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Allianz gegen Klimaschutz

Die Allianz präsentiert sich seit Jahren als Vorreiter im Klimaschutz. Doch im Hintergrund steckt ihr Tochterunternehmen PIMCO Milliarden in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen und feuert so die Klimakrise an.

von Malina Dittrich , Elena Kolb

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Eine der größten Kohlengruben der Welt: El Cerrejón in Kolumbien. Erst 2023 bekam der Betreiber Glencore Gelder von der Allianz-Tochter PIMCO.

Jahr für Jahr schließen Millionen Menschen Versicherungen bei der Allianz ab. „We secure your future“ verspricht im Gegenzug die Gesellschaft – sie präsentiert sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Die Erde müsse „ein lebenswerter und versicherbarer Ort bleiben“, so der Konzern. 

Guten Gewissens also zahlen Menschen die Beiträge für den Schutz ihrer Rente, des Autos, der Wohnung oder des eigenen Lebens. So wird die Allianz zum einflussreichen Investor – rund 737 Milliarden Euro verwaltete sie Ende vergangenen Jahres für ihre Kundinnen und Kunden. 

Doch womit sich der Versicherer selten schmückt: Im Hintergrund steckt ein Tochterunternehmen der Allianz, der Vermögensverwalter PIMCO, Gelder für die Allianz und für andere Kunden in die fossile Industrie und treibt so die Klimakrise enorm an. Gerade für die Kohleindustrie ist der Vermögensverwalter nach Recherchen von CORRECTIV immer noch ein wichtiger Geldgeber. 

Die Allianz verdient mit den klimaschädlichen Investitionen gutes Geld. Im vergangenen Jahr nahm der Versicherer mit PIMCO und einem zweiten ausgelagerten Vermögensverwalter insgesamt 3,1 Milliarden Euro ein.

Geld für den Ausbau von Kohlegruben

Eine riesige, trockene Fläche in braun und grau. Man scheint den Staub in Nase und Augen zu spüren, wenn man Bilder des Steinkohle-Tagebaus von El Cerrejón, Kolumbien, sieht. Die Mine ist circa fünfzehnmal so groß wie Deutschlands größter Tagebau – die RWE-Grube von Hambach. Auf rund 69.000 Hektar Fläche – das entspricht weit mehr als 70.000 Fußballfeldern – wird hier der klimaschädlichste aller Energieträger abgebaut: Kohle. 

Betreiber von El Cerrejón ist die Schweizer Firma Glencore. Anfang Mai 2023 bekam Glencore über eine Anleihe 500 Millionen US-Dollar. Das Geld ist an keinerlei Nachhaltigkeits-Kriterien geknüpft: Damit können Kohleminen erweitert werden. Es stammt unter anderem vom Vermögensverwalter PIMCO – der Tochter der Allianz. 

Die fossilen Deals von PIMCO passen nicht ins Nachhaltigkeits-Image der Versicherungsgesellschaft. Die Allianz verpflichtet sich dem 1,5 Grad Ziel von Paris. Bei der Versicherungsgesellschaft sei man sich bewusst, dass das Verbrennen von Kohle der stärkste Verursacher des menschengemachten Klimawandels sei, so schreibt der Konzern im eigenen Kohle-Statement. Deshalb sollten generell keine neuen Kohleprojekte mehr eröffnet werden und die existierenden müssten schrittweise beendet werden. Einzelne Kohlekraftwerke oder Kohleminen bekommen bei der Allianz keinen Versicherungsschutz und keine Finanzierungen. 

Größter europäischer Investor für fossile Industrie

Doch die Vermögensverwalter der Allianz werden den strengen Vorgaben der Versicherung nicht gerecht. „Die Allianz ist ein riesiger Player im Investitionsgeschäft. Mit ihren beiden Vermögensverwaltern ist sie mit Abstand der größte europäische Geldgeber für Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen“, sagt Lara Cuvelier von Reclaim Finance, einer französischen Nichtregierungsorganisation, gegenüber CORRECTIV. Davon profitiere auch die Kohleindustrie, so Cuvelier. 

Während weltweit die Auswirkungen der Klimakrise immer drastischer zu spüren sind, können Kohleunternehmen bei PIMCO uneingeschränkt Finanzierungen bekommen. Erst im vergangenen Jahr gaben PIMCO und ein weiterer Vermögensverwalter der Allianz in mindestens zwölf Fällen Gelder an Kohlekonzerne. Das zeigt eine Auswertung von Reclaim Finance für CORRECTIV. Die Kohle-Deals, an denen die Vermögensverwalter der Allianz beteiligt waren, sind mindestens 12,2 Milliarden US-Dollar wert. Bei allen Geschäften ist die Allianz mit ihren Vermögensverwaltern einer von mehreren Geldgebern. 

Auf Anfrage schreibt die Allianz, dass man sich zu einzelnen Investments aus Gründen der Vertraulichkeit nicht äußern könne. Generell würden die Vermögensverwalter „materiell relevante ESG- und Nachhaltigkeitskriterien auf breiter Basis“ in ihren Anlagen integrieren. Für Kunden, die nachhaltige, klimaorientierte Geldanlagen fordern würden, gäbe es eine Reihe von Produkten zum Beispiel zur „Dekarbonisierung individueller Anlageportfolios”. Bei der Anlage der Allianz-Kundengelder, würden die Vermögensverwalter die Richtlinien für Kohle, Öl und Gas der Allianz umsetzen. Als einer der größten Versicherer und Investoren, engagiere sich die Allianz für die Begrenzung der globalen Erwärmung und unterstütze Unternehmen, in die man investiere, bei der Neuausrichtung ihres Geschäfts. 

1. Kapitel 1: Ein vorteilhafter Deal
2. Kapitel 2: 15 Milliarden für fossile Konzerne
3. Kapitel 3: Das grüne Versprechen der Allianz

Kapitel 1: Ein vorteilhafter Deal

1999 macht die Allianz ein wichtiges Geschäft. Die deutsche Versicherungsgesellschaft kauft den amerikanischen Vermögensverwalter PIMCO. In der Branche wird das Unternehmen auch „The Beach“ genannt: Die PIMCO-Hauptgebäude in Kalifornien liegen in der Nähe der Küste bei Newport Beach.

Spektakulär sei dort nicht nur die „Sicht aus der dreißig Meter langen Fensterfront des Tradingfloor auf die schneebedeckten Berge bei Palm Springs“ und den Jachthafen, heißt es im Allianz Geschäftsbericht aus dem Jahr 2000. Ansehnlich sei vor allem auch das Vermögen, das PIMCO für seine Kundinnen und Kunden verwaltet. Damals sind das noch 297 Milliarden Euro – heute verwaltet PIMCO circa 1,89 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: 2021 lag das Bruttoinlandsprodukt von Australien bei 1,6 Billionen Euro. 

Mit dem Kauf der PIMCO Gruppe sei der Allianz ein „wirklich strategischer Durchbruch“ gelungen, freut man sich im damaligen Geschäftsbericht merklich über den abgeschlossenen Handel.

PIMCO bleibt autonom

Im Allianz-Universum hat PIMCO eine wichtige Funktion. Einerseits verwaltet PIMCO Versicherungsgelder der Allianz selbst. Welche Nachhaltigkeitskriterien dabei beachtet werden sollen, kann die Allianz beeinflussen. Andererseits verwaltet PIMCO Gelder für Drittkunden wie Pensionsfonds, Zentralbanken, Staatsfonds, Unternehmen und Privatanleger. 

„PIMCO kann weitgehend unabhängig agieren“, so steht es im Geschäftsbericht der Allianz aus dem Jahr 2000. Der Vertrag zwischen der Allianz und PIMCO garantiere den Amerikanern den größtmöglichen Freiraum. Denn die Profis in Kalifornien sollten sich auf das konzentrieren, was sie am besten könnten: „Performance bieten und dabei die Kunden zufriedenstellen“. Im Gegenzug für die Autonomie von PIMCO, die die Allianz bei der Übernahme des Unternehmens vor zwanzig Jahren akzeptierte, kann sie als Eigentümerin von PIMCO einen Großteil aller Gewinne – 70 Prozent wie es aus brancheninternen Kreisen heißt – des Tochterunternehmens einstecken. 

Die Autonomie von PIMCO lässt dem Vermögensverwalter die Freiheit, zu entscheiden, ob fossile Konzerne ins Portfolio kommen oder nicht. Für die Drittkunden von PIMCO – das sind nicht die Allianz-Gelder – gibt es keinerlei fossile Ausschlüsse.

„Kunden definieren Nachhaltigkeitsziele unterschiedlich“

Das Geschäft mit Drittkunden macht allerdings einen Großteil der Arbeit von PIMCO aus. Im März 2024 verwaltete das Unternehmen 1,51 Billionen US-Dollar für Drittkunden. Bei diesen Anlagen gibt es keine Ausschlüsse für Konzerne, die ihr Geschäft mit Kohle, Öl oder Gas machen. „Kunden auf der ganzen Welt definieren ihre Nachhaltigkeitsziele unterschiedlich – und diese Individualisierung wird unterstützt“, heißt es in der Nachhaltigkeits-Strategie von PIMCO. Man wolle dann je nach Einzelfall mit Kunden zusammenarbeiten, um Nachhaltigkeitsziele zu identifizieren und umzusetzen.

Hat der Kunde keine strengen Nachhaltigkeitsziele, muss das im Umkehrschluss aber auch bedeuten, dass dessen Gelder über PIMCO in Konzerne fließen können, die neue Kohlegruben planen, ihre CO2-Ziele herunterschrauben oder in der Tiefsee nach Gas suchen. Und tatsächlich findet sich im Portfolio von PIMCO das „Who is who“ der fossilen Industrie. Zum Beispiel der Öl- und Gaskonzern Shell. Erst im März verkündete Shell, seine CO2-Ziele senken zu wollen, um sich auf Gewinne konzentrieren zu können.

Kapitel 2: 15 Milliarden für fossile Konzerne

„Die Gelder von PIMCO funktionieren wie Bargeld für fossile Konzerne. Sie können damit expandieren“, sagt Lara Cuvelier von Reclaim Finance. Das Geschäftsmodell, mit dem PIMCO berühmt geworden ist, sind Anleihen.

Was sind Anleihen für fossile Unternehmen? 

Kohlegruben zu erweitern, Gasleitungen zu bauen oder nach Öl zu bohren ist sehr teuer. Um mit den Ausgaben nicht die eigene Bilanz zu stark zu belasten, können fossile Konzerne dafür Geld leihen. Eine Möglichkeit, die sie dafür haben, ist es, Anleihen herauszugeben. 

Anleihen sind Wertpapiere und funktionieren ähnlich wie Kredite. Weil sie am Kapitalmarkt gehandelt werden können, sind nicht Banken die Geldgeber, sondern institutionelle Anleger, Fondsmanager oder Versicherer. Banken treten häufig als Vermittler von Anleihen-Deals auf. Wenn die Anleihen nach einer vereinbarten Laufzeit ablaufen, müssen die Konzerne das Geld inklusive Zinsen zurückzahlen. 

Das Volumen von Anleihen der Firmen, die auf fossile Energieträger setzen, steigt: 2016 waren es noch 96 Milliarden Euro, 2020 schon 248 Milliarden, Tendenz für 2023 weiter steigend, wie eine Untersuchung verschiedener Medien rund um das Handelsblatt, Follow the Money und Investico ergab.

Das liegt auch daran, dass der Anleihen-Markt seit der Finanzkrise 2008 generell  wichtiger geworden ist. Damals senkten Zentralbanken die Zinsen, um die Wirtschaft zu unterstützen. „Aus Sicht von Unternehmen hat die Anleihe dadurch einen Push bekommen“, sagt Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance gegenüber CORRECTIV. Damals hätten Unternehmen über Anleihen fast kostenlos Geld bekommen. Zwar habe diese Entwicklung durch Energiekrise, Ukraine-Krieg und Inflation in den letzten Jahren einen Dämpfer bekommen – „relativ gesehen sind Anleihen aber immer noch günstig für Unternehmen“, sagt Stotz. 

Über Anleihen können Kohlekonzerne wie Glencore Gelder für ihre fossilen Projekte bekommen (Graphic:CORRECTIV)

 

Laut Studien der Nichtregierungsorganisation Urgewald war PIMCO im Januar 2023 mit Aktien und Anleihen im Wert von rund neun Milliarden US-Dollar in Firmen investiert, die Geschäfte mit Kohle, Öl oder Erdgas machen. Daneben dürfte es eine recht hohe Dunkelziffer geben. „Wir wissen meistens nur zu einem geringen Prozentsatz, in wessen Bestand sich eine bestimmte Anleihe befindet“, sagt Julia Dubslaff von Urgewald gegenüber CORRECTIV. Das liege daran, dass „die meisten institutionellen Anleger wie Pensionsfonds, Pensionskassen, aber auch Versicherungen nicht öffentlich über ihre Bestände berichten müssen – und auch nicht, von welchen Asset Managern sie ihr Vermögen verwalten lassen.“

PIMCO beteiligt sich an fossilen Deals, die bis weit in die Zukunft reichen. Einige der fossilen Anleihen, die der Vermögensverwalter hält, laufen erst in vielen Jahren ab die Unternehmen müssen die Gelder also erst dann wieder zurückzahlen. Laut der Initiative ToxicBonds ist PIMCO Miteigentümer einer Anleihe von Adani, einem indischen Kohlekonzern, die bis 2030 läuft. Eine Anleihe von BP Capital Markets, bei der PIMCO Miteigentümer ist, läuft bis 2050. Und eine von Saudi Arabian Oil sogar bis 2070 – auch hier ist PIMCO Miteigentümer. Keine der drei Anleihen ist an konkrete Nachhaltigkeitskriterien gebunden. 

Der kleine Bruder von PIMCO: AGI 

Neben PIMCO gibt es noch einen weiteren ausgelagerten Vermögensverwalter der Allianz. Auch Allianz Global Investors (AGI) verwaltet Gelder für die Allianz und für Drittkunden wie Stiftungen, Kommunen oder Pensionsfonds. Laut Urgewald hielt AGI im Januar 2023 weitere 5,5 Milliarden US-Dollar an Aktien und Anleihen in der fossilen Industrie. Insgesamt investierten die beiden Vermögensverwalter der Allianz – AGI und PIMCO – also mindestens 14,5 Milliarden US-Dollar in fossile Konzerne. 

Im Gegensatz zu PIMCO veröffentlicht AGI Ausschlusskriterien für die fossile Industrie. Jedoch sind diese verschwindend gering. So investiert AGI nicht in Unternehmen, die „mehr als 30 Prozent ihrer Einnahmen aus der Förderung von Kraftwerkskohle erzielen“ oder „Unternehmen, bei denen mehr als 30 Prozent der Stromerzeugung auf Kohle basiert.“ Für Investitionen in Öl- und Gasunternehmen gibt es bei AGI momentan keine Ausschlusskriterien.  

Kapitel 3: Das grüne Versprechen der Allianz

Während die Allianz wenig Einfluss darauf hat, welche Regeln ihre Vermögensverwalter für die Anlagen von Drittkunden machen, kann sie die Richtlinien für ihre eigenen Gelder beeinflussen. Millionen Menschen vertrauen der Versicherungsgesellschaft Beiträge für Lebens-, Renten- oder Gebäudeversicherungen an. Insgesamt sind das 737 Milliarden. Auch diese Gelder werden hauptsächlich von PIMCO und AGI angelegt. 

Auf ihrer Website verspricht die Versicherung, dass man „jedes Investment auf Nachhaltigkeit“ prüfe. Doch auch im eigenen Portfolio schlummern fossile Anlagen. Zwar werden neue Öl-, Erdgas- und Kohleprojekte einzeln nicht finanziert. Jedoch sind auch bei der Anlage der eigenen Kundengelder Kohleunternehmen nicht vollständig ausgeschlossen. Kohleunternehmen und Stromversorger, die 25 Prozent  oder weniger ihrer Einnahmen mit der Herstellung von Kohlestrom machen, dürfen im Portfolio bleiben. Auch für Öl- und Gasunternehmen gibt es keine generellen Ausschlüsse. Nur Unternehmen, die mehr als 20 Prozent ihres Gewinns mit Ölsanden machen, sind ausgeschlossen. Ab 2025 wird von Öl- und Gaskonzernen erwartet, sich zu Net-Zero-Zielen bis 2050 zu bekennen. 

Aktuelle Ausschlüsse der Allianz und ihrer Vermögensverwalter im Vergleich. (Graphik: CORRECTIV)

Auf Anfrage schreibt die Allianz, dass das Ziel des Unternehmens sei, bis 2030 die Emissionen der eigenen Investitionen im Vergleich zu 2019 zu halbieren. Ab 2025 solle die Finanzierung von den größten Öl- und Gasproduzenten weiter eingeschränkt werden. Zusätzlich unterstütze die Allianz den Ausbau erneuerbarer Energien. „Seit 2005 investieren wir in erneuerbare Energien wie Windparks und versichern Projekte in 70 Ländern weltweit“, so eine Sprecherin der Allianz. Bis 2030 habe sich die Allianz außerdem verpflichtet, weitere 20 Milliarden in „Klima- und Cleantech-Lösungen zu investieren, die den Nachhaltigkeitsanforderungen der EU entsprechen“. 

Versicherungen für fossile Infrastruktur

Investitionen sind nur ein Weg, über den die Allianz fossile Konzerne unterstützt. Zusätzlich bietet die Gesellschaft auch noch Versicherungen für fossile Projekte an. 

Nicht nur Autos oder Eigenheime können versichert werden – auch große Projekte wie Kohleminen oder Ölbohrungen brauchen Versicherungsschutz. 

Während es insbesondere für Kohle vergleichsweise strenge Ausschlusskriterien bei der Allianz gibt, bietet sie noch Versicherungsschutz für Erdgas-Infrastruktur wie LNG-Terminals oder Pipelines. CORRECTIV hatte enthüllt, dass die Allianz Infrastruktur versichert, über die russisches Gas nach Europa gelangt. Außerdem beteiligte sich die Allianz an Versicherungen für klimaschädliche Flüssiggas-Infrastruktur in den USA.  

Gut für die Bilanz, schlecht fürs Klima 

Dass die Allianz und ihre Vermögensverwalter weiterhin die fossile Industrie mitfinanzieren, ist besonders überraschend, denn keiner kennt die Gefahren der Klimakrise so gut wie sie. Die Allianz beschäftigt sich seit Jahren mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wie andere Versicherer versichert die Allianz Hitze-, Starkregen oder Flutschäden. Verstärken sich die Auswirkungen der Klimakrise, wird das schon heute in der Bilanz des Versicherers spürbar. So blieb zum Beispiel das Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen der Allianz 2023 unter den Erwartungen. Grund dafür sei ein „überdurchschnittlich hohes Maß an Naturkatastrophen“, sagte Allianz-Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre gegenüber dem Handelsblatt

„Natürlich kommt das auch in der Mitarbeiterschaft mal auf, diese Diskrepanz zwischen den eigenen Vorgaben und den Vorgaben der Vermögensverwalter“, sagt eine ehemalige Mitarbeiterin der Allianz, die anonym bleiben möchte, gegenüber CORRECTIV. Von Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde deshalb von innen ein „positiver Druck“ auf das Unternehmen ausgeübt. Die Allianz sei aber auch nicht das einzige Unternehmen, das weiterhin indirekte Wege findet, fossile Profite einzufahren. Die ehemalige Mitarbeiterin beschreibt den Konflikt, in dem sich die Branche sieht, so: „Wie schaffe ich es, nachhaltiger zu werden und gleichzeitig zu verhindern, dass das Geschäft wegbricht?“

Zumindest momentan scheint die Allianz dabei weiter einen cleveren Weg zu gehen. Für ihre eigenen Versicherungen und Investitionen macht sie vergleichsweise strenge Vorgaben, zum Beispiel für Kohlekonzerne. Doch gleichzeitig investieren ihre Vermögensverwalter Gelder in eben diese Unternehmen – und die Allianz verdient daran mit. „We secure your future“ lautet das Versprechen des Versicherers. Mit lukrativen fossilen Investitionen sichert die Allianz jedoch vor allem eins: ihre eigene Zukunft als wirtschaftliches Unternehmen.

Text und Recherche: Malina Dittrich, Elena Kolb
Redaktion: Anette Dowideit, Justus von Daniels, Katarina Huth
Design: Mohamed Anwar
Kommunikation: Valentin Zick, Esther Ecke
Faktencheck: Stella Hesch

Update 07.05.: Wir haben die Graphik zum Vergleich der fossilen Ausschlüsse zwischen Allianz, Allianz Global Investors und PIMCO präzisiert.

Außerdem haben wir eine Textstelle gestrichen, die implizierte, dass die Allianz ihre eigenen Investments nicht auf Umwelt- und Biodiversitätsrisiken prüfen würde.