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Unser tumblr zur #GenerationE

Sie leben weit entfernt von Familie und Freunden und sie versuchen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen – junge Einwanderer aus Südeuropa: die GenerationE. Wir haben mit einigen von ihnen spannende, überraschende und auch traurige Gespräche geführt.

von Benedict Wermter , Belinda Grasnick

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Mit unserem Crowdsourcing-Projekt #GenerationE haben wir über 2000 Südeuropäer nach ihren persönlichen Hintergründen der Wanderung von Süd nach Nord befragt. Auf unserem tumblr erzählen wir seit Mitte Dezember 2014 mehrmals in der Woche die Geschichte eines Menschen der #GenerationE – mit wachsendem Erfolg in den sozialen Netzwerken.

Drei Monate nach dem Start ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Was sind Motive der jungen Migranten, den Süden zu verlassen? Welche Erfahrungen haben sie in der neuen Heimat gemacht?

Ein paar Daten: Über 50 Personen haben auf unserem tumblr einen Ausschnitt aus ihrem Leben erzählt. Die ältesten beiden aus der #GenerationE sind 40 Jahre alt, die meisten Portraitierten sind Ende Zwanzig. Am meisten gelesen wurde das Profil von Lola, die zu faul ist, um zurück zu ziehen. Ebenfalls häufig geklickt wurde Rosa. Sie hatte ein spannendes Erlebnis auf einer Party.

Sehr viele junge Migranten aus unserem Blog sind als Studenten gekommen, sie sind motiviert und fleißig. Andere sind vor Armut und Perspektivlosigkeit geflüchtet. Häufig war die #GenerationE enttäuscht von Politik und Gesellschaft in der Heimat. Die politischen Systeme in Südeuropa wurden von vielen der befragten Personen der #GenerationE als unglaubwürdig, veraltet oder korrupt beschrieben. So sind viele voller Hoffnung auf Arbeit und Unabhängigkeit von den Eltern weggezogen.

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David aus Spanien ist vor etwa zehn Jahren aus dem Bauch heraus ausgewandert und hat sich der Künstler- und Partyszene in Berlin angeschlossen. Er war wie viele auf dem Blog neugierig und abenteuerlustig. So auch Marco, der trotz Studium als Koch durch Nordeuropa zieht. Für andere auf unserem tumblr hat persönliches Leid wie ein Verkehrsunfall oder erlebte Gewalt das Ende in der alten Heimat markiert.

Wir waren erstaunt, dass die #GenerationE mehrfach die flachen Hierarchien und die liberale Einstellung von Menschen in Deutschland betont. Trotz aller Bürokratie wird Deutschland als gastfreundlich und als Dienstleistungsparadies empfunden. „Wenn man in Deutschland arbeitet, wird man gebraucht und Wert geschätzt“, sagte Gabriella über den Umgang mit ihren Arbeitgebern.

Fast alle haben uns von unüberwindbaren Sprachproblemen erzählt, ebenfalls problematisch scheint die deutsche Bürokratie im Hinblick auf die Anerkennung von Abschlüssen zu sein. Die #GenerationE tut sich manchmal schwer, Freunde in Deutschland zu finden, wo doch alle so gerne unter sich bleiben. Manchmal haben wir auch von Ausbeutung bei der Arbeit gehört, in Zuschriften und Gesprächen kam aber auch Kritik aus den eigenen Reihen: Man solle die Ärmel hochkrempeln und froh sein, dass man in Deutschland leben kann, hieß es hinter vorgehaltener Hand am Telefon.

Viele vermissen das Essen, die Sonne, das Meer und ihre Familie. Die meisten sind aber froh, im kalten und reichen Deutschland Fuß gefasst zu haben. Sie wollen bleiben. Wir danken denen, die mit uns gesprochen haben, schon jetzt für ihre einzigartigen Geschichten.

Wir möchten Euch alle bitten, mit euren südeuropäischen Freunden über unseren Blog zu sprechen, diesen zu teilen und weiterzuleiten. Uns interessieren auch die Netzwerke junger Migranten in deutschen Städten, Subkulturen oder politische Zusammenschlüsse der #GenerationE. Wir sind gespannt auf viele weitere Geschichten!