
Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Podcasts abrufbar.
Liebe Leserinnen und Leser,
wie viel wusste man im Vatikan darüber, dass es in der katholischen Kirche ein weltweites, strukturelles Problem gibt: dass Priester jahrzehntelang weitgehend unbehelligt Kinder missbrauchen konnten? Dieser Frage geht unsere Redaktion seit mehreren Jahren nach. Im Frühjahr hatten wir ein umfangreiches Paket darüber veröffentlicht – unter anderem haben wir unseren ersten Kinofilm produziert.
Jetzt können Sie den Film bei sich zu Hause anschauen: per Stream über diesen Link. Die dahinterstehende Geschichte fasse ich im Thema des Tages zusammen.
Jetzt sind Sie wieder gefragt: Unsere Karikaturisten-Bande macht sich gerade für die nächste Cartoon-Arena hier im SPOTLIGHT bereit. Sie können bestimmen, zu welchem Thema die Frauen und Männer mit dem spitzen Stift gegeneinander antreten sollen. Dies sind unsere Vorschläge:
- Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gibt es einen Landtagspräsidenten von einer rechtsextremen Partei
- KI-Rechenzentren schlucken unser Grundwasser
- Weltweit gab es Missbrauch an Kindern durch katholische Priester – der Vatikan schweigt dazu.
Stimmen Sie hier ab, oder per Klick aufs Bild:

Im SPOTLIGHT lesen Sie heute außerdem eine neue Veröffentlichung zum Nachrichtenportal Nius und seiner Datenpanne. Es geht um deren Berichterstattung zum schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU).
Ich mache mich derweil für die Frankfurter Buchmesse warm: Dort können Sie mich morgen und übermorgen treffen, ich lese aus meinem Buch „Ich bin doch kein Rassist, aber …“. Samstag am frühen Abend zusammen mit unserer Desinformations-Expertin Lara Grewe im Historischen Museum, Sonntagmittag auf der Messe selbst, zusammen mit der Comedienne Tülin Sezgin (der Autorin von „Almanci-Mädchen“). So sieht es derzeit auf unserem Messestand aus:

Bis dahin! Und schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Was der Papst unter der Decke hält
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Wer rettet die Retter?
CORRECTIV Events: Brave Young Voices • Debatte über Migration • Bühnenessay über die Bahn AGs
Faktencheck: Open File: X-Account veröffentlicht unseriöse Umfragen zur Bundestagswahl
CORRECTIV ganz persönlich: Warum wir uns seit Jahren mit dem Thema Wasser beschäftigen
Unser Rechercheteam und unsere Bewegtbildredaktion waren in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ländern und auf mehreren Kontinenten unterwegs – auf der Suche nach der Antwort auf eine Frage, die für das Vertrauen in die Institution katholische Kirche essentiell ist:
Wussten der Papst und die anderen hohen Verantwortlichen im Vatikan, wie enorm viele Kinder durch Priester missbraucht wurden? War ihnen das Ausmaß des Problems bekannt? Trug der Vatikan vielleicht sogar auch die Verantwortung dafür, dass Missbrauch weiter stattfinden konnte?
In unserem Kinofilm haben wir die Recherchereise unserer Reporterinnen und Reporter dokumentiert. Hier noch einmal der Link, unter dem Sie den Film streamen können.

Warum ist das Streamen kostenpflichtig?
Den Film zu streamen, kostet acht Euro. Im Vergleich zu den Recherchen, die wir als Texte auf unserer Webseite veröffentlichen, sind die Produktionskosten für solche aufwändigen Projekte deutlich höher.
Wir müssen also Geld dafür nehmen, weil wir sonst solche umfangreichen Produktionen nicht stemmen könnten. Das ist in etwa mit den Büchern aus unserem Buchverlag vergleichbar: Die Bücher kosten ebenfalls Geld – weil wir ja ein Produkt herstellen, in das wir erst einmal Geld stecken müssen.
Ein Einblick in den Film:
Das Team war in den USA, Portugal, in Deutschland und natürlich in Rom unterwegs und hat mit Dutzenden Insidern gesprochen – hier sieht man das Team im Interview und auf dem Weg zu einem der Flüge für die Recherchereise .


Was herauskam:
Mindestens seit den 1930er Jahren wurde der Missbrauch durch Priester im Vatikan systematisch protokolliert – der Institution Kirche war also bekannt, dass es ein sehr großes Problem gab.
Missbrauchsfälle wurden aktiv vertuscht. Wir stießen auf haarsträubende Vorgänge, die es bereits auffällig gewordenen Priestern ermöglichten, weiter Kinder zu missbrauchen.
In mein Gedächtnis hat sich vor allem dieser eine Fall eingebrannt, in dem ein Missbrauchspriester von der Institution Kirche die schriftliche Erlaubnis bekam, künftig in der Messe Traubensaft statt Rotwein zu trinken. Der Gedanke dahinter war offenbar: Wenn er keinen Alkohol mehr trinkt, wird er schon keine Kinder mehr missbrauchen. Der Gedanke stellte sich als fatal falsch heraus.
Was das Ganze mit der politischen Lage im Land zu tun hat:
Die AfD schürt stetig die Angst vor Zuwanderern, die vermeintlich unsere Gemeinschaft bedrohen.
Dabei kommen Bedrohungen – gerade für unsere Kinder – allzu oft aus dem traditionellen, vermeintlich sicheren Umfeld: einer Institution wie der katholischen Kirche, die jahrzehntelang nicht die Kinder, sondern die Täter schützte. Oder – wie wir in der vorgestern veröffentlichten Recherche zeigten – zum Beispiel aus den Sportvereinen, wo die Deutschen ihre Kinder vertrauensvoll unterbringen.
Über die Gründe, warum er trotz der Erkenntnisse noch Teil der Kirche ist, hat unser Reporter Marcus Bensmann kürzlich in einer ökumenischen Messe in Köln gesprochen.
Mehr Geld und Vertretungslehrer für Frankreichs Schulen
Frankreichs Bildungsminister Édouard Geffray hat versprochen, kurzfristig mehr als 3.000 Vertretungslehrer für die Schulen im Land zu organisieren. Zudem solle im nächsten Jahr mehr Geld für die Schulen zur Verfügung stehen. Hintergrund sind die anhaltenden Schülerproteste, tausende Menschen sind in den vergangenen Tagen für bessere Lernbedingungen auf die Straßen gegangen. Es kam zum Teil zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen den Demonstrierenden und der Polizei.
tagesschau.de
Friedensnobelpreis geht an südafrikanische Juristin
Das Norwegische Nobel-Institut in Oslo hat heute die Gewinnerin des Friedensnobelpreises bekannt gegeben. In diesem Jahr geht der Preis an die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Von 2008 bis 2014 war sie Hochkommissarin für UN-Menschenrechte. Insgesamt waren für den Preis 287 Personen, aber auch Organisationen nominiert.
zeit.de
Hubertz verteidigt Einsparungen beim Wohngeld
In der ersten Lesung zur geplanten Reform des Wohngeldes im Bundestag hat Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) die Kürzungen beim Wohngeld verteidigt. Da die Mittel ihres Ministeriums überwiegend an langfristige Investitionen gebunden seien, liege der Fokus auf dem Bauen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Hubertz sagte, dass derzeit nur beim Wohngeld gespart werden könne. AfD, Grüne und Linke kritisierten das Vorgehen der Bauministerin.
deutschlandfunk.de

CORRECTIV Events

Brave Young Voices: The Courage to Disrupt, Berlin
Warum die Stimme erheben, wenn Schweigen sicherer wäre? Bei „Brave Young Voices“ kommen am 12. Oktober in Berlin junge Menschen aus Nepal, Venezuela und Togo zusammen – und sprechen darüber, was es heißt, für Veränderung einzustehen. Das Event findet auf Englisch statt.
Anmeldung
„Ich bin doch kein Rassist, aber …“: Wie können wir ehrlich und faktenbasiert über Migration sprechen?, Berlin
CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit spricht am 15. Oktober im Publix Berlin mit hochkarätigen Gästen über ihr neues Buch „Ich bin doch kein Rassist, aber …“ und darüber, wie eine faktenbasierte Debatte über Migration gelingen kann. Alle CORRECTIV-Events auf der Buchmesse finden Sie auch nochmal hier im Überblick.
Ticket
Die deutsche Bahn AG – Ein tragikomischer Bühnenessay, Magdeburg
Im Rahmen der CORRECTIV.Lokal Konferenz wird am 16. Oktober im Theater Magdeburg ein Stück zur Bahnkrise aufgeführt. Es blickt hinter die Kulissen des Konzerns Deutsche Bahn und beleuchtet politische Verflechtungen.
Ticket

Der Rettungsdienst in Deutschland steht unter enormem Druck durch Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und psychische Belastungen. 112 ruft 112. Tobias Schlegl wirft einen Blick drauf!
tube.funfacts.de

Die nächste reguläre Bundestagswahl steht zwar erst 2029 an, aber schon jetzt veröffentlicht ein bekannter X-Account angebliche Umfragen dazu. „Prognos“ behauptet, aktuell bekäme die AfD 30 und die Linke 15 Prozent der Stimmen und bezieht sich dabei auf eigene Feldforschung als Quelle. Doch die genaue Methodik bleibt unklar, und damit auch, ob die Umfrage repräsentativ ist oder nicht.
Nachdem wir bereits im Februar 2025 über die unseriösen Zahlen berichtet hatten, werden aktuell wieder neue Grafiken veröffentlicht. Schon damals konnten wir zeigen, dass die „Prognos“-Ergebnisse deutlich von denen seriöser Umfrageinstitute, etwa Forsa oder Infratest dimap, abweichen.
Jetzt wollen wir untersuchen: Lässt sich in diesen Abweichungen eine Systematik erkennen? Gibt es konstante Abweichungen, weil etwa einer Partei regelmäßig bessere Werte zugeschrieben werden, als bei den seriösen Anbietern? Was steckt hinter dem X-Account ohne Impressum oder Quellenangabe?
Haben Sie Hinweise oder möchten Sie selbst Fakten sammeln? Recherchieren Sie mit uns im CORRECTIV.Faktenforum!
So geht’s auch
Eine Berliner Schul-AG kämpft gegen rechtsextreme Symbole und Sticker. Die Diversity-AG aus Berlin-Hellersdorf patrouilliert durch die Gegend, meldet rechtsextreme Propaganda und entfernt sie, wenn möglich. Inzwischen haben sich mehrere Schulen aus Hellersdorf bei dem betreuenden Lehrer über das Projekt erkundigt. Gemeinsam planen sie, die Aktion weiterzuentwickeln und auszuweiten.
rbb24.de
Endlich verständlich
Am 10. Oktober wird das Jugendwort des Jahres verkündet. Salon5-Jugendreporter Ryan testet im Vorhinein die Redaktionsmitglieder: Wissen sie, was die normierten Jugendwörter bedeuten und wie sie entstanden sind? Wie gut sie sich geschlagen haben, erfahren Sie hier:
instagram.com
Fundstück
Vor dem Europaparlament in Straßburg war zwei Tage lang eine nackte, goldene Skulptur von Donald Trump ausgetellt. Sie zeigte den US-Präsidenten auf den Schultern eines Mannes, der unter der Last zusammenbricht. Trump ist so dargestellt, als wolle er ihm helfen, aber ohne dafür von seinem Rücken zu steigen. Der dänische Künstler, der die Skulptur geschaffen hat, wollte nach eigener Aussage damit Trumps Politik kritisieren.
deutschlandfunknova.de
Bei CORRECTIV begleitet uns das Thema Wasser schon seit vielen Jahren. Wir setzen uns für mehr Transparenz ein und beschäftigen uns mit Fragen, die für unsere Gesellschaft immer wichtiger werden: Welche Industrien verbrauchen wie viel Wasser? Wer muss sparen, wenn Wasser knapp wird? Wie gerecht werden die Kosten und die Verantwortung verteilt? Und vor allem: Wer übernimmt die politische Verantwortung?
Lange Zeit hatte man den Eindruck, dass diese Fragen politisch eher unter dem Radar liefen. Dabei ist Wasser ein Allgemeingut und gehört uns allen. Und: Wasserknappheit schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft, wie wir diesen Sommer erleben konnten.
Umso wichtiger ist es, dass das Thema Wasser jetzt stärker in den politischen Fokus rückt. Was mich tatsächlich positiv überrascht hat diese Woche: Anlässlich einer Wasser-Konferenz hat sich Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) klar dafür ausgesprochen, auch die Industrie stärker in die Verantwortung zu nehmen und sie an den Kosten für sauberes Wasser zu beteiligen.
Ein zentraler Punkt ist dabei die geplante vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen. Sie soll dazu beitragen, Mikroschadstoffe wie Medikamentenrückstände aus dem Abwasser zu entfernen. Große Pharma- und Kosmetikunternehmen klagen momentan gegen die vorgesehene Kostenbeteiligung. Das zeigt: Die Frage, wer für die Reinigung unseres Wassers aufkommen soll, ist hart umkämpft.
Im Rahmen der Konferenz unterzeichnete Schneider eine Erklärung für eine „effizientere Nutzung des knappen Wassers“. Welche Maßnahmen tatsächlich daraus folgen, und ob die Industrie künftig tatsächlich mehr Verantwortung übernehmen muss, das behalten wir auch weiterhin für Sie im Auge.

Nach einem leichten Rückgang in der Vergangenheit nimmt der Konsum von Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch in Deutschland seit drei Jahren wieder zu. Im vergangenen Jahr lag der jährliche Verbrauch pro Kopf bei 53,9 Kilogramm. Damit konsumieren Menschen hierzulande die dreifache Menge an Fleisch, die von Expertinnen und Experten der Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird. In dieser Fun-Facts-Folge zum Thema geht Host Aurel Merz näher auf das Comeback des Fleisches ein:
tube.funfacts.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Jacob Gehring und Elena Müller
CORRECTIV arbeitet anders
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