Die US-Polizeibehörde FBI hat mehrere Internetadressen beschlagnahmt, die CORRECTIV im März als Teil einer breit angelegten Phishing-Kampagne über die Messenger Signal und WhatsApp identifiziert hatte. Die Behörde rechnet die Seiten russischen Geheimdiensten zu und hat für Hinweise auf die Hinterleute eine Belohnung von bis zu zehn Millionen US-Dollar ausgerufen.
Die USA werfen den russischen Verantwortlichen vor, mit der Phishing-Masche auf aktuelle und ehemalige US-amerikanische und internationale Regierungsbeamte, Militärangehörige, Politiker, Journalisten und wichtige Amtsträger in der Ukraine abzuzielen.
Im April erreichte die Angriffswelle in Deutschland ihren Höhepunkt. Damals wurde bekannt, dass zu den Opfern der mutmaßlich russischen Phishing-Attacke die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) zählte. Die Bundesanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen des Anfangsverdachts der Spionage. Die Ermittlungen dauerten an, sagte die Sprecherin der Behörde CORRECTIV.
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Die beschlagnahmten Internetadressen führten zu russischer Software
CORRECTIV hatte in einer Recherche die digitalen Spuren der Angreifer in Richtung Russland verfolgt und aufgedeckt, dass für einen Teil der Kampagne ein Programm namens „Defisher“ verwendet wurde, das noch 2024 in russischen Hackerforen beworben wurde. Später berichtete der Spiegel über eine Analyse von IT-Sicherheitsexperten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, wonach auch ein zweites Phishing-Tool in russischer Sprache programmiert wurde und eine russische Benutzerführung aufwies.
Bereits Ende Juni hat das FBI die Beschlagnahmung von 26 Internetadressen im Zusammenhang mit den Phishing-Attacken bekannt gegeben. Wie CORRECTIV nun feststellen konnte, waren darunter mindestens sechs Adressen, die Hinweise darauf geben, dass das Tool „Defisher“ dort verwendet wurde. Einige der Adressen finden sich in der Liste, die CORRECTIV Ende März zusammen mit dem Artikel veröffentlicht hatte.
Bei der Signal-Phishing-Kampagne erhalten die Zielpersonen eine Nachricht von einem Account namens „Signal Support“ oder „Signal Security ChatBot“. Dieser gibt vor, dem Messenger anzugehören. Tatsächlich stammt dieser Account von den Angreifern, denen das FBI und IT-Sicherheitsexperten den vorläufigen Namen „UNC5792“ gegeben haben.
FBI warnte zuletzt vor neuer Phishing-Methode
Wer die Instruktionen in der Nachricht befolgt, verliert den Zugriff auf den eigenen Account. Dann können die Angreifer die Signal-Kontakte einsehen, Nachrichten versenden und eingehende Mitteilungen lesen. In der jüngsten Warnung des FBI wird eine weitere Methode beschrieben, wonach es die Gruppe auf den Backup-Schlüssel abgesehen hat.
In einem anderen Schema können die Angreifer über einen gekaperten Signal-Account Links an Kontakte verschicken. Diese sehen aus wie Einladungen in WhatsApp-Gruppen, führen in Wahrheit aber auch auf Phishing-Seiten. Die verschiedenen Angriffsarten und wie sich Nutzerinnen und Nutzer schützen können, hat CORRECTIV in einem FAQ zusammengefasst.
Redigatur und Faktencheck: Isabel Knippel
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