Im Zentrum der im Juni 2026 gestarteten Recherchekooperation beider Medienhäuser stehen opioidhaltige Schmerzmittel wie Tilidin, Oxycodon und Fentanyl sowie Benzodiazepine. Diese Medikamente haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Mit der Recherche wollen die Medienpartner ein Lagebild über den missbräuchlichen Konsum in Deutschland zeichnen, das es in der Form noch nicht gibt.
Zu den neuen Partnern der medienübergreifenden Recherchekooperation zählen der MDR, der Saarländische Rundfunk, die Apotheken Umschau, sowie regionale Zeitungen, darunter die Stuttgarter Zeitung, die Hannoversche Allgemeine Zeitung, der Weser-Kurier, die Nürnberger Nachrichten, die Heidenheimer Zeitung, Badische Neueste Nachrichten, die Märkische Allgemeine und weitere. Die Redaktionen sind Teil des Netzwerkes CORRECTIV.Lokal und nutzen jeweils eigene CrowdNewsrooms, ein von CORRECTIV entwickeltes Beteiligungstool. Erstmals starten CORRECTIV und SPIEGEL eine Recherche mit so vielen regionalen und lokalen Partnern in Koordination. Betroffene, Angehörige oder Suchtberater können dort spezifische Hinweise und Erfahrungen mitteilen, die von den Medien strukturiert ausgewertet werden können. So können regionale Prägungen sichtbar werden und in ein größeres Lagebild für Deutschland einfließen.
Missbrauch von opioidhaltigen Mitteln steigt an
2025 starben insgesamt 2.150 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums – weiterhin auf Rekordniveau. 528 von ihnen waren jünger als 30 Jahre. Eine exklusive Anfrage von CORRECTIV und DER SPIEGEL bei der Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen ergab, dass opioidhaltige Schmerzmittel wie Tilidin, Oxycodon oder Fentanyl in 284 Fällen zum Tod beigetragen haben könnten. Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit der Recherche zu missbräuchlichem Medikamentenkonsum und seinen Folgen.
In der ersten Umfragerunde von CORRECTIV und SPIEGEL zwischen Juni und September sind bereits mehr als 2.500 Rückmeldungen im CrowdNewsroom eingegangen. Die Hinweise geben einen Eindruck über die Dimension: von der Beschaffung über den Konsum unter Jugendlichen, fehlende Reha-Plätze und Versorgungslücken auf dem Land bis hin zu Verschreibungspraktiken und dem Umgang mit Sucht in Schulen und Familien. In den kommenden Monaten werden die Partner deutschlandweit weitere Rechercheergebnisse veröffentlichen.
Die Kooperation verbindet überregionale investigative Recherche mit lokaler Berichterstattung und bündelt Hinweise aus ganz Deutschland zu einem Problem, dessen Ausmaß bislang nur in Teilen bekannt ist.
Mehr über das Projekt erfahren Sie auf unserer Themenseite: correctiv.org/themen/opioide/