Bei dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) am 25. Juli in Berlin wurde ein Mensch getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt. Der Tatverdächtige Abdul B. soll mit einem Auto in eine Menschenmenge am Rande des CSD-Festivalgeländes gefahren sein und danach Menschen mit einer Stichwaffe verletzt haben. Am Sonntag wurde der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet.
Am Tag nach dem Angriff verbreitete sich in Sozialen Netzwerken ein Video, das beim CSD entstanden sein soll. Auf Tiktok erreicht es allein auf einem Kanal rund 230.000 Aufrufe. Daneben verbreitete es sich auf X, teils in türkischer, französischer und chinesischer Sprache.
Doch das Video stammt nicht aus Berlin, es zeigt einen Angriff auf ein Salsa-Festival im kanadischen Toronto Mitte Juli, bei dem zwei Menschen starben.

Öffentliche Quellen belegen: Video zeigt Angriff auf ein Salsa-Festival in Kanada
Durch eine Bilder-Rückwärtssuche fanden wir ein Video auf Tiktok, das denselben Vorfall zeigt. Betitelt ist es mit „the moment of the tragedy at salsa on st Claire“ („Der Moment, in dem sich die Tragödie beim Salsa auf der St. Claire ereignete“).
Mit diesen Informationen fanden wir eine Pressemitteilung der Polizei im kanadischen Toronto vom 13. Juli 2026. Darin heißt es, es sei in Umgebung der St. Clair Avenue West und Arlington Avenue zu einer Schießerei gekommen, durch die zwei Menschen getötet worden seien.
In ihrer Pressemitteilung verlinkt die Polizei den Ort des Geschehens, er entspricht demjenigen, der in dem Video auf Tiktok zu sehen ist. Das konnten wir durch den Abgleich mit weiteren Videos in Sozialen Netzwerken verifizieren.
Unmittelbar in der Nähe des Ortes, den die Polizei Toronto in ihrer Pressemitteilung als Ort des Geschehens (roter Kreis) angibt, befindet sich die Northern Karate School (rotes Rechteck), vor der das Video entstand.

Von dort wurde ein Video aufgenommen, das sowohl die Karate-Schule als auch die gegenüberliegenden Wohngebäude zeigt (gelber Pfeil).

Die Wohngebäude entsprechen denen, die in dem Video zu sehen sind, das nun fälschlicherweise mit dem CSD in Berlin in Verbindung gebracht wird. Neben dem Aussehen der Gebäude ist das an der Anordnung und der Anzahl der Funkmasten auf den Dächern zu erkennen (gelbe Markierung).

Krisenereignisse sind stets auch ein Anlass für Desinformation. Häufig wird in diesem Kontext veraltetes Bildmaterial oder Material in falschem Kontext geteilt. Fachleute wie Digital-Expertin Ingrid Brodnig raten dazu, gerade in emotionalisierenden Situationen zu überlegen, „ob es sich um wirklich gesicherte Information handelt und ob es schlau ist, wenn ich das teile.“ Ansonsten laufe man Gefahr, Tätern in die Hände zu spielen oder zu noch mehr Unsicherheit beizutragen.
Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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