Gesellschaft

Roboter greift Menschen an: Video ist inszeniert

Ein Roboter attackiert in einem Büro plötzlich Menschen. Was online einige für eine Fehlfunktion der Maschine halten, ist eine Inszenierung, die Millionen erreichte. Dahinter steht ein Unternehmen, das Roboter zu Social-Media-Berühmtheiten machen will.

von Matthias Bau

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Ausschnitt aus dem Video, das den durchgedrehten Roboter zeigen soll (Quelle: Tiktok / Joko Prabuwesi; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein Video zeige, dass ein humanoider Roboter in China verrückt geworden sei und angefangen habe, Mitarbeitende zu verprügeln.
Bewertung
Falsch. Das Video ist eine Inszenierung und entstand vermutlich in Indonesien.

Eine Frau eilt durchs Bild, verfolgt von einem Roboter, der um sich tritt und schlägt. Zwei Männer versuchen ihn vergeblich im Zaum zu halten, dann beruhigt er sich wieder. Diese Szene zeigt ein Video, das im Stile einer Überwachungskamera aufgenommen wurde. 

„Ein humanoider Roboter in China ist verrückt geworden und hat angefangen, Mitarbeiter zu verprügeln“, heißt es auf Youtube zu dem Video. „Außer Kontrolle geratener Roboter verteilt Kung-Fu-Tritte, während Techniker versuchen, ihn zu bändigen“, betitelt die New York Post das Video, das weltweit viral ging. 

Was vielen Nutzerinnen und Nutzern entgeht, ist jedoch, dass das Video keineswegs einen Roboter zeigt, der außer Kontrolle geraten ist. Es ist vielmehr eine Inszenierung, die Millionen erreichte.

Video wurde in Indonesien aufgenommen

Bei unserer Recherche zu dem Video stießen wir auf einen Artikel des britischen Boulevardmediums Daily Star, in dem der Name des Roboters genannt wird: „Joko Prabuwesi“. Unter diesem Namen fanden wir Profile bei Tiktok und Instagram. Offenbar handelt es sich dabei um die Profile, die das Videos ursprünglich verbreiteten. Auf Tiktok erzielte das Video 132,6 Millionen Aufrufe (Stand: 29. Juli).

Neben dem Video des vermeintlich außer Kontrolle geratenen Roboters verbreitet der Account auf Tiktok weitere Aufnahmen, die den Roboter beim Tanzen oder in einer Fußgängerzone zeigen. Daneben gibt es aber auch eine Aufnahme, die zeigt, wie Teile des ursprünglichen Videos tatsächlich entstanden sein sollen. Darin ist zu sehen, dass die beiden Techniker, die im ursprünglichen Video auftauchen, den Roboter zu steuern scheinen. Ein weiteres Video greift den Vorfall in einem Sketch auf: Der Roboter wird zum Personalgespräch gebeten und soll sich bei seinem Kollegen entschuldigen. 

Offenkundig soll der Roboter zu einem Social-Media-Star gemacht werden. Die Videos erreichten ein breites Publikum, mittlerweile wechselten die Macher in den Untertiteln von Indonesisch zu Englisch. 

Firma bietete an, Roboter zu Social-Media-Berühmtheiten zu machen

Wer genau hinter dem Auftritt von Joko Prabuwesi steht, ist unklar. Auf einer Webseite, die den Roboter bewirbt, heißt es lediglich: „Körper aus China, Software aus Polen, Herz aus Indonesien“. Die Firma, die die Software des Roboters laut Angaben der Webseite bereitstellt, heißt „Mera Robotics“. Sie hat ihren Firmensitz in Polen. 

Das Unternehmen zeigt auf einer Karte, wo seine Roboter bereits im Einsatz sind: Aktuell in Polen, den USA, Dubai und Indonesien. Dort seien die Roboter bereits viral gegangen, der Rest der Welt sei „noch zu haben“.

Neben Joko Prabuwesi ist auch ein Roboter namens Edward Warchocki auf der Karte aufgeführt. Dessen Videos erzielen auf Tiktok ebenfalls regelmäßig mehrere hunderttausend Aufrufe. Wir haben Mera Robotics und die Social-Media-Profile, die die Videos von Joko Prabuwesi veröffentlicht, kontaktiert und gefragt, ob sie sich der Tatsache bewusst seien, dass Nutzerinnen und Nutzer durch das Video in die Irre geführt wurden. Bis zur Veröffentlichung erhielten wir keine Antwort (Stand: 29. Juli).

Auf einer Karte zeigt das Unternehmen Mera Robotics, wo seine Roboter bereits im Einsatz sind und in den Sozialen Netzwerken Bekanntheit erlangten
Auf einer Karte zeigt das Unternehmen Mera Robotics, wo seine Roboter bereits im Einsatz sind und in den Sozialen Netzwerken Bekanntheit erlangten (Quelle: Mera Robotics; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Die Inszenierung von Robotern ist nicht neu. Bereits zu Beginn des Jahres ließ der chinesische Staat anscheinend mit Joko baugleiche Roboter des Unternehmens Unitree gemeinsam mit Kindern auftreten, um seinen technologischen Fortschritt zu zeigen. Auch Bundeskanzler Merz sah im Februar bei seiner China-Reise eine entsprechende Inszenierung.

Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl