Euros für Ärzte

Licht ins Dunkel

Ist es unanständig, wenn man wissen will, wie viel Geld ein Arzt von der Pharma­industrie erhält? In den USA ist das seit zwei Jahren Normalität: Der „Sunshine Act“ als Teil von Obamas Gesundheits­reform zwingt jeden Pharma­konzern dazu, jährlich aufzulisten, an welchen Arzt er wie viel Geld für Vorträge oder Studien zahlt. Auf der Website des US-Recherche­büros ProPublica kann seither jeder Bürger den Namen seines Arztes eintippen und nachschauen, auf wessen Gehaltsliste er steht.

von Markus Grill

© Ivo Mayr

Bisher ist solche Transparenz undenkbar in Deutschland. Aber hoffentlich nicht mehr lange.

Erstmals hat CORRECTIV die Daten aller Anwendungsbeobachtungen der Jahre 2009 bis 2014 in einer Datenbank zusammengeführt. Diese Anwendungsbeobachtungen haben seit langem einen schlechten Ruf. Unter dem Deckmäntelchen wissenschaftlicher Studien dienen sie dazu, Ärzten Geld zu bezahlen, wenn diese ein bestimmtes Präparat bevorzugen.

In unserer Datenbank kann ab sofort jeder den Namen seines Medikaments eingeben. Und sehen, wie viele Patientinnen und Patienten dieses Präparat im Zusammenhang einer Anwendungsbeobachtung erhalten sollten, wie viele Ärzte mitmachen und wie viel Geld jeder Arzt pro Patient bekommen sollte.

Diese Daten hat uns die Kassenärztliche Bundesvereinigung gegeben.

Was sie uns verweigert hat, sind die Namen der Ärzte.

Wir akzeptieren das nicht. Wir werden um die Herausgabe der Namen kämpfen. Nicht, weil wir den Ärzten ihren Nebenverdienst nicht gönnen würden. Sondern weil für Patientinnen und Patienten diese Transparenz wichtig ist: Bekommen Sie ein bestimmtes Medikament aus medizinischen Gründen? Oder weil Ihr Arzt Geld vom Hersteller erhält, wenn er dieses Präparat verordnet?

Sie können unseren Kampf für Ihr Recht auf Information unterstützen, indem Sie Mitglied im Recherchezentrum Correctiv werden.

Herzliche Grüße!

Markus Grill

Chefredakteur CORRECTIV

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.