Zwei Mitarbeiter des reichweitenstarken russischen Propaganda-Kanals „Rybar“ wohnen offenbar seit Jahren in Berlin. Das zeigen gemeinsame Recherchen von CORRECTIV und iStories. Offiziell arbeiten die zwei Männer demnach für das russische Verlagshaus Iswestija. Die EU hat sowohl Iswestija als auch den Gründer des Telegram-Kanals Rybar für Kreml-Propaganda sanktioniert.
Das tschechische Nachrichtenportal Seznam Zprávy hat die Rolle der beiden Männer Anfang der Woche aufgedeckt. Die Journalisten hatten von einer Interviewanfrage von Rybar an einen tschechischen Experten für Medienbildung erfahren. So konnten sie das Team, das das Interview für den russischen Kanal in Prag drehen sollte, an dem vereinbarten Treffpunkt enttarnen.
Bei den beiden Männern handelte es sich um den Reporter Vitaly Chashchukhin und den Kameramann Igor Dolmatov. Bei dem Treffen habe Chashchukhin gegenüber den anfangs getarnten Reportern zugegeben, im Auftrag von Rybar zu arbeiten. Nachdem sich die tschechischen Journalisten zu erkennen gegeben hatten, flohen die beiden Männer.
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Später wurden sie von der tschechischen Polizei aufgegriffen und angeordnet, das Land zu verlassen. Bei der Befragung sollen sie angegeben haben, für das russische Verlagshaus „Iswestija“ zu arbeiten.
Unauffälliges Leben im Berliner Villenviertel
Recherchen von CORRECTIV und iStories zeigen, dass Chashchukhin mindestens seit 2014 in Berlin wohnt. Damals war er Korrespondent eines russischen Fernsehsenders aus dem Iswestija-Verlagshaus. Dolmatov wohnt mindestens seit acht Jahren in Berlin. Wie aus Datenlecks hervorgeht, waren beide später im Korrespondentenbüro von Iswestija tätig.
Chashchukhin und Dolmatov sind im Villenviertel Zehlendorf im Süden Berlins gemeldet. CORRECTIV hat sie an ihren Wohnadressen nicht angetroffen. Auf Anrufe und Anfragen reagierten sie bis zur Veröffentlichung nicht. Ein Sprecher des Landesamts für Einwanderung wollte sich auf Fragen zum Aufenthaltsstatus der beiden Männer aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern.
Gründer des Kanals Rybar ist von der EU sanktioniert
Der Kanal Rybar, für den Chashchukhin und Dolmatov tätig sind, ist einer der größten sogenannten „Z-Kanäle“ – so werden patriotisch-militärische Telegram-Kanäle bezeichnet. Er hat rund 1,5 Millionen Abonnenten und positioniert sich als „militäranalytisches Zentrum“. Darüber hinaus verfügt Rybar über mehrere Ableger, etwa in Afrika oder Europa, die Propaganda zu den jeweiligen Regionen verbreiten. Im Durchschnitt hat jeder davon 25.000 Abonnenten.
Der Gründer des Kanals, Mikhail Zvinchuk, ist seit Juni 2023 von der EU sanktioniert. In der Begründung heißt es, Zvinchuk sei Mitglied in einer von Präsident Wladimir Putin im Dezember 2022 eingerichteten Arbeitsgruppe. Deren Aufgabe sei es, „die Mobilmachungsbemühungen der Russischen Föderation zur Unterstützung des von Russland geführten Angriffskriegs gegen die Ukraine zu koordinieren“.
Rybar berichte über Russlands Krieg und verbreite Desinformation und kremlfreundliche Propaganda.
Im Jahr 2024 haben die USA eine Belohnung von bis zu 10 Millionen US-Dollar für Informationen über Rybar-Mitarbeiter ausgelobt. Demnach erhalte die gleichnamige Organisation Gelder der staatlichen russischen Rüstungs-Holding Rostec. Die Gelder verwende Rybar, „um die militärischen Fähigkeiten Russlands zu stärken und pro-russische sowie antiwestliche Narrative voranzutreiben“.
Das Verlagshaus Iswestija wurde im Mai 2024 von der EU sanktioniert.
Redigatur und Faktencheck: Max Bernhard
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
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