„Alle von der Demo“, heißt es in den Kommentaren zu einem Tiktok-Video, das zeigen soll, wie einzelne Schuhe auf einer Plattform für Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten werden sollen. Der Hintergrund: Nach einer Demonstration in Frankfurt am Main wurde eine Filiale eines Schuhgeschäfts geplündert, in dessen Schaufenster nur linke Schuhe ausgestellt waren. Eben jene Schuhe sollen am Tag nach der Demonstration wohl verkauft werden.
Aber die vermeintlichen Screenshots sind Fälschungen.
Details in Screenshots verraten Fälschung
Die Falschbehauptung wird mit verschiedenen Videos und angeblichen Screenshots von mehreren Kanälen verbreitet: Die Benutzeroberfläche in den Screenshots erinnert an die der Seite kleinanzeigen.de oder der entsprechenden App.
In einer Variante ist auf dem angeblichen Screenshot das Ebay-Logo zu sehen – der Konzern betreibt aber bereits seit 2023 die Seite kleinanzeigen.de nicht mehr. Selbst falls der Screenshot also echt wäre: Er müsste mindestens drei Jahre alt sein, kann also nichts mit den Demonstrationen vom 31. Oktober zu tun haben.
Seit Demos nur ein einziges Angebot mit einzelnem Schuh
Auch das Angebot, das in einem Video von Nius-Autor Julius Böhm gezeigt wird, ist nicht echt. Die Pressestelle von Kleinanzeigen schreibt uns: „Die […] eingeblendete Anzeige hat es zwar auf Kleinanzeigen gegeben, die in den Reels gezeigte Version wurde jedoch von dritter Seite nachträglich verändert. Die Beiträge zeigen ein Einstelldatum vom 1. November. Tatsächlich wurde die Anzeige aber bereits Anfang Oktober eingestellt, also lange vor den Ausschreitungen und steht von daher in keinem Zusammenhang mit diesen.“
Bezogen auf Videos mit anderen angeblichen Screenshots bestätigte die Kleinanzeigen-Sprecherin: „Unsere Oberfläche sieht nicht so aus, wie [in den Tiktok-Beiträgen] dargestellt und die dort gezeigten Anzeigen hat es nie gegeben.“ Ein Tiktok-Beitrag ist auch als KI-Inhalt markiert.

Auf die Frage, ob es Anzeigen für einzelne Schuhe im Anschluss an die Demonstrationen gab, schreibt die Pressestelle am 2. November 2026: „Uns ist bislang eine entsprechende Anzeige bekannt. Sie stammt jedoch von einem Account, der weder in Frankfurt noch in der Umgebung von Frankfurt sitzt. Der Schuh gehört zur ehemaligen Marke einer Influencerin; diese Marke wurde bereits 2023 eingestellt und wurde unseres Wissens auch von keinem der betroffenen Shops geführt, da die Influencerin eine Exklusivvermarktung mit einer Firma hatte, die es ebenfalls seit 2025 nicht mehr gibt.“ Dass dieser einzelne Schuh etwas mit den Ausschreitungen von Ende Oktober zu tun hat, ist also sehr unwahrscheinlich.
Wir haben auch selbst auf verschiedenen Plattformen für Kleinanzeigen und gebrauchte Kleidung nach Angeboten für einzelne Schuhe gesucht. Nirgends fanden wir entsprechende Inserate.
perma.cc/tiktok-1
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Frankfurter Schuhgeschäft bestätigt Diebstahl von linken Schuhen
In einem der Instagram-Videos wird das Schuhgeschäft „Snipes“ genannt, das in Frankfurt geplündert wurde. Die Marke gehört zur Deichmann-Gruppe, von dort hieß es: „Es ist richtig, dass einzelne Kleidungsstücke und zahlreiche einzelne linke Schuhe aus den Schaufenstern entwendet wurden.“ Zur genauen Anzahl der gestohlenen Schuhe konnte die Pressestelle von Snipes noch keine Angabe machen.
Nach den deutschlandweiten Gen-Z-regelt-Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit, Frieden und mehr Geld für Bildung kam es vereinzelt zu Ausschreitungen, darunter auch in Frankfurt. Pressemeldungen zufolge wurden dort 17 Geschäfte beschädigt, fünf geplündert und etwa 100 Polizisten verletzt, einer davon schwer.
Verbreiter der Beiträge können keine Quellen nennen
Der Kanal, der den Ebay-Screenshot teilte, antwortete inhaltlich nicht auf unsere Fragen, löschte aber das Video nach unserer Anfrage.
Wir haben auch Nius-Autor Böhm nach seiner Quelle für den Screenshot gefragt. Seine Videos auf Instagram und Tiktok, in denen er ein angebliches Inserat einblendet, werden in den Kommentaren nicht als Satire interpretiert und sind auch nicht als solche gekennzeichnet. Dennoch rechtfertigt sich Böhm in seiner Antwort an uns damit, der Inhalt der Beiträge sei nicht ernst gemeint, sondern satirisch.
perma.cc/tiktok-beitrag
perma.cc/instagram-beitrag
Redigatur: Sara Pichireddu, Gabriele Scherndl
Mitarbeit: Leonie Jax
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