Tierdiebe

Nach CORRECTIV-Bericht: Ministerium erstattet Strafanzeige gegen Wilderer

Viel Zuspruch erreichte uns nach der Veröffentlichung der Recherche über „Die Tierdiebe“. Auch die Justiz und Behörden haben inzwischen reagiert und im Fall des Vogelfängers aus Bottrop Strafanzeige erstattet.

von Bastian Schlange

Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, twitterte am Donnerstag vormittag:

„Im Nachgang zum Bericht v ‪@ARDde-FAKT & ‪@correctiv_org über ‪#Tierdiebe haben wir jetzt Strafanzeige wegen Wilderei gestellt (ma) ‪@mdrde ‪#nrw“

Die Anzeige betrifft den bereits verurteilten Bottroper Vogeldieb Horst D., der im Verdacht steht, auch danach munter weiter gemacht zu haben. Bereits am 24. Juni stürmten aufgrund unserer Recherchen Polizisten und Vertreter des Veterinäramtes das Grundstück des überführten Wilderers (Foto). Insgesamt neun illegale Singvögel stellten die Beamten damals sicher, wie es nun in der Anzeige aus dem NRW-Umweltministerium heißt. Bei den Vögeln handelte es sich demnach um sechs unberingte Buchfinken und einen Gimpel, der in einem kleinen Käfig in der Gartenhecke des Bottropers versteckt saß. Vor der Hecke lagen zwei Bügelklappfallen im Gras bestückt mit Lockfutter. Eindeutiger hätten es die Behörden nicht vorfinden können.

Bildschirmfoto 2015-08-06 um 12.47.35.png

Die Ermittler finden Fallen Im Garten von Horst D.

CORRECTIV

„Die festgestellten Umstände charakterisieren das Verhalten des Beschuldigten als gewerbs- und gewohnheitsmäßiges Nachstellen“, schreibt das Umweltministerium in der Strafanzeige. Weiter: „Das Fangen von wildlebenden Vögeln der besonders geschützten Arten nimmt nach den vorliegenden Erkenntnissen stark zu. Bei diesem Sachverhalt handelt es sich von der Dimension her um einen herausragenden Verdachtsfall.“ Horst D. war erst im Frühjahr 2015 zu 100.000 Euro und einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Sein damaliger Fall wurde als „bisher deutschlandweit größter bekannter Fall von planmäßig durchgeführten Naturentnahmen von europäischen Singvögeln“ bezeichnet. Auch jetzt sehen die Behörden wieder ein gewerbsmäßiges Vorgehen des Wilderers.

„Daher ist es zum einen aus artenschutzrechtlichen Gründen, nicht zuletzt aber auch aus spezial- und generalpräventiven Gründen ein besonderes öffentliches Anliegen, den konkret in Rede stehenden Sachverhalt zu verfolgen“, begründet Jürgen Hintzmann von der Stabsstelle für Umweltkriminalität in NRW die bei der Staatsanwaltschaft Essen eingereichte Strafanzeige. 

CORRECTIV hatte Horst D. vor der Veröffentlichung der Recherchen über „Die Tierdiebe“ ausführlich mit den Vorwürfen konfrontiert. Er hatte es vorgezogen, auf die an ihn gestellten Fragen nicht zu antworten. 

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.