Nach einem Angriff auf das Kühlsystem einer Blutbank in Frankreich gibt es auch in Deutschland einen Fall im Gesundheitssektor. Das teilte ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf Anfrage von CORRECTIV mit. Demnach handelt es sich um einen Pharmahändler, dessen Systeme zum Kühlen von Medikamenten angegriffen wurden.
Die IT-Sicherheitheitsbehörde reiht den Angriff in eine Serie von Attacken auf Supermarktketten ein. „Dem BSI sind einzelne Vorfälle bei Supermärkten und in der Pharmabranche bekannt“, teilte der Sprecher mit. Die Behörde geht allerdings davon aus, dass die Angriffe „ungezielt und opportunistisch“ sind. „Die Angreifer suchen also nach verwundbaren Instanzen und nutzen diese aus, im Zweifel auch ohne zu wissen, welches Unternehmen oder welche Branche sie damit treffen“, heißt es in der Antwort des BSI.
Vorfälle in Deutschland sind Teil einer europaweiten Angriffsserie
Vor drei Wochen gab es in Frankreich einen groß angelegten Cyberangriff auf Kühlanlagen in Supermärkten. Vor wenigen Tagen folgten Angriffe auf Läden unter anderem in Schweden, Belgien und Luxemburg. Auch in Deutschland machten einzelne Märkte Vorfälle öffentlich, etwa eine Edeka-Filiale in Reisbach in Niederbayern. Dabei sollen die Kühlanlagen in der Nacht auf Montag auf „50 Grad Heizen“ umgestellt worden sein.
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Die Angriffe richten sich gegen Steuerungseinheiten von Kühlanlagen, die zum Teil ungeschützt im Internet zugänglich sind. Ein Hersteller solcher Systeme warnte schon 2022 vor einer Sicherheitslücke bei älteren Modellen. Schon damals gab es Angriffe auf Supermärkte in Russland und Israel. Das BSI warnte Anfang Oktober, dass solche IT-Technik abgesichert werden muss und gab Hinweise, wie dies umgesetzt werden könnte. Durch KI sei für Angriffe dieser Art weniger oder gar kein Expertenwissen mehr notwendig.
Pro-russische Hacker reklamieren Taten für sich
Nach Recherchen von CORRECTIV schrieben pro-russische Telegram-Kanäle am Mittwoch die jüngsten Attacken hacktivistischen Gruppierungen aus Russland zu – so werden Zusammenschlüsse von Hackern bezeichnet, die aus ideologischen Gründen meist einfache Attacken durchführen.
Das BSI teilte mit, Kenntnis von den Telegram-Posts zu haben. Man habe allerdings keine Hinweise, die diese Zuschreibungen belegen. „Es ist daher nicht auszuschließen, dass Trittbrettfahrer diese Angriffe ohne Beleg für sich reklamieren“, so der Behördensprecher. In Sicherheitskreisen sieht man die Zuschreibung der jüngsten Attacken zu russischen Hacktivisten skeptisch.
Redigatur und Faktencheck: Silvia Stöber