einzelnen Lehrkraft: „Nach meinem Kenntnisstand handelte es sich hierbei um einen Einzelfall und nicht um eine allgemeine Vorgabe der Schule oder des Kollegiums.“
Flaggen dürfen in Klassenräumen aufgehangen werden
Ereignet hatte sich laut Artikel der Lippischen Landes-Zeitung auch ein Vorfall, bei dem ein Achtklässler eine ohne Erlaubnis in der Mensa aufgehangene Flagge als Setting für ein „politisch motiviertes Video“ nutzte. Die Flagge musste laut Hanke dort wieder entfernt werden, weil sämtliche Aushänge, egal welcher Art, vorher genehmigt werden müssen. Da zudem auch mehrere Elftklässler „massiv“ mit Flaggen behangen erschienen waren, wie es in dem Artikel heißt, wollte die Schulleitung zunächst das Umhängen von Flaggen unterbinden.
„Weil es den Schüler:innen unserer Schule wichtig ist, dass sie eine Flagge als Umhang tragen dürfen, haben wir das nach anfänglichem Zögern auch erlaubt“, erklärt Schulleiterin Anja Vothknecht uns per E-Mail.
Auf den Schulfluren und im sogenannten Forum dürfen nun zunächst keine Flaggen hängen, in den Klassenräumen dagegen schon. „Wir haben uns dazu entschieden, weil es bereits Videos gab, die eine in der Schule aufgehängte Fahne nicht aus sportlicher Begeisterung zur Unterstützung der Nationalmannschaft nutzten, sondern Werte und Haltungen propagierten, die sich mit den Werten unserer Schule nicht vereinbaren lassen“, heißt es im Elternbrief zu dem Thema. Überdenken wolle man das Verbot erneut beim Viertelfinale der WM.
Redigatur: Paulina Thom, Sophie Timmermann