Russland/Ukraine

Russland-Visum auf Einladung von FSB-Organisation: Epsteins Kontakte zum russischen Geheimdienst

Die Dimension von Jeffrey Epsteins Russland-Verbindungen wird immer deutlicher: Veröffentlichte Unterlagen des US-Justizministeriums belegen hochrangige Beziehungen des Pädokriminellen zu russischer Geheimdienst-Organisation.

von David Schraven

In den Epstein-files finden sich zahlreiche Spuren – unter anderem zu Personen und Organisationen, die zum Geheimdienst FSB gehören. Fotocollage: Vladislav Nekrasov/SOPA Images via ZUMA Press Wire
In den Epstein-files finden sich zahlreiche Spuren – unter anderem zu Personen und Organisationen, die zum Geheimdienst FSB gehören. Fotocollage: Vladislav Nekrasov/SOPA Images via ZUMA Press Wire

Im Fall des verurteilten Pädokriminellen Jeffrey Epstein gibt es weitere Spuren nach Russland, direkt in die Nähe des russischen Geheimdienstes. Wie aus den veröffentlichten Unterlagen des US-Justizministeriums hervorgeht, wurde Jeffrey Epstein 2011 von der Organisation MOO Vympel nach Moskau eingeladen. Epstein nutzte die Einladung, um ein Geschäftsvisum für Reisen nach Russland zu erhalten. Übernachten wollte er im Hyatt Hotel in der Neglinnaya Straße in Moskau.

Die Organisation MOO Vympel ist ein Verband von KGB- und FSB-Veteranen. Vympel selbst ist eine Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes, sie wird unter anderem für Undercover-Einsätze genutzt.

Epstein ließ sich 2011 von der FSB-Veteranenorganisation Vympel einladen, um ein russisches Visum zu erhalten. Foto: DU.S. Department of Justice / Screenshot CORRECTIV
Epstein ließ sich 2011 von der FSB-Veteranenorganisation Vympel einladen, um ein russisches Visum zu erhalten. Foto: U.S. Department of Justice / Screenshot CORRECTIV–

Der Täter im Berliner Tiergartenmord, Vadim Krasikov, hatte laut Bellingcat Verbindungen zu Vympel. So habe sich Krasikovs Mobiltelefon mehrfach nahe hochgesicherter Einrichtungen des FSB und der Sondereinheit Vympel aufgehalten. Die Anrufliste des Telefons von Krasikov verzeichnete Kontakte zu FSB-Offizieren.

Bei der Beschaffung des Einladungsschreibens der MOO Vympel für Epstein half laut der Rechercheplattform Dossier der FSB-Akademie-Absolvent Sergei Belyakov. Dieser war stellvertretender Minister für Wirtschaftsentwicklung und später Leiter der St. Petersburg Economic Forum Foundation, die das St. Petersburg International Economic Forum veranstaltet. Ein Treffen, das in der Vergangenheit auch von deutschen Wirtschaftsvorständen besucht wurde, etwa um die Lieferung von russischen Gas zu verhandeln.

Epstein brachte seinen FSB-Freund mit Peter Thiel zusammen

Den Informationen der Rechercheplattform Dossier zufolge half Belyakov dem Pädokriminellen Epstein, Treffen mit führenden Wirtschaftsvertretern anzubahnen. Im Gegenzug soll Epstein dem russischen FSB-Veteranen Belyakov beraten haben, wie Sanktionen gegen Russland begegnet werden könne, zudem soll er prominente Gastredner für das Wirtschaftsforum vermittelt haben.

Zumindest nahm am St. Petersburg International Economic Forum 2011 auch der Epstein-Vertraute Michael Wolff, vom Wired Magazine, als Moderator teil. Und im Jahr 2014, kurz nach der Krim-Annexion, kündigte Epstein in einer Mail an Belyakov an, eine Person aus seinem Team zum Forum nach St. Petersburg zu entsenden.

Wie aus den Unterlagen des US-Justizministeriums weiter hervorgeht, brachte Epstein unter anderem Peter Thiel mit dem FSB-Mann Belyakov zusammen. Im Jahr 2016 gratulierte Belyakov schließlich Epstein zur Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA.

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Bis mindestens 2018 könnte Epstein den Unterlagen zufolge über eine ungenannte Mittelsperson auf Belyakovs Hilfe zurückgegriffen haben, um Visa für Russland zu beschaffen.

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Redigatur und Faktencheck: Alexej Hock

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