Politik

Gefälschtes Schreiben zu Demogeld in Umlauf

Vor angekündigten Demonstrationen in Deutschland am 31. Oktober kursiert ein vermeintliches Schreiben eines Bundesamtes für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung. Darin heißt es, dass das Demogeld auf 50 Euro reduziert werde. Das Schreiben und das Bundesamt sind erfunden.

von Matthias Bau

Kundgebung von Schülerinnen und Studenten in Solidarität mit Protesten in Frankreich am 26. Oktober
Kundgebung von Schülerinnen und Studenten in Solidarität mit Protesten in Frankreich am 26. Oktober (Symbolbild: Thomas Vonier / SZ Photo / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Schreiben zur Auszahlung eines „Demogeldes“ komme vom Bundesamt für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung in Bonn.
Einordnung
Das Schreiben ist ebenso erfunden wie das vermeintliche Bundesamt. Falschbehauptungen zu einer angeblichen Bezahlung für Demonstranten kursieren seit Jahren im Netz.

Seit Jahren gibt es im Netz Beiträge, die, mal satirisch, mal ernst gemeint, behaupten, es gebe ein Teilnahmegeld für Demonstrationen – insbesondere für die Antifaschistische Aktion (Antifa). CORRECTIV.Faktencheck ordnete die Behauptungen in der Vergangenheit mehrfach als falsch oder satirisch ein. 

Aktuell verbreitet sich ein neuer Fake: In einem vermeintlichen Schreiben eines „Bundesamtes für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung“ heißt es, dass das Demogeld für Demonstrationen am 31. Oktober auf 50 Euro gekürzt werde. 

Für dieses Datum kündigte eine Initiative namens „GenZ regelt“ bundesweite Jugendproteste in 23 Städten an. Dabei soll es um Bildung, Gesundheit und Klimaschutz gehen. Aber auch gegen die Wehrpflicht und gegen „einen Sparkurs auf unserem Rücken“ soll demonstriert werden. Gewalt und Extremismus lehnen die anonymen Organisatoren laut Angaben auf ihrer Homepage ab.

correctiv.org/faktencheck-riesa-demogeld
correctiv.org/faktencheck-taz-demogeld-satire
correctiv.org/faktencheck-antifa-karte-satire
correctiv.org/faktencheck-wdr-gez-antifa
archive.is/beitrag-tiktok
genz-regelt.de


Bundesamt für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung gibt es nicht

Das Schreiben ist genauso erfunden wie das vermeintliche Bundesamt. Eine Suche nach der Adresse, die in dem Schreiben angegeben ist, führt zu einer Zweigstelle des Bundesinnenministeriums in Bonn; ebenso wie die angegebene Telefonnummer. Auf der Webseite des Bundesinnenministeriums, die die Behörden im Geschäftsbereich des Ministeriums auflistet, ist ein solches Bundesamt jedoch nicht zu finden. Auch in einer Liste des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages aus dem Jahr 2024 taucht das vermeintliche Bundesamt nicht auf.

Auf Instagram teilte das Schreiben ein Nutzer bereits am 23. Oktober und ordnete es wenig später als gefälscht ein. Wir haben den Nutzer kontaktiert, er bestätigte, dass er es erstellt hat. Bereits einen Tag später, am 24. Oktober, erhielt der Beitrag eines anderen Nutzers auf X 90.000, ein anderer auf Tiktok rund 466.000 Ansichten.

bmi.bund.de/uebersicht-behörden-innenministerium
web.archive.org/wissenschaftlicher-dienst-bericht


Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl