TTIP

Freihandel: Arbeitsplätze für Europäer in den USA

Im Rahmen des Freihandelsabkommens TTIP wird auch über eine teilweise Öffnung des transatlantischen Arbeitsmarktes gesprochen. So sollen Europäer in einigen Fällen leichter Arbeitsvisa in den USA bekommen, wenn das Abkommen erst geschlossen ist, wie aus einem internen Dokument der EU hervorgeht. Bislang ist es sehr schwer, reguläre Jobs in den USA zu bekommen.

von Justus von Daniels

© plainpicture/Caiaimages

In Zukunft könnte es einfacher werden, in den USA zu arbeiten. In den Verhandlungen über den Freihandel mit den USA prüfen die Verhandler derzeit, wie Arbeitnehmer leichter in den USA und umgekehrt in der EU arbeiten könnten. Die EU-Kommission treibt Pläne zumindest für die Berufsgruppe der Architekten voran. Ziel sei es, dass Berufsabschlüsse gegenseitig anerkannt und Visa leichter erteilt werden, schreibt die EU-Kommission in einem Informationspapier.

Kaum Fortschritte

Noch machen die Unterhändler bei der Freizügigkeit für Arbeitnehmer nur wenig Fortschritte. In einem internen Papier hält die EU-Kommission fest, dass man bei der Anerkennung von Diplomzeugnissen „noch ganz am Anfang der Verhandlungen stehe“. Aber immerhin, die Berufsverbände reden drüber.

Nach Informationen des gemeinnützigen Recherchebüros CORRECTIV versucht die EU zunächst, eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung von Architekten zu erzielen. Architekten könnten dann auf beiden Seiten des Atlantiks Büros eröffnen und arbeiten. Laut einem internen Papier der EU-Kommission gab es bereits ein Treffen mehrerer Berufsverbände von Architekten, auf dem sich die EU-Vertreter für eine Anerkennung der Abschlüsse ausgesprochen haben. Über die Haltung der Amerikaner wurde nichts bekannt. Allerdings gibt es in den USA das Problem, dass die einzelnen Bundesstaaten nach den derzeitigen Regelungen nicht automatisch an eine solche Vereinbarung im Rahmen des TTIP-Vertrages gebunden wären.

Bisher ist es sehr schwer für Arbeitnehmer, eine Arbeitserlaubnis für Europäer in den USA oder für Amerikaner in der EU zu bekommen. Ein EU-Bürger darf nur dann in den USA arbeiten, wenn er von einer dort ansässigen Firma angefordert wird. Und auch dafür muss er regelmäßig sein Visum erneuern. Ebenso gelten für Amerikaner strenge Bestimmungen, wie lange sie in der EU arbeiten dürfen. Mit der Anerkennung von Berufsabschlüssen und Erleichterungen bei der Vergabe von Visa würden einige dieser Hürden wegfallen.

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Für Unternehmen hätte die neue Mobilität der Arbeitnehmer den Vorteil, dass sie leichter Fachkräfte von der anderen Seite des Atlantiks anwerben könnte. Allein in Europa werden laut einer OECD-Studie bis 2050 etwa 35 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Vor allem in den Bereichen Gesundheit, Ingenieur- oder Bauwesen würden qualifizierte Arbeitskräfte benötigt, heißt es in der Studie. „Die Mobilität von Arbeitnehmern bringt mehr als der Abbau von Zöllen oder die Anerkennung von Sicherheitstests“, sagt Klaus F. Zimmermann, Direktor des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). „Das sollte bei TTIP ganz oben stehen.“

Nur Architekten

In den Verhandlungen geht es allerdings nur um spezielle Berufsgruppen, die Dienstleistungen erbringen. Es ist zunächst nicht geplant, die Märkte im großen Stil für alle Arbeitnehmer zu öffnen, sondern nur einen gezielten Austausch von qualifizierten Fachkräften zuzulassen.

Doch es gibt große Hürden. Allein für die Berufsgruppe der Architekten, über die derzeit verhandelt wird, gelten sehr verschiedene Voraussetzungen. So sind etwa die Baumaße in den USA andere als in Europa. Auch das US-Baurecht kennen europäische Architekten in der Regel nicht. Ähnliches würde auch für andere Berufe wie Ingenieure, Juristen oder Ärzte gelten. Beide Seiten hatten 2005 schon einen Versuch unternommen, die Abschlüsse für Architekten anzuerkennen. Damals scheiterte eine Umsetzung.

Ob andere Berufsgruppen von TTIP profitieren könnten, ist noch offen. „Es gibt Interesse bei Rechtsanwalts- und Ingenieurverbänden. Aber es finden noch keine Gespräche statt“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission auf eine Anfrage von CORRECTIV.

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