Eine spektakuläre Meldung sorgt auf Facebook für Aufregung: Angeblich soll der Chef des ukrainischen Beschaffungsamtes der Korruption überführt worden sein. Ganze 140 Millionen Dollar soll er in Pappkartons von Kühlschränken aufbewahrt haben, heißt es in einem Video, das am 26. September auf Facebook veröffentlicht wurde. Es wurde rund 63.000 Mal angesehen und mehr als 700 Mal geteilt.
Aufgegriffen wurde die Behauptung bereits zuvor von den Webseiten TKP und Kettner Edelmetalle, beide fielen in der Vergangenheit mit Desinformation auf. Sie berichteten über die angebliche Durchsuchung am 25. September und wiesen darauf hin, dass die Meldung bisher von offizieller Seite nicht bestätigt wurde.
Ursprung der Behauptung ist ein gefälschter Medienbericht, der am 23. September erschien.
web.archive.org/gefaelschter-artikel-nv
perma.cc/behauptung-facebook
perma.cc/behauptung-tkp
perma.cc/behauptung-kettner-edemetalle
correctiv.org/faktencheck-tkp
correctiv.org/faktencheck-kettner
Antikorruptionsbehörde weist Behauptung als Fälschung zurück
Den vermeintlichen Millionenfund bei Arsen Zhumadilov, tatsächlich zurückgetretener Leiter des Beschaffungsamtes für Rüstungsgüter, gab es nicht. Entsprechende Behauptungen wies die Antikorruptionsbehörde der Ukraine auf ihren Social-Media-Kanälen zurück. Seriöse Medienberichte zu dem Fall fanden wir nicht. Laut Medienberichten trat Zhumadilov zurück, nachdem ein neuer Verteidigungsminister ins Amt berufen wurde.
dot.gov.ua/ruektritt-arsen-zhumadilov
perma.cc/dementi-antikorruptionsbehoerde
Angeblicher ukrainischer Medienbericht über Millionenfund ist gefälscht
Die Berichterstattung über den Fall basiert auf einem gefälschten Artikel, der das Layout des ukrainischen Mediums The New Voice of Ukraine (NV) imitierte. NV berichtete in zwei Artikel über die Fälschung und deren Verbreitung.
Zu erkennen ist der Fake an der URL, die in der Adresszeile des Browsers angezeigt wird. Dort steht „nvukraine.com/en“, die englischsprachigen Artikel der tatsächlichen NV erscheinen aber unter der Adresse „english.nv.ua“. Die Webseite mit dem gefälschten Artikel ist inzwischen nicht mehr unter der genannten Adresse zu erreichen. Wir haben aber eine Version der Seite archiviert, die auch die URL zeigt.
Die Fälschung ist auch daran zu erkennen, dass die Webseite, auf der der Artikel erschien, erst am 21. September registriert wurde, also zwei Tage bevor der Artikel erschien. The New Voice of Ukraine gibt es hingegen seit 2014.
Das Imitieren von seriösen Quellen wie etablierten Medien oder offiziellen Regierungsseiten ist ein typisches Muster der russischen Doppelgänger-Kampagne, über die CORRECTIV bereits im Juli 2024 ausführlich berichtete. Dabei werden die Kopien genutzt, um gezielt Desinformation zu verbreiten.
english.nv.ua/bericht-gefaelschte-webseite
english.nv.ua/bericht-verbreitung-fake
correctiv.org/doppelgaenger-kampagne
correctiv.org/doppelgaenger-gestoppt
who.is/nvukraine
Redigatur: Sara Pichireddu, Gabriele Scherndl
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