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2014 versucht Nicola Assisi mit diesem falschen Pass nach Europa zu reisen.© Guardia di Finanza

Mafia

Der Drogenhändler der Mafia

Niemand weiß, wie viel Kokain Nicola Assisi schon nach Europa verschifft hat. Es dürften Tonnen sein. Assisi ist der wichtigste Drogeneinkäufer der italienischen Mafia. Seit zwei Jahrzehnten spielt er Katz und Maus mit den Ermittlern. Dies ist seine Geschichte – dank einer monatelangen Recherche von CORRECTIV und dem Investigative Reporting Project Italy zum ersten Mal vollständig erzählt.

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von Cecilia Anesi , Giulio Rubino

Es ist Nacht im Hafen, und der Mann, der das Kokain abholen soll, wird langsam panisch.

„Was zum Teufel zwingt ihr mich zu tun“, tippt er in sein Handy. Seine Männer liegen gefesselt vor ihm. Er tippt: „Sie behaupten sie sind unschuldig.”

197 Kilo Kokain will Rosario Grasso in dieser Nacht für die ‘Ndrangheta in Empfang nehmen, eine der mächtigsten Gruppen der weltweiten Organisierten Kriminalität – im Hafen von Gioia Tauro, im Süden Italiens. Grasso und seine Helfer haben einen Hafenbeamten bestochen, genannt „Il Porco“, das Schwein, damit er ihnen Zugang gewährt zu jenem Container, in dem das Kokain versteckt ist. Doch so oft Grasso den Container auch durchsucht: Er findet die Drogen nicht. Das Kokain, mit einem Straßenverkaufswert von rund 20 Millionen Euro, ist verschwunden.

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Der Drogenkurier Rosario Grasso vor dem Container, in dem das Kokain NICHT war.

Guardia di Finanza

Haben seine Leute ihn verraten? Oder die Mittelsmänner in Brasilien es gewagt, ihn zu hintergehen?

Grasso erhält eine Nachricht auf seinem Handy: das Foto von einem Holzstück, hineingeschnitzt die Nummer MSC U356 5753. Grasso sieht nach, ein weiteres Mal: Er steht neben dem richtigen Container, mit eben dieser Kennung. Aber er ist leer.

„Sag ihnen, dass ich jetzt richtig wütend bin, nicht sie“, schreibt er an den Mittelsmann in Brasilien. „Es ist 3 Uhr nachts, ich habe die halbe Welt in Bewegung gesetzt, ich habe meine Familie seit drei Tagen nicht gesehen, ich habe seit drei Tagen nicht geduscht.“ Es nützt nichts.

Am nächsten Tag kehrt Grasso noch einmal in den Hafen zurück, um den Container Zentimeter für Zentimeter abzusuchen. Und wieder: kein Kokain.

Doppelte Hierarchie

Ermittler gehen davon aus, dass die ‘Ndrangheta rund 40 Prozent des weltweiten Kokainhandels kontrolliert; die Mafia aus Kalabrien, dem Absatz des italienischen Stiefels. Die Einnahmen, geschätzte 25 Milliarden Euro pro Jahr, werden dann im legalen Firmengeflecht der Mafia gewaschen, gerade auch in Deutschland und der Schweiz, Ländern mit laschen Anti-Geldwäsche- und Anti-Mafia-Gesetzen.

Um sich vor Strafverfolgung zu schützen, haben die ‘Ndrangheta-Bosse eine doppelte Hierarchie aufgebaut – sie selbst sind abgekoppelt vom eigentlichen Handel. Anstatt die eigenen Männer den Risiken des Drogengeschäfts auszusetzen, stützen sich die Bosse auf Dutzende von Mittelsmännern in der ganzen Welt – Männer, die in direktem Kontakt mit den Drogenkartellen stehen und für den reibungslosen Transport des weißen Pulvers nach Europa sorgen.

Es heißt, den besten Mittelsmännern gelingt es, ein Kilo Kokain für gerade einmal 1200 Euro von den Kartellen in Südamerika zu kaufen. An die ‘Ndrangheta verkaufen sie es dann für rund 30.000 Euro das Kilo. Was immer noch viel billiger ist, als das Kokain über viel Umwege auf europäischem Boden zu kaufen. Kein Wunder, dass Beziehungen zu solchen Mittelsmännern von höchstem Wert sind für die Mafia-Bosse.

Der mächtigste Drogen-Broker unserer Zeit ist Nicola Assisi. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist ihm die Polizei auf den Fersen, stets vergeblich. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen arbeitet er von Lateinamerika aus, nah an den Quellen des Kokains.

Wir haben Nicola Assisis Weg in monatelanger Recherche rekonstruiert, gestützt auf bislang unzugängliche Akten. Seine Geschichte soll hier zum ersten Mal vollständig erzählt werden.

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Nicola Assisi kauft das Kokain direkt bei den Kartellen in Brasilien und Peru — und erhöht so die Profite der Mafia.

Ivo Mayr/Guardia di Finanza

Die verwanzte Telefonzelle

Assisi wurde 1958 in der süditalienischen Stadt Grimaldi geboren. Über seine jungen Jahre ist nur wenig bekannt. Im Frühjahr 1997 geriet er erstmals ins Visier der italienischen Ermittler. Sie waren hinter einer Gruppe kalabrischer Drogenhändler her, die von Barcelona aus Kokain nach Turin und Rotterdam verschifften.

„Die Drogenhändler verwendeten damals keine Handys, sondern sprachen von öffentlichen Telefonzellen aus miteinander“, sagt Gianni Abbate, einer der Ermittler. „Uns gelang es, zwei Telefonzellen in Turin zu verwanzen, die von den Drogenringen regelmäßig verwendet wurden.“

In den Morgenstunden des 16. Mai 1997 fing die Polizei den Anruf eines Mannes ab, der ein Treffen mit Nicola Assisi arrangierte. Die Polizei folgte ihm und dessen Männern zu einem Treffpunkt nördlich von Turin. Dort sollten sie einen Lastwagen in Empfang nehmen, in dem 200 Kilo Kokain versteckt waren.

Eine Gruppe von Polizisten drängte Assisi in die Enge. Er versuchte das Unmögliche: „Er lief in Richtung der Polizeiwagen, schlug einen Beamten nieder und wollte mit einem der Autos fliehen“, erzählt Abbate. Es misslang, die Polizisten überwältigten Assisi.

Das Schneckentempo der italienischen Justiz verhalf ihm nur ein Jahr später zur Freiheit. Noch immer war er nicht angeklagt worden, ein Richter weigerte sich, seine Untersuchungshaft zu verlängern. Und Nicola Assisi, der Drogenhändler der ‘Ndrangheta, spazierte aus dem Gefängnistor. Und tauchte ab.

Streit bricht aus

Rosario Grasso, am Hafen von Gioia Tauro, war unterdessen weder von seinen Leuten verraten worden noch von den Mittelsmännern in Brasilien. Das Kokain, das er vergeblich suchte, war unterwegs von der spanischen Polizei beschlagnahmt worden. Dann hatten die Beamten den Container wieder versiegelt und ihn weiter seinen Weg nach Italien nehmen lassen. Sie wollten wissen, wer dort auf ihn wartete.

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Der Hafen von Gioia Tauro. Nirgendwo werden in Italien mehr Container umgeschlagen.

Guardia di Finanza

In den Wochen darauf herrschte Streit zwischen der ‘Ndrangheta und den Mittelsmännern in Brasilien. Nicola Assisi gelang es, ihn zu schlichten: Er vermutete gleich, dass die Polizei ihre Finger im Spiel hatte. „Ich besorge allen neue Handys, diese hier scheinen ein bisschen verbraucht”, schrieb er.

In der Tat war es der italienischen Polizei gelungen, die verschlüsselten Blackberry-Nachrichten des Assisi-Rings zu knacken. Prompt stellte Sohn Patrick den Ermittlern eine Falle und schickte einen Container mit einer kleinen Menge Kokain auf die Reise nach Gioia Tauro. Doch die Polizei ließ ihn passieren. Sie wollte die Überwachung nicht gefährden. Erfolgreich.

Der Mentor stirbt

Im Jahr 2002 nahm Assisis Karriere einen unerwarteten Aufschwung. Pasquale Marando war verschwunden, der mächtigste Drogenhändler der ‘Ndrangheta, zugleich seit langem ein Mentor von Nicola Assisi. Marando war der erste, der direkt mit den kolumbianischen Drogenkartellen verhandelte, unter Umgehung sämtlicher Mittelsmänner – was den Profit der Mafia weiter nach oben schraubte.

Marandos Leiche wurde nie gefunden. Gut möglich, dass er bei einer internen Fehde erschossen wurde. Nun rückte Nicola Assisi nach. Denn Marando hatte ihm einen höchst wertvollen Schatz vermacht: sein Telefonbüchlein, mit Kontakten zu den mächtigsten Waffen- und Drogenhändlern jener Zeit. Darunter die Gewährsmänner der lateinamerikanischen Kartelle.

2007, genau zehn Jahre zu spät, erging in Turin das Urteil gegen Nicola Assisi: Er erhielt eine Haftstrafe von 14 Jahren. „Zehn Tage vor dem Urteil flüchtete er nach Spanien und von dort wahrscheinlich weiter nach Lateinamerika“, sagt Gianni Abbate, jener Polizeibeamte, der den Fall Assisi in den 1990er Jahren untersuchte.

Für viele Jahre verschwand Nicola Assisi, ohne eine Spur zu hinterlassen. Dann betritt sein Sohn Patrick die Bühne des weltweiten Drogenhandels.

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Der Sohn betritt die Bühne

Es ist ein kalter Wintertag in Turin, als Patrick Assisi die Tür zu einem vornehmen Fischrestaurant unweit des Pos aufdrückt. Assisi trägt Turnschuhe, Jeans und einen Mantel, das übliche Outfit der jungen Männer Turins. Gegen Patrick lag in Italien kein Haftbefehl vor; offenbar fungierte er als der verlängerte Arm seines Vaters.

Er wird begrüßt von Abgesandten des Aquino-Coluccio-Clans, einer der mächtigsten ‘Ndrangheta-Familien. Es ist ein Geschäftsessen, man bestellt Fisch, Pizza und Wein. Und dann diskutieren die Männer die Details. Zum Abschied umarmen sie sich. Der Deal steht.

Nachdem sie Patrick Assisi bei jenem Treffen in Turin beobachtet hatten, heftete sich die italienische Polizei erneut an die Fersen der Familie. Die Familie versteuerte keinerlei Einkommen, lebte aber im Luxus, man fuhr BMW X3 und mietete ein Sommerhaus in Portugal, das 10.000 Euro pro Monat kostete.

Wohin mit dem Bargeld?

Ermittler fanden auch heraus, was mit den immensen Mengen an Bargeld geschieht, das beim Drogenhandel anfällt. Für den Drogenring der Assisis brachten Kuriere das Geld zu einer Tankstelle in der Nähe von Turin, wo es von Gewährsmännern abgeholt und nach Brasilien geschickt wurde, Hunderttausende Euro pro Lieferung.

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Wer Drogen verkauft, schwimmt in Bargeld. 4 Millionen Euro Cash finden Ermittler in der Villa der Assisis.

Guardia di Finanza

Dennoch beklagte sich Assisi Ehefrau – sie war laut den Ermittlern die Kassiererin des Drogenrings – einmal bei ihrem Sohn darüber, dass ihr Haus in Turin keinen Platz mehr hatte, um noch mehr Geld zu bunkern. Als Polizisten später die Villa stürmten, entdeckten sie rund 4 Millionen Euro.

Das Geschäft der Assisis floriert. In immer größeren Mengen verschiffen sie Kokain von Lateinamerika nach Europa. Viel spricht dafür, dass sie es vom Primer Comando Capital (PCC) kaufen, dem wichtigsten Drogenkartell Brasiliens, und von den kolumbianischen Kartellen in Peru. Und immer häufiger taucht auch Paraguay in den Ermittlungsakten auf, ein wichtiges Transitland für das Kokain auf dem Weg nach Europa.

„Ich bin gerade in Paraguay, für die Telefone, für die Arbeit“, schreibt Nicola Assisi in einem Chat, den die Polizei abfängt. „Ich bereite neue Sachen vor.“

Die Assisis tun alles, um ihre Kommunikation geheim zu halten. Die Drogenverkäufer schicken den Assisis ein Holzstück, hinein geschnitzt die Nummer des Containers und der Code, mit dem man ihn öffnen kann. Die Assisis leiten diese Informationen über verschlüsselte Mobiltelefone dann weiter an ihre Kontakte in Kalabrien.

Im Frühjahr 2014 gelingt es der italienischen Polizei, erneut in das Kommunikationssystem der Drogenhändler einzudringen. Sie können das Telefons eines engen Vertrauten der Assisis in Italien anzapfen und so deren Handys identifizieren.

Assisi wird verhaftet

Nun gelingt den Beamten Schlag auf Schlag gegen den Drogenring: Binnen vier Monaten beschlagnahmten sie eine halbe Tonne Kokain. Und am 27. August 2014 wird Nicola Assisi am Flughafen von Lissabon verhaftet, als er, aus Brasilien kommend, den Pass eines gewissen Javier Varela aus Argentinien mit sich führend, versucht, heimlich nach Europa einzureisen.

Gut möglich, dass Assisi das Risiko der Reise auf sich genommen hatte, um neue Wege auszuloten, das Kokain nach Europa zu verschiffen. Laut den Ermittlungsakten wollte die Gruppe einen Langstrecken-Privatjet vom Typ Falcon 50 chartern, um das Kokain zur Landebahn einer privaten Flugschule in Deutschland zu transportieren. Von dort sollten die Drogen per Lastwagen weiter nach Italien gebracht werden. Man weiß nicht, ob der Plan umgesetzt wurde.

Während die Drogenhändler über alle Grenzen hinweg arbeiten, ist die Zusammenarbeit der europäischen Justiz lückenhaft – um es freundlich zu sagen. Ein portugiesisches Gericht stellt Nicola Assisi unter Hausarrest, nachdem man ihn am Flughafen von Lissabon verhaftet hat. Und während die italienischen Behörden unter Hochdruck daran arbeiten, Nicola Assisis Auslieferungsantrag durchzubringen, überzeugt der ein portugiesisches Gericht, ihn von seiner elektronischen Fußfessel zu befreien.

Und verschwindet erneut.

Die letzte Spur

Auch die Falle, die von der italienischen Polizei am Hafen von Gioia Tauro gelegt wurde, schnappt nicht zu. Im Gegenteil: Den Assisis ist nun klar, dass sie ihre Kommunikation zuverlässiger verschlüsseln müssen. Sohn Patrick kauft neue Smartphones, mit einem Android-Betriebssystem, dessen verschlüsselter Chat von italienischen Ermittlern bis heute nicht geknackt wurde.

Rosario Grasso, der Mann, der die Drogen aus dem Container holen sollte, sitzt derweil im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess. „Il Porco“, der korrupte Hafenbeamte, konnte bis heute nicht identifiziert werden. Nicola Assisi und seine Söhne sind weiter aktiv in Brasilien, wohin sich offenbar auch Assisis Ehefrau geflüchtet hat.

Es ist nicht bekannt, wie Nicola Assisi heute aussieht. Passbilder, die er zuletzt verwendet hat, zeigen ein freundliches, plumpes Gesicht.

Sohn Patrick Assisi steht derweil ebenfalls auf den Fahndungslisten der italienischen Polizei. 2015 registriert er über eine Anwaltskanzlei in Ferraz de Vasconcelos, einem Slum in Sao Paulo, ein Handelsunternehmen namens Poli Pat 9. Die Gegend wird vom PCC-Kartell bevorzugt genutzt, um dort  Drogengeld zu waschen.

Seitdem hat niemand mehr etwas gehört von den Assisis.

This investigation is a cooperation between CORRECTIV and IRPI.eu with the support of the Flanders Connect Continents Grant. Additional reporting by Giuseppe Legato in Turin, Juan Carlos Lezcano of ABC in Asunción, Micael Pereira of Expresso in Lisbon, Aramis Castro of Convoca in Lima and Alana Rizzo in São Paulo.
Übersetzung: Ariel Hauptmeier
Editor: Frederik Richter

© unsplash.com / Bertrand Gabioud

Mafia

Restituiti villa e denaro all’imprenditore Pelliccioni

Il Tribunale di Santa Maria di Capua Vetere ha rigettato la proposta della Direzione Investigativa Antimafia di Napoli

von Margherita Bettoni

Buone notizie per l’imprenditore Sammarinese Flavio Pelliccioni. Con provvedimento notificato a novembre 2017 il Tribunale di Santa Maria Capua Vetere (Caserta) ha rigettato la proposta della Direzione Investigativa Antimafia di Napoli di misura di prevenzione della sorveglianza speciale e della confisca dei beni nei confronti del Pelliccioni.

Pelliccioni era stato arrestato dalla Direzione Investigativa Antimafia (DIA) di Napoli nel 2011 in seguito ad un’ordinanza di custodia cautelare emessa dal gip nei confronti di 57 indagati, accusati a vario titolo di reati quali associazione a delinquere di tipo camorristico, truffa ai danni dello stato ed estorsione – reati aggravati dalla finalità di agevolare il clan camorristico dei Casalesi.

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Pelliccioni era stato già prosciolto in sede di udienza preliminare dai reati di concorso esterno in associazione a delinquere di tipo camorristico e di riciclaggio e venne rimandato a giudizio per falso e truffa, accuse cadute in prescrizione. Tuttavia la DIA di Napoli aveva richiesto in misura preventiva la sorveglianza speciale e il sequestro dei beni.

In seguito alle richiesta erano stati apposti nel 2015 sigilli a beni per un valore di oltre cinque milioni di euro, tra i quali una villa con piscina e le quote societarie di due imprese. Beni che sono ora stati restituiti all’imprenditore sammarinese e che comprendono tra l’altro una villa con piscina.

Sebbene „esistano elementi a carico di Pelliccioni“ scrive il Presidente del Tribunale Massimo Urbano nel provvedimento, „essi appaiono insufficienti a ritenere incardinata la pericolosità, sia pure storica del proposto, requisito necessario per l’adozione di misure patrimoniali“.

Der Farao-Clan soll italienische Restaurants in Deutschland gezwungen haben, ihre Produkte aus Kalabrien zu kaufen.© Alina Sofia / unsplash.com

Mafia

„Ich lasse ihn eine Salsiccia-Wurst kaufen“

Diese Woche gingen Ermittler in Großrazzien gegen die Mafia vor. CORRECTIV hat jetzt die italienischen Justizakten zu der Aktion ausgewertet. Sie zeigen, dass die italienische Mafia längst in der deutschen Wirtschaft zu Hause ist.

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von Giulio Rubino , Margherita Bettoni , Cecilia Anesi

Jahrelang sammelten sie Beweise, hörten Telefonate ab, beobachteten Clan-Mitglieder.  Zu Beginn der Woche führten Ermittler in Deutschland und Italien schließlich eine der größten Aktionen gegen die italienische Mafia in den letzten 20 Jahren durch. Die Polizei nahm etwa 170 Personen fest, elf davon in Deutschland. Die Vorwürfe reichen von der Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung bis hin zu versuchtem Mord und Erpressung.

Die Razzien zielten vor allem auf den Farao-Clan, der zur kalabrischen Mafia-Gruppierung ‘Ndrangheta gehört. Aus italienischen Justizakten zu den jüngsten Razzien geht hervor, wie der Clan mit Hilfe des Lebensmittelhandels in Deutschland seinen Einfluss ausweiten konnte. Unter den Mafia-Clans sind die Faraos etwas Besonderes: nur dank seiner starken Präsenz in Deutschland stieg er in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der mächtigsten Clans in Italien auf.

Zu den in dieser Woche Verhafteten zählt auch der Gastronom Mario L., der bei Stuttgart ein italienisches Restaurant betrieb. Aus den Unterlagen geht hervor, dass L. Kontakt zu hochrangigen Mitgliedern des Farao-Clans hatte. L. habe seinen Einfluss in Deutschland konsolidiert, „insbesondere in der Gastronomie und in den Gebieten Frankfurt und Offenbach und in Baden-Württemberg“.

Ein besonderer Wein-Produzent

L. ist nicht das erste Mal im Visier von Ermittlungen. Anfang der 1990er Jahre brachte er den CDU-Politiker und ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger in Bedrängnis. Oettinger besuchte oft das Stuttgarter Restaurant von Mario L., der ihn „seinen Minister“ nannte. Für die CDU-Landtagsfraktion organisierte Mario L. in seinem Restaurant „kalabresische Abende“. Gegen Oettinger wurde nicht ermittelt.

Italienische Restaurants sind ein wichtiger Bestandteil der Mafia-Logistik. Sie dienen der Geldwäsche und Treffen zwischen Clanmitgliedern. Die Lebensmittellieferungen können Kokainschmuggel tarnen. Ermittler rechnen bislang etwa 15 Restaurants und Eisdielen in Deutschland dem Farao-Clan zu. Im Laufe der aktuellen Ermittlungen könnte diese Zahl noch steigen.

Doch nicht nur das: der Farao-Clan nutzte den Lebensmittelhandel dazu, anderen italienischen Restaurants in Deutschland die eigenen Produkte aufzuzwingen. „In Deutschland kontrollierte der Farao-Clan den Handel von Produkten aus der kalabrischen Stadt Cirò, etwa Wein, Zitrusfrüchte, Öl und Zutaten für Pizza“, sagt der italienische Staatsanwalt Vincenzo Luberto.

Das zeigt, dass die Mafia in Deutschland nicht nur mit Kokain handelt und ihr Geld mit dem Drogengeschäft verdient, sondern längst in der deutschen Wirtschaft angekommen ist.

Der Farao-Clan gab sich als ganz normaler Wein-Produzent aus Italien. Mit einem Unterschied: Er verschickte seine Flaschen ungefragt an die Restaurants – in einem Fall 200 Kisten. Der Clan lieferte auch Zutaten für Pizzateig sowie Käse und Wurst aus der süditalienischen Region Kalabrien – ohne dass sie bestellt waren. Anschließend besuchten die Mafia-Mitglieder die Gastronomen, um sie zur Annahme und Bezahlung der Waren zu zwingen.

„Ich lasse ihn eine Salsiccia-Wurst und eine Schweinskopfsülze kaufen und in der ersten Aprilwoche gehst du da vorbei“, sagt Mario L. am Telefon einem der Söhne von Clan-Chef Giuseppe Farao. Denn Gastronomen, die sich nicht erpressen lassen wollten, erhielten hochrangigen Besuch aus Italien: die Söhne der Clan-Chefs reisten nach Deutschland an, um sie einzuschüchtern.

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„Denk an Duisburg“

Nicht nur italienische Restaurantbesitzer wurden Opfer des Clans. Das mutmaßliche Mafia-Mitglied Vincenzo B. soll 2013 auch einen deutschen Unternehmer bedroht haben. Der Geschäftsmann wollte in Hessen eine Eisdiele in einem Ladenlokal eröffnen, auf das auch Vincenzo B. ein Auge für die Eisdiele seiner Tochter geworfen hatte: „Wenn er meine Tochter beschädigt, beschädige ich ihm seine Frau, seine Tochter. Ich zerstöre alles“, sagte Vincenzo B. in einem abgehörten Gespräch.

Über einen italienischen Angestellten des Unternehmers soll B. ihm dann eine Bedrohung zukommen lassen haben: „Sag ihm, er soll an Duisburg denken, so dass er einschätzen kann, wie er enden wird“, sagte B. am Telefon. In Duisburg waren 2007 sechs Italiener im Rahmen einer Mafia-Fehde vor einem Restaurant erschossen worden. CORRECTIV konnte den Anwalt von B. nicht erreichen.

Unter anderem an die Mitglieder des 2009 in Offenbach gegründeten Verein Armig – eine Vereinigung von kalabrischen Gastronomen in Deutschland – soll L. nach Ansicht der italienischen Staatsanwaltschaft „Produkte von Unternehmen zugestellt haben, die auf den Clan zurückzuführen waren“.  Ein Anwalt für Mario L. war zunächst nicht zu erreichen.

Auf der Internetseite von Armig ist Mario L. als einfaches Mitglied aufgeführt. Italienische Ermittler gehen jedoch davon aus, dass L. eine bedeutendere Position in der Vereinigung hatte. 

„Das, was passiert ist, hat mich völlig überrascht“, sagt Armig-Vorsitzender Cristofaro Amodeo. Der Verein, so Amodeo, könne nicht die „Moral der Menschen überprüfen, die dem Verein beitreten wollen“. Der Verein, der selber keine Produkte vertreibt, fühle sich vom „absurden Geschehen“ beschädigt. „Wie ich auch arbeiten viele Kollegen, ob Mitglieder von Armig oder nicht, den ganzen Tag und haben nichts mit Kriminalität und Vergehen zu tun.“

Der Standort Deutschland

Beim Bundeskriminalamt sind etwa 570 in Deutschland lebende Mafia-Mitglieder aktenkundig. 350 davon gehören der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta an, die stärkste Mafia-Gruppierung. Zählt man auch die Helfer der Mafia dazu, sind der Mafia in Deutschland eher 5.000 Personen in Deutschland zuzuordnen. Früher war Deutschland nur ein Rückzugsort für Mafiosi, die sich Festnahmen oder Fehden entziehen wollten. Heute ist Deutschland ein wichtiger Standort für die Geschäfte der Mafia.

Die Clans aus der ‘Ndrangheta-Hochburg San Luca sind vor allem in Nordrhein-Westfalen und über Dresden bis nach Osteuropa präsent. Der Farao-Clan beherrscht vor allem Hessen und Baden-Württemberg. Der Clan gründete sich in den 1970er-Jahren in der kalabrischen Stadt Cirò. Zunächst hatte er in der Hierarchie der ‘Ndrangheta kaum Bedeutung. Denn seine Bosse waren Außenseiter in der Welt der Mafia: es waren Dreißigjährige, die keine Mafia-Vergangenheit hinter sich hatten.

Bereits in den 1980er-Jahren schmuggelten Mitglieder, die in Hessen und Baden-Württemberg lebten, zunächst Heroin und später Kokain nach Deutschland und verkauften die Drogen im Raum Kassel und Stuttgart. Heute zählt der Farao-Clan zu den mächtigsten in Italien. Das zeigt: Deutschland ist inzwischen so wichtig für die italienische Mafia, dass Clans ohne ein starkes Deutschland-Geschäft ins Hintertreffen geraten können.

Und bis zu den Razzien in dieser Woche konnte der Farao-Clan seine Stellung weitgehend ungestört ausbauen. Am 4. März 2014 unterhält sich der Gastronom Mario L. mit einem seiner Cousins im Farao-Clan, einem Sohn von Clan-Chef Giuseppe Farao. Sie diskutieren über ein Lager, das sie in der Nähe von Kassel für Lebensmittel aus Kalabrien erworben haben. Und dann lässt Farao diesen Satz fallen: „In Deutschland können wir alles machen“.

Update am 12.01.2018: Wir haben den Text mit einer Stellungnahme des Vereins Armig aktualisiert.

Im Oktober wurde Salvatore Rinzivillo verhaftet. Der Clan hatte Deutschland fest im Visier.

Mafia

Das verpatzte Comeback

Im Oktober verhafteten Ermittler in Deutschland die rechte Hand eines hochrangigen Mafiabosses aus Sizilien. Aus Justizunterlagen geht jetzt hervor, wie die Gruppe Deutschland erobern wollte. Es sind die gleichen Elemente, mit denen sie den Süden Italiens kontrollieren: Zugang zu Banken, Baufirmen zur Geldwäsche und Kontakte zu Justiz und Polizei.

von Giulio Rubino , Floriana Bulfon

Der Strand von San Vito lo Capo an der Spitze einer entlegenen Landzunge ganz im Westen Siziliens ist einer der schönsten Strände Italiens. Doch der prominenteste Urlauber des nahegelegenen Ortes war dort kaum zu sehen. Salvatore Rinzivillo, einer der wichtigsten Clanführer der sizilianischen Mafia, blieb lieber in seiner für den Sommer gemieteten Villa.

Bis zu seiner Verhaftung im Oktober soll er laut Ermittlern die Interessen seines Clans in einem Gebiet von Norditalien bis nach Marokko gelenkt haben. Rinzivillo überragte die Landschaft wie der Fels, der den Strand von San Vito lo Capo bestimmt.

Die Brüder von Rinzivillo sitzen schon lange im Gefängnis. Auch deswegen bereitete er sein Geschäft auf einen Generationenwechsel vor: immer wieder besuchte ihn seine rechte Hand in der Villa. Noch nicht einmal 40 Jahre alt, ist er bei den Justizbehörden anders als die Rinzivillos noch nicht im Visier. Doch der Assistent ist kein Junge aus der Nähe: Ivano M. lebt im fernen Köln.

 

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Strand und Felsen von San Vito lo Capo: hier plante der Mafia-Clan seine Aktivitäten in Deutschland.

Von der Villa aus planten Rinzivillo und Ivano M., Deutschland zu erobern. Das geht aus Unterlagen der italienischen Justiz hervor, die CORRECTIV ausgewertet hat. Im Oktober wurden Salvatore Rinzivillo und Ivano M. verhaftet. M. ist inzwischen nach Italien ausgeliefert. Die beiden konnten ihre Pläne also nicht umsetzen. Anwälte von Rinzivillo und Ivano M. wollte sich gegenüber CORRECTIV nicht äußern.

Aus den Unterlagen geht nicht immer hervor, wie konkret die Pläne waren. An vielen Stellen fehlen Details. Doch das Muster ist klar: der Clan setzte auf die gleichen Elemente, mit denen die Mafia Teile Italiens beherrscht.

Ein Problem, vor dem die Mafia ständig steht: sie muss die Erlöse aus Verbrechen wie zum Beispiel Drogenhandel in den legalen Geldkreislauf bekommen. Dazu unterhält sie ihre eigenen Firmen, zum Beispiel Restaurants oder Handelsfirmen. Oder die Bauwirtschaft.

Stuttgart 21 im Visier?

Und laut Justizunterlagen hatten Rinzivillo und seine Mitarbeiter ihr Auge auf das derzeit größte deutsche Bauprojekt geworfen: Stuttgart 21. Nach dem aktuell laufenden Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs soll dort, wo Gleise unter die Erde verlegt werden, ein neuer Stadtteil entstehen.

Und hier wollten die mutmaßlichen Mafiamitglieder sieben Häuser bauen. Dazu soll M. mit einem Bauunternehmer aus dem norditalienischen Brescia in Kontakt gestanden haben, der die Arbeiten ausführen sollte. Dessen Unternehmen stehen in Italien bereits auf einer schwarzen Liste von Firmen, die sich wegen Verbindungen zur Mafia nicht mehr an öffentlichen Aufträgen beteiligen dürfen.

Warum die Mafiosi schon so konkret von sieben Häusern sprachen, die sie in Stuttgart bauen wollten, ist unklar. Das Bauprojekt Stuttgart 21 befindet sich noch in einer frühen Phase: es gibt noch nicht einmal Architektenpläne für die zukünftigen Wohnimmobilien.

Fisch aus Marokko

Auch über den Handel nahmen sie die deutsche Wirtschaft ins Visier. Aus den Unterlagen geht hervor, dass sie eine Probe Fisch im Wert von 50.000 Euro nach Deutschland schickten, mit der sie in das Zulieferersystem eines großen Discount-Supermarktes in Deutschland aufgenommen werden wollten.

Ein Partner-Clan der Rinzivillos besitzt laut den Unterlagen eigene Firmen in Marokko, die dort Fisch produzieren. Der Rinzivillo-Clan verteilt ihn dann in Sizilien. Jetzt wollte er mit diesem Teil der Geschäfte offenbar ins Ausland expandieren. Das hätte den Rinzivillos gegenüber anderen Clans deutlich mehr Geltung verschafft.

Doch vor allem bemühte sich M. aus Köln, die rechte Hand des sizilianischen Paten, laut den Unterlagen um Zugang zu Banken. Auch hier ist nicht ganz klar, was genau die Gruppe plante. Es dürfte um Geldwäsche gegangen sein.

Geldwäsche

Dazu soll M. zum Schein Firmen und Projekte aufgebaut haben, mit denen er bei Banken für einen sogenannten „Letter of Credit“, eine Bankgarantie vorstellig werden konnte. Was genau M. mit einer solchen Garantie plante, ist unklar. In einem von den Ermittlern abgehörten Telefonat sagte M., eine solche Garantie könne man „auf hunderte verschiedene Weisen nutzen“.

Tatsächlich gibt es bei Bankgarantien viele Missbrauchsmöglichkeiten. Sie können weiterverkauft werden oder dazu genutzt werden, bei einer weiteren Bank einen Kredit aufzunehmen.

„Wenn eine Bank die Herkunft meiner Gelder nicht hinterfragt, kann ich so dreckiges Geld als Sicherheit für die Garantie hinterlegen, damit eine weitere Bank mir dann einen Kredit gibt“, sagt der italienische Geldwäsche-Experte Gian Gaetano Bellavia. „In diesem Moment habe ich dann sauberes Geld, mit dem ich machen kann, was ich will.“

Anschließend lassen die Täter die zum Schein aufgebauten Firmen platzen. Die Bank behält das als Sicherheit hinterlegte, dreckige Geld und die Täter haben mit dem Kredit einer zweiten Bank sauberes Geld. Ein derartiges Schema könnte M. laut Ermittlungsunterlagen mit mehreren deutschen und schweizerischen Geschäftspartnern aufgesetzt haben. Dann kamen die Verhaftungen dazwischen.

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Kontakte zu Freimauerlogen?

Die dazugehörigen Verträge soll ein deutscher Anwalt aufgesetzt haben. Doch dessen Rolle ging laut den Ermittlungsunterlagen weit über das Formulieren von Verträgen hinaus.

Der Anwalt sollte offenbar Kontakte zu deutschen Freimaurerlogen herstellen. Die italienische Mafia setzt immer wieder Kontakte zu Freimaurerlogen ein. Sie helfen ihr, mehr als eine kriminelle Vereinigung zu sein und politischen und wirtschaftlichen Einfluss auszuüben. Besonders die kalabrische Mafia ‘Ndrangheta setzt gezielt auf Beziehungen zu Freimaurerlogen.

Die Bemühungen des Rinzivillo-Clans, in Deutschland Kontakt zu Freimaurern aufzunehmen, könnten einer der ersten Versuche dieser Art im Ausland sein.

„Onkel Toto“, sagte M. am Telefon zu Rinzivillo „weißt Du, was ich machen musste, um da reinzukommen? Um diesen Anwalt als Freund zu haben? Ich habe mir den Hintern abgearbeitet und nicht einmal zehn Minuten eigenes Leben gehabt.“

Die mutmaßlichen Mafiosi-Mitglieder planten, 50 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, um Zugang zu der Freimaurerloge zu bekommen. Diese sei in der Lage, große Investitionen in Europa und im Nahen Osten zu tätigen. 50 Millionen Euro – das hört sich nach einer abenteuerlichen Zahl an. Die Cosa Nostra hat allerdings in der Vergangenheit Deals in dieser Größenordnung umgesetzt.

Alles auf eine Karte

Und vielleicht ist die sizilianische Mafia immer stärker bereit, alles auf eine Karte zu setzen, um endlich ein Comeback hinzulegen. Denn besonders die kalabrische Mafia, die ‘Ndrangheta, hat der Cosa Nostra in jüngster Zeit das Wasser abgegraben.

Der Abstieg der sizilianischen Mafia begann, als sie den Staat mit Attentaten auf Staatsanwälte und Politiker zu stark herausforderte. Der Staat sah sich zu einer ernsthaften Reaktion gezwungen und antwortete mit intensiven Ermittlungen. Zudem reduzierte Rom die Ausgaben der öffentlichen Hand in Sizilien, von denen sich die Mafia ernährte.

Den härtesten Schlag verpasste der Cosa Nostra jedoch eine andere Mafia-Gruppe: der kalabrischen ‘Ndrangheta gelang es, weite Teile des lukrativen Kokainschmuggels aus Südamerika nach Europa unter ihre Kontrolle zu bringen.

Laut italienischen Ermittlern versuchte der Rinzivillo-Clan, den eigenen Kokainhandel zwischen Italien und Deutschland wiederzubeleben. Dabei soll der Clan auch Kontakt zu Antonio S. aufgenommen haben, vor dessen Restaurant in Duisburg 2007 sechs Menschen erschossen wurden. S. wurde am Jahresende in der Nähe von Duisburg verhaftet.

Gescheiterte Stabübergabe

Bereits am 4. Oktober verhafteten Ermittler 37 Personen in Italien sowie zwei in Köln lebende Italiener, einer von ihnen Ivano M.. Er ist inzwischen nach Italien ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft Köln teilte mit, bei den Vorwürfen handele es sich um Drogenhandel, Geldwäsche und Geldfälschung.

Laut Unterlagen der italienischen Justiz, die CORRECTIV ausgewertet hat, sollte der deutsche Anwalt für die Mafia-Gruppe auch versuchen, Helfer in einer Behörde in Köln sowie bei der Kriminalpolizei in Düsseldorf anzuwerben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln wollte sich auf Anfrage nicht äußern, ob diese Kontaktanbahnungen in den Ermittlungen eine Rolle spielen.

Die italienische Mafia bemüht sich ständig darum, Polizei- und Justizbeamte für ihre Reihen zu gewinnen. Vor allem um herauszufinden, welche Mafia-Mitglieder gerade im Visier der Justiz sind.

Ein Beispiel: Rinzivillo soll in Italien Marco Lazzari angeworben haben, den „Helden von Nassiriya“. Als ein Stützpunkt italienischer Carabinieri in der irakischen Stadt im Jahr 2003 von einem Selbstmordattentäter angegriffen wurde, überlebte Lazzari knapp und suchte in den Trümmern nach weiteren Überlebenden. Im Oktober zählte er zu den in Italien Verhafteten. Er soll aus Polizeidatenbanken Informationen über Erpressungsopfer besorgt haben. Am Telefon vertraute er einem Freund seine Hoffnung an, dass der ins Alter gekommene Rinzivillo mit ihm und Ivano M. eine neue Generation aufbauen wolle.

Das hat fürs erste nicht geklappt.

Mitarbeit: Margherita Bettoni

Auch in Baden-Württemberg waren Polizisten gegen die Mafia im Einsatz.© correctiv.org

Mafia

Mutmaßliche Mitglieder der ‘Ndrangheta aus Deutschland verhaftet

Deutsche und italienische Ermittler gehen in einer gemeinsamen Aktion gegen die kalabrische Mafia vor: sie vollstreckten heute Nacht etwa 170 Haftbefehle, darunter etwa ein Dutzend mit Bezug zu Deutschland. Zu den Verdächtigen zählt auch ein Stuttgarter Wirt, der einst Günther Oettinger in Bedrängnis brachte.

von Giulio Rubino , Margherita Bettoni , Cecilia Anesi

Heute Nacht sind Ermittler in Italien und Deutschland gegen etwa 170 mutmaßliche Mafia-Mitglieder vorgegangen. Dies teilten italienische Behörden am Dienstag mit. Ziel der Aktion war vor allem der ‘Ndrangheta-Clan Farao, der auch in Deutschland präsent ist. Unter den Verhafteten befindet sich auch Mario L. Der Wirt aus Baden-Württemberg brachte einst den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger in Bedrängnis. Mario L. wird jetzt vorgeworfen, ein Mitglied der italienischen Mafia zu sein.

In Deutschland verhafteten Ermittler elf mutmaßliche Mafiosi in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen.

Die Verhaftungen seien „der größte Schlag gegen die Mafia in Deutschland in den letzten 20 Jahren,“ sagte Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung schwere und organisierte Kriminalität beim Bundeskriminalamt dem Fernsehsender RTL.

Die ‘Ndrangheta erzielt mit ihren geschätzt mehr als 50.000 Mitgliedern und Unterstützern den größten Umsatz aller Gruppierungen der organisierten Kriminalität. Laut Schätzungen setzt sie jährlich etwa 50 Milliarden Euro um. Ihre Erlöse aus kriminellen Geschäften wie Kokainhandel oder dem Schleusergeschäft mit Flüchtlingen wäscht die Mafia mit Hilfe von Firmen in der realen Wirtschaft.

„Kalabresische Abende“

„In Deutschland kontrollierte der Farao-Clan den Handel von Produkte aus der kalabrischen Stadt Cirò, etwa Wein, Zitrusfrüchte, Öl und Zutaten für die Pizza“, sagte Staatsanwalt Vincenzo Luberto zu CORRECTIV. Der Clan habe ungefragt mehrere Kisten Wein an ein Restaurant geliefert. Clan-Mitglieder hätten dann den Wirt besucht und ihn gezwungen, den Wein zu behalten. „Die Gastronomen hatten keine Wahl“, sagt Luberto. Nicht nur italienische Gastronomen sondern auch afrikanische seien davon betroffen.

Die Erpressungen habe unter anderem Mario L. mithilfe einer Vereinigung von Gastronomen aus dem kalabrischen Dorf Mandatoriccio durchgeführt. „Der Verein Armig e.V führte durch Mario L. und (einen weiteren Verdächtigen) die Erpressungen durch“, sagte Luberto.

Armig (Associazione Ristoratori Mandatoriccesi e Italiani in Germania) mit Sitz in Offenbach wurde 2009 gegründet. Die Vereinigung besteht aus Gastronomen in verschiedenen Bundesländern, unter anderem Baden-Württemberg und Hessen. Offizielles Ziel des Vereins ist es „die italienische Küche in Deutschland aufzuwerten, zu fördern und zu stärken“. Armig reagierte am Dienstag nicht auf eine schriftliche Anfrage.

Die italienische Mafia sammelt in Deutschland Gelder oft über den Handel mit Lebensmitteln ein, etwa Wein oder Öl. Sie liefert italienischen Gastronomen Produkte, die sie nie bestellt haben und zwingt sie zur Annahme. Dies ist eine subtilere Art der Erpressung als die klassische Bedrohung, die für Ermittler schwieriger aufzuklären ist. 

Pressekonferenz Catanzaro.JPG

Italienische Staatsanwälte auf einer Pressekonferenz in Catanzaro.

Cecilia Anesi

Zwei Ermittler bezeichneten gegenüber CORRECTIV Mario L. als „die Nummer eins der ‘Ndrangheta in Süddeutschland“. Aus Justizunterlagen, die CORRECTIV einsehen konnte, lässt sich die Vergangenheit von L. ein Stück weit rekonstruieren. In seinem Umfeld sollen sich immer wieder Menschen mit Bezügen zur kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta bewegt haben. Sogar Bosse habe man bei ihm gesichtet. Bislang schaffte es Mario L., aus Ermittlungen unbescholten herauszukommen. Heute Nacht durchsuchten Ermittler seine Wohnung sowie die Pizzeria, die er in der Nähe von Stuttgart gepachtet hat.

Mario L. fiel deutschen Kriminalbeamten bereits in den 1990ern-Jahren auf. Damals ermittelten italienische Behörden wegen internationalem Drogenhandel gegen den Farao-Clan, der zur ‘Ndrangheta angehört.

Ermittler verdächtigten Mario L. damals, für hochrangige Mitglieder des Farao-Clans aktiv gewesen zu sein. Die Ermittlungen wurden mangels Tatverdacht später eingestellt. Im Zuge dieser Ermittlungen geriet damals auch der baden-württembergische CDU-Politiker Günther Oettinger ins Visier der Fahnder.

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Oettinger wurde später Ministerpräsident des Bundeslandes, wechselte dann nach Brüssel, wo er seitdem EU-Kommissar ist. Oettinger besuchte oft das Stuttgarter Restaurant von Mario L., der ihn „seinen Minister“ nannte. Für die CDU-Landtagsfraktion organisierte Mario L. in seinem Restaurant „kalabresische Abende“.

In aus dem Restaurant von L. geführten Telefonaten war immer wieder Oettingers Stimme zu hören, aber die Unterhaltungen gaben keinen Anlass für Ermittlungen gegen den Politiker. Teile der Aufzeichnungen wurden vernichtet. Der damalige Justizminister Baden-Württembergs Thomas Schäuble hatte Parteikollege-Oettinger damals unter vier Augen informiert, dass sein Name bei Abhörmaßnahmen in Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Mafia aufgetaucht sei.

Ein späterer Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag kam zu dem Ergebnis, dass Schäubles Verhalten rechtens gewesen sei. Er habe so verhindert, dass Parteifreund Oettinger von der Mafia instrumentalisiert wurde. Günther Oettinger betont seitdem regelmäßig, keinen Kontakt mehr zu Mario L. zu haben.

Feier in Stuttgart

Auch italienische Ermittler gingen im Rahmen von Ermittlungen gegen den Farao-Clan gegen Mario L. vor:  In den 90er-Jahren forderte ein Richter sechs Jahre Haft für Mario L. wegen Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung. Doch das Berufungsgericht Cosenza sprach ihn 1999 frei. Der dortige Richter hielt es zwar für erwiesen, dass Mario L. illegale Beziehungen zu der Führungsspitze des Clans unterhielt. Allerdings fehlte der Beweis, dass „der Angeklagte mit Hilfe eines Rituals in die kriminelle Vereinigung aufgenommen wurde“.

Im Jahr 2010 taucht Mario L. dann wieder in italienischen Ermittlungsakten auf. Die Staatsanwaltschaft Rom ermittelte gegen den Politiker Nicola Di Girolamo, der unter Verdacht stand, mit Hilfe eines Wahlbetrugs in den Senat gelangt zu sein. Ein Clan der kalabrischen Mafia hatte in mehreren deutschen Städten Blanko-Wahlzettel der dort lebenden Italiener eingesammelt und zu Girolamos Vorteil ausgefüllt.

Einer der involvierten Männer ließ in abgehörten Telefonaten keinen Zweifel, wo der Wahlerfolg gefeiert werden sollte: in Stuttgart. Denn dort besitze ein Mann, der ihnen von einer Vertrauensperson geschickt wurde, viele Restaurants. Italienische Ermittler gingen davon aus, dass es sich dabei um Mario L. handelte.

‘Ndrangheta: 300 Mitglieder in Deutschland

Der Wirt aus Stuttgart taucht auch in den Akten eines jüngsten italienischen Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 2015 gegen den ‘Ndrangheta-Clan Grande Aracri auf. Ermittler hatten im Rahmen des Verfahrens das Auto eines Unternehmers verwanzt, der eng mit dem Clan-Boss vertraut war.

In einem Gespräch berichtete der Unternehmer über Mario L. und bezeichnet ihn als „Freund, der in Deutschland immer schöne Lokale hatte“ und der „vier Jahre für seine Freunde im Knast saß“. Die kalabrischen Bosse Farao seien „seine Onkel“. L. habe ihn den Volkswagen Passat geliehen, in dem die Männer fuhren. Tatsächlich konnten Ermittler überprüfen, dass der Wagen auf Mario L. zugelassen war.

In Deutschland sind Ermittlern etwa 300 ‘Ndrangheta-Mitglieder bekannt. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings viel höher sein. Insbesondere in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen ist die kalabrische Mafia stark. Die Mafia profitiert in Deutschland auch davon, dass die Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung keine Straftat ist und die Hürden für eine Abschöpfung illegal erlangter Vermögen bis vor kurzem sehr hoch waren.

Die Mafia nutzt in Deutschland Häfen wie Bremerhaven und Hamburg zum Schmuggel von Kokain und wäscht über ihre Firmen in Gastronomie, Immobilien und Handel ihre Erlöse.

Arbeiter im Hafen der westafrikanischen Stadt Abidjan. Ermittler vermuten, dass die 'Ndrangheta den Ort als Umschlagplatz für den Kokainhandel benutzt.© Abidjan013 von RomainSeafunter Lizenz CC BY-SA 2.0

Mafia

Das Mädchen in Abidjan

Westafrika ist ein bedeutender Umschlagplatz für Kokainlieferungen von Südamerika nach Europa. Insbesondere die Elfenbeinküste könnte ein neuer Knotenpunkt im Schmuggelnetzwerk der ‘Ndrangheta-Mafia werden. Dort lebt die Tochter eines Mafia-Bosses, die Italien wegen einer unglücklichen Liebesbeziehung verlassen musste. Doch Familienbande gehen tief – wer einmal dabei ist, der kann sich den Wünschen des Clans schwerlich entziehen, wie diese Recherche zeigt.

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von Cecilia Anesi , Giulio Rubino

Es ist Anfang Oktober 2015, mehr als 27.000 Container kommen pro Tag durch den belgischen Hafen in Antwerpen. Scharenweise Kräne stehen dort, der Hafen ist der zweitgrößte in Europa. Die Kräne bewegen sich 40 Mal pro Stunde, ständig nehmen sie einen von tausenden Container auf, die sich kaum voneinander unterscheiden. Polizei und Zoll können nur einen Bruchteil der Fracht inspizieren. Das ist der Grund dafür, dass an einem Tag im Oktober 2015 eine bestimmte Ladung unentdeckt den Hafen passieren kann.

Einige Wochen später, immer noch im Oktober, nahe der süditalienischen Küstenstadt Siderno. Ein Mann läuft durch ein Feld in den Hügeln über der Stadt. Er schiebt eine Schubkarre mit zerbrochenen Ziegeln vor sich her. Er ist auf dem Weg zu einem kleinen Lager, wo normalerweise alte Autoreifen liegen. Dorthin bringt er eine weiße Plastiktüte, die er wenig später dem Fahrer eines Jeeps gibt. Was die beiden nicht wissen: die Polizei beobachtet die Übergabe. Kurz danach halten Polizisten den Jeep an, durchsuchen ihn und finden weißes Pulver, als Brocken zusammengepresst: ungefähr ein Kilogramm pures Kokain.

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Kokain-Übergabe, nahe der Stadt Siderno.

Polizia di Stato

Die Bedeutung der Drogen

Dank diesem Fund kann die Polizei später rekonstruieren, auf welchem Weg die Drogen in die süditalienische Region Kalabrien kamen, dorthin, wo die mächtige ‘Ndrangheta -Mafia zu Hause ist. Das Kokain aus dem Jeep war Teil einer größeren Lieferung aus Südamerika, die das europäische Festland kurz zuvor über den Hafen in Antwerpen erreichte, ein paar Wochen bevor die Polizei den Jeep durchsuchte. Der Container kam aus Abidjan, einer Hafenstadt an der Elfenbeinküste.

Für die ‘Ndrangheta ist der Kokainschmuggel die Haupteinnahmequelle. Die Gruppe beherrscht Kalabrien, an der Stiefelspitze Italiens. Andere Mafia-Gruppen sind die Cosa Nostra in Sizilien und die Camorra in der Region um Neapel.

Schätzungen zufolge kontrolliert die ‘Ndrangheta 40 Prozent des globalen Kokain-Schmuggels und ist Europas Hauptimporteur. Die Gruppe soll so mehr als 25 Milliarden Euro einnehmen. Dieses Geld waschen sie über eigene Unternehmen im Baugewerbe, im Handel und Tourismus. Insbesondere Deutschland und die Schweiz sollen dabei Umschlagplätze sein, weil Anti-Geldwäsche und Anti-Mafia-Gesetze in den beiden Länder so schwach sind.

Die Clans in Siderno

Viele Mitglieder der ‘Ndrangheta kommen aus der kalabrischen Stadt Siderno. Es sind so viele, dass eine wichtige Untergruppe der ‘Ndrangheta nach ihr benannt ist: die Siderno-Gruppe. Dank dem Narco-Geld gibt es in der Stadt mehr Reichtum als in Beverly Hills. Einige der reichsten Männer Italiens treffen sich hier in Waschsalons und heruntergekommenen Garagen. Ihre Entscheidungen beeinflussen die Kokain-Preise weltweit, und haben Auswirkungen auf Kokain-Bauern im weit entfernten Lateinamerika.

Das Syndikat von Siderno besteht aus vier Familien: Commisso, Aquino-Coluccio, Crupi und Figliomeni. Welche der Familien aufsteigt, und welche vom Glück verlassen wird, hängt stark davon ab, wie viele ihrer Mitglieder im Gefängnis sitzen. Oft betreiben die Frauen der Familie die kriminellen Geschäfte weiter, wenn die Männer hinter Gittern sind.

Frauen, die in die ‘Ndrangheta hinein geboren werden, haben wenige Freiheiten und müssen sich den Entscheidungen der männlichen Angehörigen beugen. Regeln der Dynastie bestimmen, wer wen heiratet, und eine Frau, die sich ihren Lebensgefährten aussuchen will, muss entweder fliehen oder für einen Skandal sorgen.

Die Liebe der Juliana

Die Skandal-Variante hat Juliana im Jahr 2009 gewählt. Juliana heißt eigentlich anders. Damals ist sie Mitte 30, studiert an einer Universität in Mailand, spricht fließend Englisch und Französisch.

Sie ist die Tochter eines ehemaligen Spitzenbeamten der Regierung Sidernos, und stammt aus einer der mächtigsten ‘Ndrangheta-Familien der Stadt. Im Jahr 2009 verliebt sie sich in einen Mann, der aus ‘Ndrangheta-Sicht der Falsche ist: er ist ein Verwandter vom Chef des Siderno-Syndikats. Dieser Chef wird U´Mastru genannt – „der Meister“. Der wütende U´Mastru beschuldigte Julianas Vater, seine Tochter nicht genug unter Kontrolle und das Verhältnis nicht verhindert zu haben.

Italienische Ermittler glauben, dass dieser Streit die Beziehung zwischen den Familien zunächst schwer beschädigte. Doch am Ende hätten die gemeinsamen Geschäftsinteressen die Emotionen übertrumpft.

Noch etwas half dabei, die Situation zu entspannen. Julianas Vater wurde im Dezember 2010 verhaftet. Ihm werden Korruption und Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung vorgeworfen. Laut Staatsanwalt Nicola Gratteri war Julianas Vater gerade dabei, sich nach Australien abzusetzen, als die Polizei ihn festnahm. Dort wohnte Juliana zu der Zeit. Sie kehrte daraufhin für kurze Zeit nach Italien zurück, jedoch nur, um ihre Sachen endgültig zu packen. Im April 2011 zieht Juliana nach Abidjan, wo sie bis heute lebt. Ein Gericht verurteilte Julianas Vater zu zwölf Jahren Haft, allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Familie für immer

Am Freitag, den 12. Februar 2014, ist Claudio Spataro seit ein paar Tagen in Abidjan. Nun ruft er einen seiner Geschäftspartner in Italien an.

„Wie geht es dem Mädchen? Führt sie dich herum?“, fragt der Mann in Italien. Das geht aus den Mitschriften von abgehörten Telefongesprächen hervor, die CORRECTIV eingesehen hat.

„Ja, ja, sie arbeitet hart“, gibt Spataro zur Antwort. „Wenn sie nicht wäre, wären wir verloren. Hier verstehe ich die Sprache nicht. Ich weiß gar nichts.“ Anscheinend ist er froh, dass ihm jemand hilft, sich in dem fremden Land zurecht zu finden.

Staatsanwälte meinen, dass Spataro, Mitte 50, eine Art Leutnant von U´Mastro aus Siderno ist. Er sei zuständig für die Logistik des Kokain-Schmuggels nach Europa, und für die Lieferung an Käufer in Siderno. Um die Logistik aufzubauen, soll U´Mastro ihn ins Ausland geschickt haben. Offiziell hat Spataro in Siderno eine Tankstelle betrieben und mit alten Autoreifen gehandelt. Er war es, der jenes Kilo Kokain im Oktober 2015  in der Lagerhalle in den Hügeln platzierte. Jenes Kokain, das in einem Container aus Abidjan über Antwerpen gekommen war. Das Mädchen, das ihm in Abidjan half, war Juliana.

Vielleicht hatte sie nichts dagegen, vielleicht hasste sie es. Aber ihre Familie hatte sie um Hilfe gebeten und es war ihr nicht möglich gewesen, sich von den Geschäften ihrer Familie loszusagen. Sie war nicht die einzige. Gerichtsakten zeigen, dass Spataro die Telefonnummer seines Bruders nutzte, um sich ein Flugticket zu buchen.

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Das Syndikat in Afrika

In den vergangenen zehn Jahren ist Westafrika, wo Abidjan liegt, ein wichtiger Umschlagplatz für die ‘Ndrangheta geworden. Denn direkte Schiffsverbindungen aus Südamerika erregen an europäischen Häfen mehr Aufsehen als solche aus Westafrika. Außerdem gibt es dort kaum Zollkontrollen, und selbst wenn: Bestechung ist verbreitet.

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Kokainschmuggler nutzen den westafrikanischen Hafen in Abidjan, um Drogen von Südamerika nach Europa zu bringen.

Die Anwesenheit der italienischen Mafia hat verheerende Folgen für die Region. Der Drogenmissbrauch hat zugenommen an Orten, an denen es vorher kaum einen Markt für Kokain gab. Außerdem untergräbt Bestechung die Rechtsordnung in Ländern, in denen die Zahlungen der Mafia weitaus höher sind als die Gehälter, die der Staat zahlt.

Die ersten großen Kokain-Knotenpunkte in der Region waren Guinea-Bissau und Ghana. Außerdem soll die italienische Mafia inzwischen im Senegal präsent sein, und auch am Handel mit marokkanischem Haschisch beteiligt sein. Und nun scheint der Kokainhandel über die Elfenbeinküste zuzunehmen.

Abgehörte Telefonate

Aus Abidjan berichtet Spataro seinen Kollegen per Telefon, dass Juliana sich drei Tage frei genommen habe, um ihm zu helfen. Nach Ansicht der Ermittler schildert Spataro im weiteren Verlauf des Gesprächs auf kryptische Weise, wie der Schmuggel ablaufen soll. So müssten die Kosten für den Container herausgefunden werden. Es gehe um den Handel mit gebrauchten Autoreifen. Aber die Ermittler meinen, dass dies ein Code für den Kokainschmuggel ist. Die Mitglieder der ‘Ndrangheta wissen, dass die italienische Polizei ihre Telefone abhört.

„Die Telefonmitschnitte scheinen zu belegen, dass Spataro an der Elfenbeinküste war, um Drogenhandel zu organisieren“, heißt es in den Polizeiakten. Sie sind Teil der Ermittlungen über den Commisso-Clan des Syndikats von Siderno. Die Aufzeichnungen enthalten auch einen anderen Telefonmitschnitt, diesmal ist es ein Gespräch zwischen Spataro und Juliana. Zurück in Italien telefoniert Spataro lange mit ihr. Es geht um die Installierung einer mysteriösen Sand-Säuberungs-Maschine, die jedenfalls nichts mit dem Autoreifen-Geschäft zu tun hat.

Auf Anfrage sagt Juliana zunächst, sie fühle sich „geehrt“ und wünsche sich, „zum Kampf gegen die ‘Ndrangheta in ihrem Heimatland beizutragen“. Doch dann antwortet sie nicht mehr. Auch nicht auf eine Liste mit Fragen, die wir ihr vor der Veröffentlichung dieses Artikels zugeschickt haben.

Spataro wurde im vergangenen Jahr festgenommen. Wegen Lagerung und Verkauf von Kokain in Siderno im Auftrag von U´Mastru. Spataros Anwalt reagierte nicht auf unsere Anfrage.

In ihren Ermittlungen entdeckte die Polizei, dass Spataro nicht nur an die Elfenbeinküste gereist sei, sondern auch mehrmals nach Brasilien, einem bedeutenden ‘Ndrangheta-Stützpunkt.

U´Mastro im Zentrum

„Nachdem wir mehr als zwei Jahre mitgehört hatten, konnten wir belegen, dass U´Mastru Anführer eines extrem einflussreichen Drogen-Rings in Südkalabrien war“, sagt Staatsanwalt Antonio De Bernado. „Er ist eine Art Feudalherrscher durch dessen Hände der gesamte illegale Handel fließen musste, inklusive, natürlich, der Drogen.“

Die italienische Polizei meint, dass U´Mastro Claudio Spataro den Auftrag gegeben hatte, für den Commisso-Clan eine Schmuggelroute aufzubauen, die Abidjan mit Siderno verbindet. Der Hafen von Antwerpen und das umliegende Flandern waren dabei eine wichtige Station.

Und die Gerichtsakten zeigen, dass das Siderno-Syndikat dort Helfer hatte, die noch auf freiem Fuß sind. Ein enger Vertrauter U´Mastrus erhielt häufig Anrufe eines Geschäftspartners, der sich zuletzt in der Stadt As in Flandern aufhielt. Die beiden besprachen verschiedene Import-Export-Geschäfte, wohinter die Ermittler den Handel mit Drogen vermuten. In einem der letzten Telefonmitschnitte erwähnt der Geschäftspartner einen gewissen niederländischen Mann. Er sei ein „großer Fisch“ und besitze eine Firma, die „als Brücke“ genutzt werden könne – für einen „Standard-Posten“ der „250 Einheiten“ wiegt.

Der Fall des unbekannten, niederländischen Mannes zeigt, dass die ‘Ndrangheta ein Netzwerk von Helfern hat, das weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Das sind auch Menschen wie Juliana, die unter der Kontrolle der ‘Ndrangheta sind, und die der kriminellen Organisation erlauben, Drogen durch die ganze Welt zu bewegen.

Deutsche Version: Tania Röttger

Am 4. Oktober nehmen Ermittler in Deutschland und Italien mutmaßliche Mafiamitglieder fest. Hier eine Razzia in Sizilien.© Polizia di Stato

Mafia

Der Kölner Vertraute des Mafia-Paten

In Köln hat die Polizei vergangene Woche zwei mutmaßliche Drogenhändler verhaftet. CORRECTIV hat zu dem Fall Ermittlungsunterlagen aus Italien ausgewertet. Sie zeigen, dass die Spitze der sizilianischen Mafia eine unmittelbare Präsenz in Deutschland hat.

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von Giulio Rubino , Margherita Bettoni , Floriana Bulfon

„Du weißt, dass wir den Käse 2,4 bezahlen, oder?“, fragt Ivano M. am Telefon.

Der 36-Jährige Italiener ahnt im Juni 2015 vermutlich nicht, dass er von Ermittlern abgehört wird, während er mit seinem 57-Jährigen Landsmann Paolo R. spricht. Die zwei Männer unterhalten sich über Parmesankäse, den sie in Italien für „2,4“ kaufen und für „3,3“ pro Kilo weiterverkaufen möchten. Dabei geht es in Wahrheit nicht um Käse, sondern um Kokain, das die zwei Italiener vermutlich für 24.000 Euro kaufen und für 33.000 Euro weiterverkaufen wollen.

Seit Anfang 2016 arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaften in Karlsruhe und Köln eng mit den italienischen Behörden zusammen. Anfang Oktober führten die deutschen Ermittler mehrere Verhaftungen und Razzien in Köln, Leverkusen und München durch. CORRECTIV liegen die Akten der italienischen Ermittler vor, sie zeigen das Ausmaß der mafiösen Netzwerke in Deutschland. Demnach steht Ivano M., der in Nordrhein-Westfalen lebt, einem wichtigen sizilianischen Mafiaboss sehr nahe. Die deutschen Gesetzgeber haben inzwischen reagiert: Seit Juli diesen Jahres sollen schärfere Gesetze die Strafverfolgung von Mitgliedern der Mafia in Deutschland ermöglichen.

Ivano M. und Paolo R. wurden am 4. Oktober im Rahmen einer Anti-Mafia Aktion in Köln festgenommen. Ermittler werfen ihnen Kokainhandel vor. Ivano M. beschuldigen sie zudem der Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung. Im Rahmen derselben Aktion nahmen italienische Ermittler weitere 35 Menschen in Italien fest, darunter auch ein Anwalt und zwei Polizisten. Im Zentrum der Ermittlungen stand der Clan Rinzivillo, aus dem Süden Siziliens.

Kontakte nach Deutschland

Der Clan gehört zur sizilianischen Mafia Cosa Nostra und verdient sein Geld mit Drogenhandel und krummen Deals mit Lebensmitteln. Der Clanchef Salvatore Rinzivillo lebt zur Zeit in Rom, doch er soll auch Geschäfte im Ausland betreiben: In den USA, in afrikanischen Ländern und in Deutschland. Rinzivillo saß bis 2013 in Haft, und soll nach seiner Freilassung auch Kontakt mit in Deutschland lebenden Sizilianern aufgenommen haben. Darunter Ivano M. und Paolo R.

In den Akten der italienischen Ermittler, die CORRECTIV vorliegen, wird Ivano M. als ein „extrem Vertrauter“ des Clanchefs Salvatore Rinzivillo dargestellt. Ivano M., der als Kind mit den Eltern aus Sizilien nach Deutschland auswanderte und in Nordrhein-Westfalen lebte, soll eine „Spitzenfigur für die Aktivitäten des Clans in Deutschland“ gewesen sein. Dabei sei es nicht nur um Drogenhandel gegangen, sondern auch um „legale Aktivitäten, zum Beispiel in der Immobilienbranche“.

M. sei gut ins „ökonomische und politische Leben in Deutschland integriert“. Er habe an wichtigen Treffen mit Rinzivillo und anderen Mafiosi auf Sizilien teilgenommen, und sogar mit Rinzivillo Urlaub gemacht. Schließlich soll er dem Rinzivillo-Boss so nah gekommen sein, dass dieser ihn zum Firmpaten seines Sohnes machte. In der Welt der Mafia ist das ein wichtiges Zeichen des Vertrauens. Ivano M. und Paolo R. sitzen derzeit in Auslieferungshaft. CORRECTIV konnte ihre Anwälte für eine Stellungnahme nicht erreichen.

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Fehlende Beweise

Ein weiterer Mann mit Kontakten zu dieser Gruppe ist weiter auf freiem Fuß. Dieser Mann, nennen wir ihn Giovanni Zanetti, saß in den 1990er Jahren wegen Mitgliedschaft in der italienischen Mafia-Organisation Stidda im Gefängnis. CORRECTIV hat 2016 über dessen Immobiliengeschäfte berichtet. Die jetzt verhafteten Ivano M. und Paolo R. sollen laut den italienischen Justizunterlagen Zanetti Drogen beschafft haben.

Zanetti hatte telefonischen Kontakt zum Rinzivillo-Clanchef, sein Sohn soll diesen im Frühjahr 2015 in Italien getroffen haben. Aus abgehörten Telefonaten von Mai 2015 geht hervor, dass Giovanni Zanetti „durch die Mediation von Paolo R. und Ivano M. drei Kilo Kokain gekauft haben“ soll.

Die italienischen Ermittler konnten allerdings nicht beweisen, dass Zanetti die drei Kilos Kokain in Italien kaufte. Deswegen beantragten sie gegen Zanetti keinen EU-Haftbefehl. Auf die Frage, ob deutsche Behörden gegen den Mann ermitteln, wollte das Polizeipräsidium Karlsruhe keine Auskunft geben. CORRECTIV konnte Zanetti für eine Stellungnahme nicht erreichen.

Neue Gesetzgebung in Deutschland

Über 550 Mafiosi von allen fünf italienischen Mafia-Gruppierungen sind den deutschen Ermittlern bekannt. Dies sind allerdings nur die aktenkundigen Mafiosi. Um sie herum bewegen sich Komplizen und Kleinkriminelle. Und Personen wie Ivano M., die den Fahndern in Deutschland und Italien vor ihren Ermittlungen unbekannt waren. Sie haben in Deutschland zunehmend mit einer Mafia zu tun, die in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten ist. Und deren Präsenz der deutschen Öffentlichkeit kaum bewusst ist.

Der Fall Zanetti mag in eine Lücke in der Kooperation deutscher und italienischer Ermittler geraten sein. Doch bei der Anti-Mafia-Gesetzgebung hat sich in diesem Jahr in Deutschland einiges getan. So trat am 1. Juli 2017 das reformierte Gesetz über die Vermögensabschöpfung in Kraft. Ein Kernaspekt der Neufassung ist die sogenannte Umkehr der Beweislast. Dadurch kann Vermögen von unklarer Herkunft eingezogen werden, auch ohne den Nachweis einer konkreten Straftat. Mutmaßliche Kriminelle müssen dann nachweisen, dass ihr Vermögen aus legalen Quellen stammt. Das Gesetz ist ein Fortschritt. Kriminalbeamte sagen jedoch, dass man die Anwendbarkeit in der Praxis abwarten muss.

Außerdem gibt es seit Juli 2017 im Strafgesetzbuch einen Paragrafen, der dem italienischen Mafia-Artikel 416bis ähnelt. Bislang mussten Ermittler den mutmaßlichen Mafiosi neben der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung weitere Straftaten nachweisen. Doch seit Juli 2017 ist laut Paragraf 129 bereits die reine Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung strafbar.


Mehr zur Mafia in Deutschland in unserem im Frühjahr 2017 veröffentlichten Buch:

„Die Mafia in Deutschland – Kronzeugin Maria G. packt aus.“ – zu bestellen in unserem Shop.

Spektakuläre Aktion: Auch ein Türöffner kam bei der Aktion im Einsatz. Bildnachweis: Italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza

Mafia

Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Süddeutschland

Bei einer Großrazzia in Baden-Württemberg wurden 15 Männer festgenommen. Sie sollen mit Rauschgift und Waffen gehandelt und eine Gaststätte beschossen haben. Deutsche und italienische Ermittler haben jetzt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz Details bekannt gegeben.

von Margherita Bettoni

Die 300 Polizisten waren vorbereitet: Viele trugen Schutzkleidung, einige Sturmhauben. In den Morgenstunden des 21. Juni machten sie sich auf zu einer Großrazzia nach Rottweil, Esslingen, Villingen-Schwenningen, Donaueschingen und Stuttgart. 13 Italiener und zwei Deutsche gingen ihnen ins Netz. Sie beschlagnahmten 60.000 Euro Bargeld, vier Pistolen, mehrere Hiebwaffen, 50 Kilo Kokain, sechs Autos und diverse andere Güter im Wert von über 145.000 Euro. Zwei weitere Männer wurden auf Sizilien aufgrund deutscher Haftbefehle festgesetzt. Die Vorwürfe gegen sie alle wiegen schwer: bandenmäßiger Rauschgifthandel, Gewaltdelikte, Waffendelikte, versuchter Mord.

Die Chefs der Bande sollen laut Ermittlern die beiden Italiener A. und M. gewesen sein. Ersterer besaß ein Restaurant in Villingen und ein zweites in Rottweil. Auch M. soll Inhaber mehrerer Lokale gewesen sein, die allerdings im Namen von Strohleuten registriert waren. Nach außen waren sie unbescholtene Bürger und gut in ihren Gemeinden integriert. Was keiner der Nachbarn und Restaurantbesucher ahnte: Dass die Bande um A. und M viel Geld mit dem Handel von Waffen und Drogen verdiente.

Am 27. Mai 2017 sollen Bandenangehörige im baden-württembergischen Hüfingen einige Schüssen auf eine Gaststätte abgefeuert haben – offenbar um einen Wirt einzuschüchtern, der sich weigerte, von der Bande Spielautomaten zu erwerben. Durch eine Wanze im Auto konnten Ermittler die Tat in Echtzeit verfolgen. Da der Wirt und eine weitere Person zur Zeit des Angriffs im Restaurant waren, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch wegen versuchten Mordes. Ein Anwalt von A. wollte sich auf Anfrage nicht äußern. CORRECTIV gelang es nicht, den Anwalt von M. zu kontaktieren.

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Vier Pistolen und mehrere Hiebwaffen wurde beschlagnahmt.

Italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza

Verhaftet im Hafen

Durch das Ermittlungsverfahren „Safran“ gelang den Ermittlern ein wichtiger Schlag gegen die organisierte Kriminalität, die mit mafiaähnlichen Methoden agiert. Die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Tuttlingen kooperierten dabei mit der italienischen Finanzpolizei Guardia di Finanza. Unterstützt wurden die Ermittler auch vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg, der breits seit Jahren mit den sizilianischen Ermittler zusammenarbeitet. 

In Deutschland begannen die Ermittlungen im Februar 2016. Staatsanwaltschaft und Polizei hatten eine albanische Bande von Drogenhändlern im Visier. Der Stoff kam im Hafen von Rotterdam an und wurde über Köln nach Baden-Württemberg und von dort weiter nach Italien geschmuggelt. Dabei wurden die Beamten auch auf A. aufmerksam. Die deutschen Ermittler nahmen Kontakt mit den italienischen Kollegen auf, in dessen Visier sich der Mann bereits befand.

Im Juni 2016 hatten italienische Ermittler einen 46-Jährigen am Hafen von Palermo durchsucht und verhaftet, nachdem sie eine Pistole Smith & Wesson 357 Magnum in seinem Besitz fanden. Der Mann soll gemeinsam mit A. Mitinhaber einer Restaurants in Rottweil gewesen sein. Ab September 2016 führten Polizisten und Staatsanwälte in beiden Ländern dann die Ermittlungen parallel fort.

Austausch über WhatsApp

Von italienischen Ermittlern hört man oft, die deutsche Gesetzgebung sei nicht ausreichend für eine erfolgreiche Bekämpfung der organisierten Kriminalität. So ist hierzulande die Mitgliedschaft in einer Mafia-Organisation keine Straftat. Das Ermittlungsverfahren „Safran“ zeigt aber, dass Ermittler Gesetzeslücken durch internationale Zusammenarbeit kompensieren können. Im Fall der Hauptverdächtigen ergab sich durch den Datenaustausch mit der italienischen Finanzbehörde schnell ein Missverhältnis zwischen ihrem Vermögen und dem Geld, dass sie legal mit ihren Restaurants verdienten. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt und zwar sowohl in Deutschland als auch in Italien. Ein Beweis dafür, dass die unterschiedlichen rechtlichen Möglichkeiten für Gewinnabschöpfungsmaßnahmen in Italien und Deutschland sich durchaus ergänzen können.

Ermittler sagen, dass deutsche und italienische Beamte noch nie derart eng zusammengearbeitet hätten. „Es fand beinahe ein stündlicher Informationsaustausch statt, auch über WhatsApp“, sagte Palermos Oberstaatsanwalt Lo Voi bei einer Pressekonferenz am Montag in Palermo. 

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In Italien ist es gängige Praxis, Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität über Jahre zu führen, um in die Strukturen der Banden einzudringen. Wer zu schnell eingreift, bewirkt oft nur, dass die Kriminellen konspirativer agieren. Deutsche Ermittler hingegen stehen oft unter Zeit- und Kostendruck. Allein durch den Einsatz von Dolmetschern bei Abhöraktionen werden Ermittlungen sehr schnell sehr teuer. Die enge Zusammenarbeit half auch hier: Italienische Ermittler unterstützen ihre deutschen Kollegen etwa bei den Übersetzungen abgehörter Gespräche.

Zweisprachiges Hinweistelefon

„Seit Jahren sagen wir, dass organisierte Kriminalität transnational agiert, deswegen soll sie weit über nationale Grenzen hinaus bekämpft werden“, fügte Staatsanwalt Lo Voi hinzu. Ihm sei kein Fall einer derartig vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen italienischen und deutschen Ermittlern bekannt wie bei dieser Operation. 

Ähnlich äußerte sich Joachim Speiermann, Oberstaatsanwalt in Konstanz auf der Pressekonferenz in Palermo: „Täter agieren grenzenlos, deswegen müssen auch Polizisten Grenzen überwinden“. Es spreche für eine besonders gelungene Zusammenarbeit, wenn bei einer Pressekonferenz der italienischen Finanzpolizei auch ein deutscher Staatsanwalt sprechen könne. Wichtig sei es gewesen, dass sowohl die Staatsanwaltschaft Palermo als auch die Staatsanwaltschaft Konstanz den Beamten einen engen Informationsaustausch genehmigt habe. Die üblichen polizeilichen Meldewege wären deutlich langsamer gewesen.

140 mutmaßliche Mafiosi sind den Ermittlern in Baden-Württemberg bekannt. Im Herbst 2014 hatte das Landeskriminalamt eine landesweite Initiative ins Leben gerufen, die Kampagne „Insieme si può“: Gemeinsam schaffen wir das. Über ein zweisprachig besetztes Hinweistelefon haben Bürger die Möglichkeit, vertrauliche Hinweise an Ermittler zu übergeben. 


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Giuseppe Giorgi wurde nach 24 Jahren Flucht in seiner kalabrischen Heimat San Luca verhaftet. Bildnachweis: Italienische Carabinieri

Mafia

Mächtiger Drogenhändler der kalabrischen Mafia verhaftet

Giuseppe Giorgi arbeitete für den ‘Ndrangheta-Clan Romeo-Pelle, der auch in Deutschland aktiv ist

von Giulio Rubino , Margherita Bettoni , Cecilia Anesi

Die italienische Polizei hat am Freitag den seit über zwei Jahrzehnten untergetauchten Mafia-Boss Giuseppe Giorgi verhaftet. Giorgi, den Ermittler auch in Deutschland vermuteten, arbeitete für die kalabrische Mafia, die ‘Ndrangheta.

Giorgi, 56, zählte zu den gefährlichsten Mafiosi auf freiem Fuß und lebte seit 1994 auf der Flucht. Fünf Stunden lang durchsuchten die Carabinieri seine Wohnung im kalabrischen Dorf San Luca, ehe sie ein Geheimversteck über einem Kamin fanden, in dem sich der Boss versteckte.Als die Carabinieri den Boss aus seiner Wohnung ausführten, küssten ihn einige Bürger, die sich auf der Straße versammelt hatten, die Hand. 

Giorgi, genannt U Capra (Deutsch: Die Ziege), ist ein wichtiger Drogenhändler, der eng mit den kolumbianischen Drogenkartellen zusammen arbeitete. Er gehört zum Clan Romeo aus San Luca, der mit dem Pelle-Clan verbündet ist. Der Clan Pelle-Romeo zählt zu den mächtigsten der kalabrischen Mafia und ist sowohl in Norditalien als auch in Nordeuropa sehr aktiv.

Etliche Clan-Mitglieder unterhalten seit langer Zeit enge Verbindungen nach Deutschland und Holland. Clan-Mitglieder sind unter anderem in Erfurt und Duisburg aktiv. Italienische Ermittler gingen lange Zeit deswegen davon aus, dass auch Giorgi sich in Deutschland verstecken konnte.

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Giorgi hatte unter anderem eng mit dem ‘Ndrangheta-Mann Bruno Pizzata gearbeitet, der 2011 in einer Pizzeria in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden war. Pizzata galt als einem der prominentesten Drogenhändlern der Welt.  

Giorgi erwarten fast 30 Jahre Haft wegen internationalen Drogenhandels.

Die kalabrische ‘Ndrangheta ist die aktivste italienische Mafia-Gruppierung in Deutschland. Ermittler zählen rund 300 aktenkundige ‘Ndrangheta-Mitglieder. Die tatsächliche Zahl dürfte viel höher sein, und etwa bei 3000 liegen. ‘Ndrangheta-Clans sind vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen aktiv.


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Mafia

8 Millionen Euro in Nicastro beschlagnahmt

Die Antimafia-Staatsanwaltschaft im kalabrischen Catanzaro hat heute morgen Besitztümer im Wert von acht Millionen Euro beschlagnahmt. Der Beschlagnahme waren sechs Jahre dauernde Ermittlungen gegen den Bauunternehmer Francesco C. vorausgegangen.

von David Schraven

Von den Behörden beschlagnahmt wurden ein Bauunternehmen, ein Erdbewegungsunternehmen sowie ein landwirtschaftlicher Betrieb, dazu 15 Gebäude sowie bewegliche Güter und Barvermögen. Die Ermittlungen untersuchten Verstrickungen zwischen der ‘ndrangheta und lokalen Unternehmern und basieren wesentlich auf den Aussagen mehrerer Kronzeugen.

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Die Ermittler haben auch die Kontobewegungen von C. näher analysiert und dabei festgestellt, dass die Ausgaben, die er getätigt hat, etwa für den Ankauf von Gütern, nicht in Einklang mit dem Ertrag standen, die seine Unternehmen erbrachten. Es ist also von kriminellem Kapital im Hintergrund und damit von Geldwäsche auszugehen.

Der Clan Giampà stammt aus Nicastro, einem Teilort von Lamezia Terme. Mehrere Unternehmer dort arbeiten eng mit dem Clan zusammen und profitieren etwa von Einschüchterungen der Konkurrenz. Für Francesco C. hat sich die Zusammenarbeit  indes jedoch offensichtlich nicht gelohnt: Er steht seit Januar unter Hausarrest und kann nun nur noch gegen die Beschlagnahme klagen. Solche Klagen sind aber selten erfolgreich, zumal die Anordnung der Beschlagnahme nur durch einen Richter oder eine Richterin erfolgen kann und damit der Maßnahme als solcher immer eine rechtliche Prüfung vorausgeht.

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Mafia

Mafiataufe in der Schweiz gefilmt

Die Fakten sind klar und liegen auf dem Tisch: Zwei Mitglieder der kalabrischen Mafia-Organisation ’ndrangheta sind in der Nacht vom 21. auf den 22. August in Kalabrien festgenommen worden.

von David Schraven

Beide werden einer Schweizer Zelle der Organisation zugerechnet. Der eine, Antonio N., stand schon länger unter der Beobachtung der Sicherheitskräfte, weil er als Chef des Locale in Frauenfeld galt, dem Ableger der ‘ndrangheta in dem Städtchen zwischen Zürich und Konstanz. Über den anderen Festgenommenen, Raffaele A., ist weniger bekannnt. Ein gleichnamiger Verwandter von ihm wurde vor einigen Jahren von der Mafia ermordet, und auch den jetzt Festgenommenen halten die Ermittler für ein ‘ndrangheta-Mitglied. Er sei aber “eher unwichtig”, sagt ein Ermittler, der bei der Festnahme dabei war. Beide werden dem Clan aus Fabrizia zugerechnet, einem kleinen Bergdorf im Süden von Kalabrien.

Über die Ansiedlung von Mafiosi in Frauenfeld wissen — zumindest die italienischen – Ermittler seit 2009 Bescheid. Damals nämlich erhielten sie Abhörprotokolle aus Baden-Württemberg, in denen sich der inzwischen festgenommene ’ndranghta-Statthalter in Singen im Bodensee-Kreis beschwerte, ein Schweizer „Idiot“ namens ‘ntuoni mache ihm das Gebiet streitig. Bruno N., so der Name des Mannes, beschimpfte im Übrigen hier einen Verwandten, nämlich seinen Cousin. Er wandte sich daraufhin in dieser Sache an die oberste Leitung in Kalabrien. Dort wurde die Sache geregelt. Bruno N. durfte die Vorherrschaft in Singen behalten. Und Antonio N., so der eigentliche Name des ’ntuoni aus der Schweiz, wurde wohl zugestanden, formal ein Locale in Frauenfeld zu gründen. Es ist den Schweizer Polizeibeamten gelungen, die Einweihung dieses Locale zu filmen. Den Film haben nun ihre italienischen Kollegen veröffentlicht.

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Bemerkenswert im Fall des Frauenfelder Ablegers ist zum einen, dass eines der anwesenden ‘ndrangheta-Mitglieder betont, dass man schon seit 1970 dort ansässig sei. Es gebe Arbeit in allen Bereichen, wird gesagt, “Schutzgelderpressungen, Heroin, Kokain.” Zum anderen sagt ein weiteres Mitglied, dass es Drogen in quasi beliebiger Menge liefern könne (“Zehn Kilo, zwanzig Kilo am Tag, die bring ich Euch persönlich!”). Ist der Fahndungsdruck in der Schweiz tatsächlich so gering?

Anfangs hieß es, dass weitere 16 Mitglieder in der Schweiz festgenommen worden seien, doch dem ist nicht so. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigt, dass zwar schon länger gegen die Frauenfelder Zelle Ermittlungen liefen, Festnahmen habe es in der Schweiz jedoch keine gegeben. Der Sprecher verweist auf ein angekündigtes Kommunique, doch danach stellen sich nur noch mehr Fragen. Tags drauf heißt es dann, die Festnahmen seien in Italien erfolgt und ein Bundesanwalt betont, dass die Schweiz „kein mafiöses Land“ sei. Was stimmt nun also?

Immer wieder werden Mafiosi in Italien mit Schweizbezügen festgenommen wie etwa im Mai 2011 Donato F., der im Kanton Sankt Gallen wohnte und eine Art Vermittler zwischen den schweizer ‘ndrangheta-Clans, jenen im Bodenseeraum und der Leitung in der Heimat war. Donato F. hatte eine Vorliebe für schöne und schnelle Motorräder, die auch den Ermittlern in Reggio Calabria nicht verborgen geblieben ist. Für ein Bikertreffen auf Sardinien meldete er sich und seine Honda Goldwing unter seinem echten Namen an und nahm auch seine Frau mit. Er bestand sogar darauf, auf die Internetseite des Treffens mit Bild aufgenommen zu werden. Leichtes Spiel damit für die italienischen Ermittler. Gemeinsam mit den Kollegen vor Ort nahmen sie F. fest, bevor er auf die Fähre nach Sardinien fuhr.

In einem weiteren Verfahren wurden zwei Italiener in Italien wegen illegalen Waffenhandels verurteilt. Die Waffen hatten die Mafiosi sich in der Schweiz besorgt und mit Lastwagen nach Italien transportiert. Unter den geschmuggelten Waffen waren Agenturberichten zufolge auch Gewehre des deutschen Herstellers Sig Sauer.

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Mafia

Der Priester und Libera-Gründer Don Luigi Ciotti von Mafia mit dem Tod bedroht

Der inhaftierte Mafia-Boss Toto Riina aus Corleone hat den Gründer der Libera-Kooperativen, den Priester Don Luigi Ciotti, mit dem Tode bedroht. Ciotti hatte 1995 die Organisation gegründet, die unter anderem von der Mafia beschlagnahmtes Land bestellt und die Produkte unter dem Label Libera terra verkauft.

von David Schraven

Die Organisation ist schnell gewachsen, sie vertreibt ihre Produkte international, ist auch im Ausland tätig und inzwischen zu einer der bedeutendsten Antimafia-Organisationen geworden. Ciotti hat sich bereits zuvor in mannigfaltiger Form gegen die organisierte Kriminalität in Italien engagiert, etwa in dem er die Zeitung Narcomafie gründete und leitete.

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Medienberichten zufolge wurde Toto Riina beim Hofgang belauscht, während er Gespräche mit einem anderen inhaftierten Mafioso führte. Riina sagte: “Dieser Priester ist eine Figur und ein Auswuchs wie Pater Puglisi.” Pater Pino Puglisi ist von der Mafia ermordet worden, weil er sich in seinem Viertel, dem mafiös geprägten Stadtviertel Brancccio in Palermo, für ein gewaltfreies Leben eingesetzt hatte und den Jugendlichen einen Weg aufzeigen wollte, wie sie ihr Leben gestalten können, ohne mit der Mafia zu kooperieren. Er wurde am 15. September 1993, am Tag seines 56. Geburtstages, vor seiner Haustüre erschossen. Riina sagte beim Hofgang: “Ciotti, Ciotti, wir könnten auch ihn töten.” Auch wenn der Boss seit Jahren inhaftiert ist, ist diese Aussage nicht ohne Relevanz, denn italienische Ermittler gehen davon aus, dass er über seine Söhne weiter eine bestimmende Rolle in der sizilianischen Mafia hat.

Pater Luigi Ciotti nimmt die Drohung ernst. “Diese Drohungen richten sich nicht nur gegen Luigi Ciotti, sondern gegen alle die Personen, die sich in zwanzig Jahren Libera für die Gerechtigkeit und die Würde unseres Landes engagiert haben. Nur ein “Wir” kann sich gegen die Mafia und die Korruption auflehnen. Die Mafia-Gruppen wittern die Gefahr. Sie spüren, dass die Nachstellungen nicht nur von den Polizeikräften und großen Teilen der Staatsanwaltschaften kommen, sondern auch aus der Rebellion eines Bewusstseins, einer Gemeinschaft, die den Kopf hebt und den Fatalismus, die Unterwerfung und das Schweigen nicht mehr akzeptiert. Diese Drohungen sind der Beweis, dass dieses Engagement mit Nachdruck erfolgt, dass es bissig ist, dass es ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht.” Auch die Politik müsse das Antimafia-Engagement stärker unterstützen, fordert Ciotti auf der Homepage von Libera.

Mafia

Werte in Höhe von 30 Millionen in Aprilia bei Rom beschlagnahmt

Die Guardia di Finanza, die italienische Finanzpolizei, hat bei einer Familie aus Aprilia, die ursprünglich aus Kalabrien stammt, Werte in Höhe von 30 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Ermittler werfen den drei Personen unter anderem Kreditbetrug, Betrug und betrügerischer Konkurs vor, auch mit Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen soll die Familie gearbeitet haben.

von David Schraven

Die Guardia di Finanza, die italienische Finanzpolizei, hat bei einer Familie aus Aprilia, die ursprünglich aus Kalabrien stammt, Werte in Höhe von 30 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Ermittler werfen den drei Personen unter anderem Kreditbetrug, Betrug und betrügerischer Konkurs vor, auch mit Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen soll die Familie gearbeitet haben.

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Die Ermittler haben die Geldflüsse rekonstruiert, mit denen die Familie ihr Firmengeflecht im Süden von Rom aufgebaut hatte, und stellten dabei fest, dass die Gelder Gewinne aus kriminellen Handlungen waren. Beschlagnahmt wurden unter anderem drei Pferdeställe, acht Häuser und Wohnungen und mehrere Büros.