New Yorker Bürgermeister Mamdani: Studie zu Millionären wird falsch wiedergegeben
Im Netz heißt es, die Stadt New York habe innerhalb eines Jahres 11 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen verloren. Grund sei die Abwanderung von Millionären nach der Wahl Zohran Mamdanis zum Bürgermeister. Wieso das nicht stimmt, erklären wir im Faktencheck.
Im November 2025 wurde Zohran Mamdani, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, zum Bürgermeister der Stadt New York gewählt. Mamdani spricht sich für eine höhere Einkommensteuer für Millionäre aus. Gegner warfen ihm deshalb vor, ein „Kommunist“ zu sein, dessen Wahl zu einem Exodus von wohlhabenden New Yorkern führen würde.
Im Juli 2026 verbreiten sich nun Beiträge in Sozialen Netzwerken mit hunderttausenden Aufrufen, laut denen dieses Szenario eingetreten sei: Innerhalb eines Jahres habe New York 11 Milliarden US-Dollar (rund 9,66 Milliarden Euro, Stand 24. Juli 2026) an Steuereinnahmen verloren, weil Millionäre abgewandert seien. Schuld daran sei Mamdani. Aber das ist falsch. Woher die Zahl stammt, und wieso sie nichts mit Mamdanis Amtsantritt zu tun haben kann, erklären wir im Faktencheck.

Studie spricht von rund 11 Milliarden US-Dollar Verlust in 2022
Die Zahl aus den Beiträgen im Netz stammt aus einer am 13. Juli 2026 veröffentlichten Studie der Citizen Budget Commission. Der Thinktank untersucht unter anderem die Steuerpolitik in New York und dem gleichnamigen Bundesstaat. Nach eigenen Angaben ist er überparteilich, die Führung der Organisation ist mit vielen Personen besetzt, die in der New Yorker Finanzbranche tätig sind – die also gegebenenfalls von höheren Steuern für Wohlhabende und Besserverdienende betroffen wären. Darunter etwa auch Merryl Tisch, die gemeinsam mit ihrer Familie – eine der reichsten des Landes– während des Wahlkampfs für Mamdanis Konkurrenten Andrew Cuomo spendete.
Mehrere Medien berichteten über die Studie, darunter die konservative Boulevardzeitung New York Post und die Bild. „New York verzeichnet einen dramatischen Abzug von Millionären – was zu Steuerausfällen in Höhe von fast 11 Mrd. Dollar führt“, titelte die New York Post. Wer den Artikel liest, erfährt jedoch: Die Zahl vergleicht die Jahre 2010 und 2022 – da war Mamdani noch nicht im Amt.
Zahl der Millionäre in New York hat sich im betrachteten Zeitraum fast verdoppelt
Die Bild titelte „Sozialisten-Bürgermeister vergrault New Yorks Millionäre“ und schreibt: „Eine neue Studie zeigt: Immer mehr Millionäre kehren dem ,Big Apple‘ den Rücken“. Aber das steht in der Studie gar nicht.
Gesunken ist im Vergleich zum Rest des Landes zwischen 2010 und 2022 der Anteil an US-Einkommensmillionären, die im Bundesstaat New York leben: 2022 lebten 8,7 Prozent der US-amerikanischen Einkommensmillionäre in New York State, 2010 waren es 12,7 Prozent. Die absolute Zahl der Einkommensmillionäre verdoppelte sich dagegen laut Studie fast von rund 35.800 auf 69.780. Im Verlauf des Bild-Artikels wird das auch größtenteils korrekt wiedergegeben.
Dass der Prozentanteil auf US-Ebene zurückgegangen ist, liegt daran, dass die Zahl der Millionäre in anderen Bundesstaaten stärker angestiegen ist. In der Studie heißt es dazu: „Die Zahl der Millionäre in New York hat sich verdoppelt, in Kalifornien und Texas jedoch verdreifacht und in Florida vervierfacht, sodass der Staat New York nun hinter diesen Bundesstaaten an vierter Stelle steht, was die Zahl der Millionäre angeht.“
Sowohl die New York Post als auch Bild lassen weg, dass es in der Studie um Einkommensmillionäre geht, also um Menschen, die Steuererklärungen für ein Jahreseinkommen über eine Million US-Dollar abgegeben haben. Das sagt aber nichts darüber aus, wie viele Millionäre in einem Bundesstaat leben. Die Statistik kann sich also völlig unabhängig von einem Zu- oder Wegzug von Menschen verändern – zum Beispiel, wenn ein Einkommensmillionär vom Vorjahr weniger verdient.

Wie leiten die Autorinnen und Autoren die 11 Milliarden US-Dollar an Steuereinbußen für 2022 her? Sie berechneten die voraussichtlichen, zusätzlichen Steuereinnahmen unter der Annahme, dass der Anteil der Millionäre im Bundesstaat New York im nationalen Vergleich auf dem Niveau von 2010 bleibt. In der Realität waren die Steuereinnahmen 2022 sogar höher als im Vorjahr, echte Einbußen gab es nicht. Dazu später mehr.
Auch 2023 und 2024 kein Rückgang der Einkommensmillionäre – Steuereinnahmen stiegen 2025
Die Studie geht nicht über das Jahr 2022 hinaus. Aktuellere Zahlen für die Jahre 2023 und eine Schätzung für 2024 gibt es vom Ministerium für Steuern und Finanzen des Bundesstaats New York selbst. Sie zeigen keinen Rückgang von Einkommensmillionären, sondern das Gegenteil.

Und auch das zeigt die Statistik des Ministeriums: Die Einnahmen durch Einkommensteuer lagen 2022 und 2025 wieder über dem Niveau der Vorjahre.

Experten zweifeln an Abwanderung von Reichen wegen höherer Steuern
Dass höhere Steuern tatsächlich zu einer Abwanderung von Millionären führen, bezweifeln einige Expertinnen und Experten, wie etwa ABC News berichtet. Auch Cristobal Young, ein Professor am Fachbereich Soziologie der Cornell University, erklärt in einem Beitrag, dass die Datenlage dem Narrativ widerspreche: „Wenn Millionäre umziehen, scheint dies selten aus steuerlichen Gründen zu geschehen.“
Ähnliche Steuererhöhungen in New Jersey und Massachusetts haben laut Medienberichten nicht zu einer signifikanten Abwanderung von Millionären geführt.
Redigatur: Sara Pichireddu, Matthias Bau
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