Es ist bekannt, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast auf lange Sicht resistente Keime schafft – die womöglich auch Menschen befallen können. Daher bemüht man sich, möglichst wenig Antibiotika in der Tierhaltung einzusetzen, auch in Großbritannien. Laut unseren britischen Kollegen vom The Bureau of Investigative Journalism sank der Antibiotikaverbrauch in der Hähnchenzucht in den Jahren 2013 und 2014 tatsächlich um rund 30 Prozent. Das gilt aber nicht für alle Antibiotika: Ausgerechnet der Verbrauch des für Menschen extrem wichtigen Fluorquinolons nahm um 59 Prozent zu.
Auch in Deutschland lässt sich das beobachten: Neue Regulierungen sollen den Gesamtverbrauch reduzieren. Deshalb steigt der Verbrauch von hochpotenten Stoffen, die schon in geringer Konzentration wirken. Die aber, wie Fluorquinolon, für die Humanmedizin von extrem wichtiger Bedeutung sind. Die WHO führt die Arznei auf der Liste der „kritisch wichtigen Antibiotika“.
Der zunehmende Einsatz von Fluorquinolonen ist beunruhigend. Denn diese Antibiotika gehören zu den Substanzen der „letzten Abwehr“, die helfen, wenn kein anderes Mittel mehr wirkt. Sie haben zudem den Vorteil, dass sie – anders als vergleichbare Präparate – oral eingenommen werden können. Unter anderem können sie Menschen retten, die sich mit den Durchfallkeimen E. coli infiziert haben. Oder mit Salmonellen und Campylobacter, zwei Keime, die vor allem übertragen werden beim Verzehr von befallenem Fleisch. Also beispielsweise, weil sich jemand nach dem Berühren von rohem Fleisch in der Küche nicht die Hände gewaschen hat. Oder die Salattomaten mit dem gleichen Messer wie das Hühnchenfleisch geschnitten hat.
Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit.
Nachrichten und Recherchen sind unerlässlich, damit Sie sich eine Meinung bilden können. Aber die derzeitigen Bedrohungen der freien Presse und der Medienlandschaft sind alarmierend.
Wir fordern die Bundesregierung auf, Pressefreiheit und die Medienvielfalt in Deutschland umfangreich zu schützen. Machen Sie mit.
Es gibt Hinweise darauf, dass Resistenzen von tierischen Keimen auf Keime überspringen können, die Menschen befallen. Das heißt: Resistenzen, die man Tieren heranzüchtet, kommen langfristig auch zum Menschen.
Jetzt fordert etwa der Verband „Alliance to Save Our Antibiotics“, Fluoroquinolone in der Hähnchenzucht zu verbieten. In den USA ist der Einsatz bereits seit 2005 untersagt.
Welche Recherche sollen wir im kommenden Jahr nicht machen?
Vier Wochen unserer aktuellen Spendenaktion sind vorbei. Im vergangenen Jahr haben uns innerhalb der ersten vier Wochen bereits 8.000 Menschen unterstützt. In diesem Jahr sind es bisher leider erst um die 6.900. Um unser Ziel zu erreichen fehlen uns noch knapp 800.000 Euro.
Wir sind sehr dankbar für jede Spende. Gleichzeitig bedeutet das aber: Wenn uns diese Einnahmen fehlen, wird das unsere Arbeit im kommenden Jahr einschränken. Dann müssen wir entscheiden, welche Recherchen wir finanzieren können und welche wir auslassen müssen.
Eine gesellschaftlich relevante Recherche sollte nicht daran scheitern, dass sie aufwendiger wird als zunächst erwartet. Hinter journalistischer Unabhängigkeit stehen am Ende ziemlich konkrete Zahlen. Planen können wir dabei nur mit dem Geld, das uns zur Verfügung steht. Und im Moment reicht das, was während dieser Spendenaktion zusammenkommt, noch nicht.
Diese Spendenaktion ist für unsere Arbeit im kommenden Jahr sehr wichtig. Das heißt: Wirklich jeder Betrag, ob 5, 10, 15 Euro, hilft uns für unsere weitere Arbeit. Wenn Sie können: Bitte unterstützen Sie heute unsere Aktion.