Die Wissenschaftler untersuchten 4195 Tests aus europäischen Wettbewerben ein zweites Mal. Die Proben sind aktuell: sie sind von Dezember 2007 bis Mitte 2013. Im Schnitt untersuchten die Forscher pro Spieler fast fünf Proben. Bei 68 Spielern brachte die Analyse einen Verdacht auf Steroid-Doping.
Mehr als zwei Drittel Champions Leauge
Die verdächtigen Spieler kommen aus den besten Ligen Europas. In der Studie heißt es, dass 62,9 Prozent der Proben aus der Champions League stammen. Außerdem kommen 82 Prozent der Proben von Teams der großen zehn Fußballverbände. „Dies spiegelt die Dominanz von wenigen großen Verbänden in den UEFA-Wettbewerben wieder“, schreiben die Autoren.
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Bei den 68 verdächtigen Spielern sind nicht einzelne verdächtige Proben – zum Beispiel mit Resten von Steroid-Produkten – gefunden worden. Stattdessen haben die Wissenschaftler die unterschiedlichen Testosteron-Werte der Spieler über einen längeren Zeitraum untersucht. Bei den 68 Spielern haben sich die Werte auf verdächtige Art und Weise verändert. Die Forscher schränken ein, dass diese Veränderungen nicht immer auf Doping zurückzuführen sein müssen.
Sechs Mal mehr auffällige Proben
Die Wissenschaftler vergleichen die Zahl von 7,7 Prozent verdächtigen Proben mit den 1,3 Prozent der auffälligen Proben, die von der UEFA bislang als Durchschnittswert genannt wurden. Ein deutlicher Unterschied. Gleichzeitig wird beschrieben, dass es durch die hohe Anzahl von beteiligten Laboren und Analyseverfahren zu mehr Fehlern bei der Auswertung gekommen sein könnte. Zwölf verschiedene Dopinglabore waren beteiligt, darunter die Labore in Köln, London, Paris und Madrid.
Erst vor wenigen Tagen hatte die UEFA ein neues Anti-Doping Programm vorgestellt. Es sei das stärkste Anti-Doping-Programm, das es bislang gegeben habe. Jetzt wird klar, warum die UEFA aktiv wird. Seit der vergangenen Woche ist auch Andrea Gotzmann, Vorsitzende der NADA, Teil des Anti-Doping-Beratergremiums der UEFA.
Die Studie hat sich ausschließlich die Steroid-Werte der Spieler angesehen. Hinzurechnen müssen wir also alle Spieler, die theoretisch mit anderen Dopingmitteln dopen: Blutdoping, Wachstumshormon und anderen Substanzen. Wir hatten vor zwei Jahren über eine Studie von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer berichtet, die neun auffällige Blutwerte in der Bundesliga gefunden hatte.
Die ganze Studie
Die Studie hatte der europäische Fußballverband UEFA selbst in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse standen bereits im Juli fest, Anfang September veröffentlichten die Autoren die zehn Seiten lange Studie im Journal „Drug Testing and Analysis“. Falls Ihr die Studie in Gänze lesen wollt, könnt Ihr das hier auf der Seite des Journals für sechs Dollar tun.
Die UEFA hat diese Studie in Auftrag gegeben. Das ist positiv. Das gibt uns das bislang wohl beste Bild auf die Verbreitung von Doping im Fußball. Außerdem bewegt sich die UEFA, will etwas tun. Ob das genug ist, wird sich zeigen.
Offene Fragen
Es bleiben aktuell (mindestens) drei Fragen:
1) Warum hat die UEFA in den vergangenen Wochen so viel Werbung für ihr neues Anti-Doping-Programm betrieben, aber kein Wort über die Ergebnisse ihrer eigenen Studie verloren?
2) Warum hat die UEFA die Spieler anonymisiert?
3) Werden jetzt gezielt Proben aus der Champions League auf Spuren von Steroiden nachgetestet?
Wir haben die UEFA angefragt. Wenn wir Antwort bekommen, werden wir hier ergänzen.
Weitere Hintergründe zu der Studie gibt es heute um 18 Uhr in der ARD. Gemeinsam mit der Sunday Times hatte die ARD am Samstag, 19. September, vorab über die Studie berichtet.
Das Titelfoto UEFA Champions League Trophy ist von Daniel mit CC BY 2.0 Lizenz.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.
