Jedes Jahr zu Pfingsten treten die Finkenvereine im Harz mit ihren Vögeln zu einem traditionsreichen Gesangswettstreit an. 2014 verlieh Bundeskanzlerin Merkel dem seit 1791 ausgetragenen Wettkampf sogar den Ehrentitel „immaterielles Kulturerbe“.
„Seit 1982 durften Vögel nicht mehr gefangen werden“, erklärt Helmut Ehrenberg, der Geschäftsführer der Vereinten Buchfinkengilde Harz, die Probleme, mit denen er und seine Verbandskollegen zu kämpfen haben. „Unser Brauchtum lebt seitdem nur noch davon, dass wir Vögel aus Zuchten verwenden dürfen. Man muss sie kaufen.“
Im Geschäftsbuch des verurteilten Vogelwilderers Horst D. aus Bottrop taucht immer wieder der Name Helmut Ehrenberg auf. Jahrelang hatten die Behörden den Vogelhändler Horst D. im Visier. Sogar auf frischer Tat mit Lebendfallen und Lockvögeln wird er auf einem Friedhof in Bottrop ertappt. Letztendlich bringt Horst D. eine Anzeige seiner Nachbarn zu Fall, die das illegale Treiben in seinem Garten beobachten.
Nur noch 17 Stunden – dann endet unsere größte Spendenaktion des Jahres.
Im Vergleich zum Vorjahr fehlen uns aktuell noch 40.000 Euro. Fehlen uns diese Einnahmen, dann können wir eventuell einige wichtige Recherchen im kommenden Jahr nicht umsetzen. Wir finanzieren unsere Recherchen aus Spenden. Ohne Verlag, Werbung oder Investoren. Das Geld aus dieser Aktion sichert, dass unsere Redaktion im kommenden Jahr recherchieren und berichten kann. Wenn Sie können: Bitte übernehmen Sie eine der fehlenden Spenden und helfen Sie, unsere Redaktion für das kommende Jahr zu sichern.
150 Vögel stellen Ermittler 2012 bei einer Razzia auf seinem Grundstück sicher – untergebracht in 20 zum Teil gut getarnten Volieren. Die Beamten erstaunen, als sie auch ein akribisch geführtes Geschäftsbuch finden: 100.000 Euro hatte der Rentner in den vergangenen fünf Jahren allein als Reingewinn verbucht. Und das nicht mit den seltensten Arten, nein, mit Allerweltsvögeln: mit Blaumeisen, Kleibern, Buchfinken, Gimpeln und Stieglitzen.
Jürgen Hintzmann von der Stabsstelle für Umweltkriminalität NRW sagt, dies sei der größte bekanntgewordene Fall eines illegalen Vogelfängers in Deutschland. Im April 2015 wird Horst D. in 111 Fällen schuldig gesprochen. Das Urteil: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und die Zahlung von 100.000 Euro. Anstatt Einsicht zu zeigen, macht Horst D. weiter. Aufgrund unserer Recherche stürmen Beamte im Juni 2015 ein weiteres Mal das Grundstück von Horst D., finden erneut unberingte Vögel und sogar ausgelegte Fallen in seinem Garten. Gegen Horst D. wird wieder Strafanzeige erstattet.
Seit dem neuen Jahrtausend hat Helmut Ehrenberg als Vereinschef und Geschäftsführer der Buchfinkengilde nachweislich über hundert Vögel bei dem verurteilten Wilderer aus Bottrop gekauft und an seine Vereinsmitglieder verteilt. Es ist extrem wahrscheinlich, dass ein Großteil der Tiere, die Ehrenberg über zwei Jahrzehnte bei Horst D. gekauft hat, Wildfänge waren. Die Staatsanwaltschaft Essen betont, ein Fachmann, wie Ehrenberg es ist, muss manipulierte Ringe erkennen und wissen, dass er illegale Tiere kauft.
Ehrenberg sagte uns mit den Anschuldigungen konfrontiert: „Warum soll ich mir Vorwürfe machen? Der, der den Vogel züchtet und weitergibt, der ist in der Verantwortung. Nicht ich. Genau wie wenn Sie ein Auto kaufen vom Händler, dann kaufen Sie das ja auch im guten Glauben, dass da alles in Ordnung ist.“
Die Tatsache, dass über Jahrzehnte hinweg ein nationales Kulturerbe von der Wilderei eines verurteilten Straftäters gelebt hat, bezeichnet Jürgen Hintzmann als „einen erheblichen Ansehensschaden für die Buchenfinkengilde“.
Wir fragten Ehrenberg, ob es ihn denn nicht störe, dass sein Name in den Ermittlungsakten auftaucht?
„Nee, nee. Das stört mich gar nicht.“
„Ja diesen Vogel, den muss ich haben
und wenn es gleich mein Leben kost’t.“
Aus „Finkenlied aus Stiege“
Artikelbild: Jonas Mueller-Töwe
Textchef: Ariel Hauptmeier
Mitarbeit: David Schraven, Julia Brötz, Stefan Wehrmeyer, Jonathan Sachse
Recherche: Jonas Mueller-Töwe, Markus Frenzel (Fakt)
Verantwortlich: Markus Grill
Nur noch 24 Stunden – dann endet unsere größte Spendenaktion des Jahres.
Im Vergleich zum Vorjahr fehlen uns aktuell noch 100.000 Euro. Fehlen uns diese Einnahmen, dann können wir eventuell einige wichtige Recherchen im kommenden Jahr nicht umsetzen. Wir finanzieren unsere Recherchen aus Spenden. Ohne Verlag, Werbung oder Investoren. Das Geld aus dieser Aktion sichert, dass unsere Redaktion im kommenden Jahr recherchieren und berichten kann. Wenn Sie können: Bitte übernehmen Sie eine der fehlenden Spenden und helfen Sie, unsere Redaktion für das kommende Jahr zu sichern.
Was uns in diesen Tagen besonders bewegt, sind die Stimmen der Menschen, die uns bisher unterstützt haben. Sie zeigen, was vielen Menschen unsere Arbeit bedeutet und warum jetzt jede Spende zählt:
➡️ „in einer Medienwelt voller Falschinformationen, Verschwörungsmythen und Populismus sind Fakten und Wahrheit das einzige Bollwerk gegen Autokratie und Diktatur.“
➡️ „Weil investigativer Journalismus und Faktenchecks die Grundlage für echte und gesunde Meinungsbildung ist.“
➡️ „unabhängiger Journalismus war noch nie so wichtig wie heute!“
Diese Stimmen zeigen, dass unsere Arbeit wirkt. Möglich ist sie aber nur, wenn jetzt viele mitziehen. Mit Ihrer Spende decken wir Desinformation und Machtmissbrauch auf. Sie bringt unsere Faktenchecks und Recherchen zu Tausenden Menschen und hilft, unsere Medienbildung für Jung und Alt auszubauen.
Noch 24 Stunden verbleiben. Jede Spende in den letzten Stunden entscheidet darüber, welche Recherchen wir im kommenden Jahr angehen können. Schon 17 Euro helfen. Seien Sie dabei!