© Ivo Mayr

Artikel

Versteckspiele

Transparency International kämpft weltweit gegen Korruption. Doch die eigene Buchführung ist alles andere als transparent. Bei einer mit deutschen Steuermitteln geförderten Konferenz fehlt eine offene Abrechnung. Sponsorengelder fließen an den Büchern vorbei. „Indirekte“ Kosten werden nicht ausgewiesen.

weiterlesen 15 Minuten

von David Schraven , Frederik Richter

Die Korruptionshüter von Transparency International (TI) sind stolz auf ihren guten Namen. Wenn sie eine Firma oder ein Land wegen Korruption brandmarken, dann produzieren sie Schlagzeilen. 

Volkswagen zog mit seinen manipulierten Abgaswerten die Kritik von TI auf sich und als bei Siemens schwarze Kassen aufgetaucht waren, strich Transparency den Elektronikkonzern von der Liste seiner Unterstützer. „Der jüngste Skandal hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagte damals ein Sprecher.

Es sind strenge Regeln, die der Verein in der Unternehmenswelt anlegt. Für Transparency selbst gelten diese aber nicht – zumindest nicht, wenn es um die Finanzierung der hauseigenen Antikorruptionskonferenz (IACC) geht.

Das Gipfeltreffen

Diese Konferenz, ein Gipfeltreffen der weltweit wichtigsten Korruptionsbekämpfer, findet alle zwei Jahre in einem anderen Land statt. Hier wird gemeinsam über Strategien diskutiert, wie Staaten und Konzerne gegen unmoralische Angebote gewappnet werden können. Die Empfehlungen sind dabei immer gleich: Alle Entscheidungen müssen transparent sein; die Bücher müssen offen, ehrlich und für jeden nachvollziehbar geführt werden.

Doch genau das ist bei der wichtigsten Konferenz von Transparency nicht der Fall. Zudem wurden gerade bei der Förderung dieser Konferenz durch die Bundesregierung Angaben zu Einnahmen weggelassen, die dort besser aufgeführt worden wären. Transparency International weist die Vorwürfe zurück.

Die drei Probleme

Im November 2012 fand die IACC-Tagung in Brasilia statt, der Hauptstadt Brasiliens. 1900 Teilnehmer aus 140 Ländern kamen zusammen. Die Kosten der Veranstaltung beliefen sich auf rund drei Millionen Euro. Der brasilianische Rechnungshof übernahm den Löwenanteil, rund 2,5 Millionen Euro. Hinzu kamen Teilnehmergebühren und Sponsorengelder, Zuschüsse von der Bundesregierung und von den Vereinten Nationen.

So weit, so gut. Doch bei der Abrechnung der Konferenz gibt es drei Probleme:

Problem 1: Transparency International legt trotz monatelanger Nachfragen keine schlüssige Abrechnung der Konferenz vor.

Problem 2: Sponsoreneinnahmen wurden nach Angaben von Transparency und seinem lokalen Konferenzpartner Amarribo an den Büchern vorbei geschleust. Der brasilianische Ölkonzern Petrobras und drei Banken haben 155.000 Euro für Technik und Feierlichkeiten direkt an die Eventfirma gezahlt, die die Konferenz im Auftrag von Amarribo organisierte. Petrobras ist einer der korruptesten Konzerne Lateinamerikas.

Das Geld taucht in keiner Abrechnung auf. Wer was kassiert hat, bleibt unklar. Die Banner der Sponsoren prangten dennoch prominent auf der Konferenz.  

Problem 3: TI hat nach der Konferenz Eintrittsgelder für die Veranstaltung im zentralen Haushalt verbucht. Sie wurden nicht als Beiträge für die IACC ausgewiesen. Das waren mögliche Gewinne. Trotzdem hat sich die Organisation einen Teil der Veranstaltung vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. 

In Fußnoten versteckt

Der Fall ist kompliziert und geht weit ins Detail – wie immer, wenn es keine transparenten Abrechnungen gibt. Das Recherchezentrum CORRECTIV hat gemeinsam mit dem Handelsblatt die Geldflüsse rund um die 15. IACC-Tagung in Brasilien anhand von Verträgen, Verwendungsnachweisen und Abrechnungen rekonstruiert:  

So haben die Teilnehmer der brasilianischen Konferenz etwa 291.000 Euro an Teilnehmergebühren gezahlt. Der größte Teil davon, 219.000 Euro, wurde von Transparency International als Einnahme verbucht – allerdings nicht in der Abrechnung zur Konferenz, sondern in der allgemeinen Jahres-Buchhaltung, tief verborgen unter dem Punkt „sonstige Einnahmen“. Und damit ohne Bezug zu jener Konferenz. Wer die Transparency-Abrechung liest, kann den Geldfluss nicht entdecken. Transparenz sieht anders aus. Die Differenz aus den tatsächlichen und den verbuchten Teilnehmergebühren erhielt Amarribo.

Die intransparente Abrechnung der Eintrittsgelder ist unter anderem deshalb problematisch, weil auch die Bundesregierung – über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) – die Konferenz in Brasilien mit 300.000 Euro gefördert hat.

Keine Rede von weiteren Einnahmen

Dazu gibt es auch einen Vertrag zwischen Transparency und der deutschen GIZ. In diesem Vertrag steht, dass die Konferenz lediglich von zwei Geldgebern bezahlt wird: der brasilianischen Regierung und der GIZ. Die Brasilianer sollen 2,63 Millionen Euro geben und die Deutschen 300.000 Euro zahlen. Weitere potentielle Geldgeber werden erwähnt — allerdings ohne konkrete Summen. Von Eintrittsgeldern und Sponsoreneinnahmen ist nicht die Rede.

Nach der Bundeshaushaltsordnung dürfen nur Events gefördert werden, die ohne Förderung nicht oder nur viel schlechter hätten stattfinden können. Das leuchtet unmittelbar ein – warum sollte man eine profitable Veranstaltung in Brasilien mit deutschem Steuergeldern unterstützen?

Ungemeldete Geldströme

Das Geld von der GIZ war zur Finanzierung bestimmter Workshops vorgesehen. Für die allerdings im Verwendungsnachweis keine Einnahmen ausgewiesen wurden. Auch von den weiteren Einnahmen der Konferenz steht in dem Abrechnungsbeleg nichts. Dann hätte die GIZ prüfen können, ob Teile dieser Einnahmen auf die Workshops angerechnet werden können.

Hätten nicht zumindest die Eintrittsgelder der Gesamtveranstaltung anteilig auf die Workshops umgelegt werden müssen? Weil nur zahlende Besucher der Konferenz auch die Workshops besuchen konnten? Bei vergleichbaren Konferenzen wird dies oft so gehandhabt. Es geht um eine Summe von geschätzt 30.000 Euro. Darüber hinaus hätten unter Umständen weitere Einnahmen, etwa aus dem Sponsoring, auf die Workshops angerechnet werden müssen. Alles Geldströme, die Transparency nicht an die GIZ gemeldet hat.

Eine Konferenz, zwei Budgets

Transparency räumt im Gespräch ein, dass die Finanzierung der IACC nicht transparent dargestellt worden sei.

Dies sei dem Umstand geschuldet, dass es bei der Konferenz Kosten vor Ort in Brasilien und Kosten in der Zentrale in Berlin gegeben habe. Diese seien jeweils in zwei verschiedenen Budgets abgerechnet worden.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Den konkreten Vorwurf, Transparency habe die Gesamteinnahmen nicht an die GIZ gemeldet, damit diese die Finanzierung der geförderten Workshops überprüfen kann, weist der Verein allerdings zurück.

Die GIZ habe nur einen Teilbereich der Konferenz gefördert, deswegen sei auch nicht zu beanstanden, dass die GIZ nicht auf die weiteren Einnahmen hingewiesen worden sei, sagt Roberto Perez Rocha, Chef der IACC-Konferenz bei Transparency, im Gespräch.

Die IACC wird jeweils vom internationalen Sekretariat TIs in Berlin sowie einem lokalen Partner organisiert. Eine eigene Rechtsform hat sie trotz der Umsätze in Millionenhöhe jedoch nicht. Auch hieraus resultiert das Chaos in der Abrechnung. Transparency trägt jedoch die Verantwortung und weist die Konferenz auch als eines seiner Programme im eigenen Finanzbericht aus.

Die „indirekten Kosten“

Perez Rocha sagt, Transparency habe die GIZ mit der Vorlage des allgemeinen Geschäftsberichtes generell über alle Einnahmen rund um die Tagung informiert. Die Darstellung der Konferenz im eigenen Finanzbericht entspreche internationalen Grundsätzen der Rechnungslegung.  

Der Verein besteht darauf, mit der IACC-Veranstaltung in Brasilien keine Überschüsse erzielt zu haben. Man habe mit den Eintrittsgeldern „indirekte Kosten“ der Konferenz gedeckt, sagt Miklos Marschall, Vize-Geschäftsführer von Transparency – ohne diese „indirekten Kosten“ auf Nachfrage zu benennen oder zu beziffern. In den Abrechnungen der IACC tauchen diese „indirekten Kosten“ bisher ebenfalls nicht auf. Sie wirken nach monatelangen Nachfragen wie frei erfunden.

Transparency erklärt, keinen Gewinn gemacht zu haben. Den Beweis bleibt die Organisation schuldig. Wir auch, dafür wäre eine einheitliche Bilanz für das Event nötig. Und die gibt es nicht.

Die GIZ wiegelt ab

Die GIZ will die Sache auf sich beruhen lassen. Der Zweck der Förderung seien ausschließlich die Workshops gewesen. Nur für diese hätte Transparency zusätzliche Einnahmen melden müssen. Die GIZ verweist in ihrer Mitteilung zudem auf Aussagen von Transparency, nach denen die Kosten der Konferenz letztlich höher ausgefallen seien als zunächst geplant. Doch in dem CORRECTIV und dem Handelsblatt vorliegenden Abrechnungsbeleg steht von höheren Konferenzkosten nichts. Eine Gesamtabrechnung existiert nach Auskunft von Transparency überhaupt nicht. Wann und wie Transparency diese Aussagen gegenüber der GIZ getroffen hat, sagt die Organisation nicht.

Zwei Experten sagen, dass die Argumentation der GIZ auf Grundlage des Vertrags nachzuvollziehen sei. Einer arbeitete früher für den Bundesrechnungshof, Jens-Hermann Treuner. Der andere ist Chef der Finanzabteilung eines großen deutschen Wirtschaftsverbandes, der sich jeden Tag mit öffentlichen Förderungen beschäftigt. Er möchte nicht genannt werden.

Der Vertrag wurde erst wenige Wochen vor der Konferenz unterzeichnet. In den Fördertöpfen der Bundesregierung waren plötzlich Mittel freigeworden. Die GIZ wollte das Geld aber bis Jahresende ausgeben, weil sich sonst die finanzielle Ausstattung der beteiligten Behörden im Folgejahr automatisch um den übrig gebliebenen Betrag reduziert hätte.

Politikern eine Bühne

Eine mit dem Vorgang betraute Person von Transparency International sagte, die GIZ habe einen Abnehmer für das Geld gesucht. In Eile sei dann der Projektvertrag ausgearbeitet worden. Unter dem Strich steht jedenfalls: laut Vertrag konnte TI Geld mit der Konferenz machen, weil die GIZ einen Teil dieser Veranstaltung mit Steuermitteln unterstützt hat. Der Steuerzahler musste zahlen.

Mit dem allgemeinen Prinzip der Bundeshaushaltsordnung – der Sparsamkeit – lässt sich das nur schwer vereinbaren.

Transparency International hat seine Einnahmen in den vergangenen zehn Jahren fast vervierfacht auf zuletzt 26,7 Millionen Euro. Die Organisation bemüht sich um Spenden von Unternehmen wie dem Ölkonzern Eni oder der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers.

Außerdem können Regierungen für ein paar Millionen Euro die inhaltliche Ausrichtung der IACC-Tagung mit bestimmen. Zuletzt kam die Regierung von Malaysia zum Zug, deren Regierungschef wegen Korruptionsvorwürfen in der Kritik steht.

Millionen-Festspiele im Steuerparadies

Es ist ein wenig wie bei der FIFA: Wer Millionen für die weltweiten Antikorruptions-Festspiele verspricht, bekommt den Zuschlag.

CORRECTIV hat von den IACC-Konferenzen nur zu der Veranstaltung in Brasilien intensiv recherchiert. Bei weiteren IACC-Konferenzen besteht noch weniger Transparenz. So gab Transparency International ein Dokument in thailändischer Sprache als Buchprüfung für die IACC in Thailand im Jahr 2010 aus. In dem Papier stand viel über die nationale Antikorruptionsbehörde  – und nur eine Zeile bezog sich auf die IACC, die mit dem Sternchen.

Transparency sagt zur Rechtfertigung, dass im Kampf gegen Korruption nicht zwischen schwarz und weiß zu unterscheiden sei. „Wir versuchen, Dialog zu fördern, manchmal auch mit dem nötigen Anteil Kritik“, sagt Perez Rocha zur Finanzierung durch Regierungen mit fragwürdigem Ruf.

Die nächste Konferenz findet in dem Steuerparadies Panama statt.

Doch erst einmal dürfte Transparency International jetzt mit seinen eigenen Büchern beschäftigt sein.

correctiv-infografik_transparency_151101.png

Für die IACC in Brasilien hat CORRECTIV während der Recherche die folgenden Dokumente als Belege für unsere Ergebnisse zusammen getragen. In den Dokumenten haben wir jeweils mit Kommentaren die wichtigsten Stellen hervor gehoben und kommentiert:


Disclaimer: CORRECTIV-Geschäftsführer Christian Humborg arbeitete bis Herbst 2014 als Geschäftsführer für Transparency International Deutschland. CORRECTIV-Ethikratsmitglied Anne Koch ist seit 2011 als Regionaldirektor Europa und Zentralasien für Transparency International tätig. Weder Christian Humborg noch Anne Koch hatten mit dieser Veröffentlichung und Recherche etwas zu tun.

Artikel

Datenjournalismus bei CORRECTIV

von David Schraven

Wir bei CORRECTIV wollen Datenjournalismus betreiben. Das bedeutet: Wir werden große Mengen an Daten auswerten, um interessierten Bürgern informierte politische Entscheidungen zu ermöglichen. Wir wollen nicht nur zufällig aufgeschnappte Geschichten erzählen. Stattdessen soll unser investigativer Journalismus strukturelle Probleme aufdecken sowie Machtmissbrauch, Misswirtschaft oder Ungerechtigkeiten belegen. Dafür eignen sich nach unserer Erfahrung große Datenmengen ausgezeichnet.

Morgenpost und Tempelhof

Visualisierungen und interaktive Grafiken können komplexe Sachverhalte verständlicher darstellen. Selbst Bebauungspläne werden so lebendig und es wird möglich, ganz konkret über die anstehenden Veränderungen zu diskutieren, anstatt sich über Bleiwüsten den Kopf zu kratzen. Vor Kurzem etwa ging es in Berlin um einen Volksentscheid zur Bebauung des Tempelhofer Flugfelds. Da habe ich zusammen mit dem OKLab Berlin eine Auswertung des Bebauungsplans erstellt. Eine digitalisierte 3D-Ansicht des alten Berliner Flughafens. Diese Arbeit wurde dann von der Berliner Morgenpost aufgegriffen. Der Vorteil der Darstellung: wir haben die geplanten Bebauung anschaulich dargestellt und gleichzeitig Pro und Kontra der anstehenden Entscheidung visualisiert.

Auch die systematische Kartographierung der Machtstrukturen zwischen Politik und Wirtschaft sind uns ein wichtiges Anliegen. Diese Daten sind nicht nur Hilfsmittel bei Recherchen, sondern werden auch Basis für Geschichten sein, die auf herkömmliche Weise gar nicht erzählt werden könnten. Welche Netze gibt es wirklich und wie dicht sind sie? Neben den dicken Bücher über die Strippenzieher im Hintergrund, schaffen wir so eine leicht zu durchschauende Anlayse dessen, was ist. Projekte wie das MachtVZ, oder Lobbyplag dienen als Inspiration für solche Netzwerk-Datenbanken.

Das ist die Art von Journalismus, die wir bei CORRECTIV konsequent betreiben wollen. Journalismus, der direkte Teilhabe an politischen Entscheidungen ermöglicht und komplexe Sachverhalte verdeutlicht.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Lange Zeit musste im Journalismus die Ansammlung von Anekdoten reichen, um ein Gesamtproblem zu beschreiben. Der Journalist hörte von einem Problem, sprach mit einigen Menschen und schrieb seine Beobachtungen auf. Das war keine sichere Grundlage, um zu argumentieren. Es konnte immer heißen: „Das sind nur Einzelfälle.“

Wenn wir nun große Datensätzen zusammenstellen und analysieren, machen wir Anekdoten quantifizierbar. Wir scrapen Daten aus dem Netz, beantragen ganze Datenbanken bei Behörden oder legen unsere eigenen Verzeichnisse an.

Dann können wir uns auf einen Schlag Tausende, vielleicht sogar Millionen von Anekdoten anschauen. Damit legen wir Strukturen offen, über die zuvor niemals jemand nachgedacht hat. Wir suchen hinter Einzelfällen die Regel. Es entsteht eine Art evidenzbasierter Journalismus, ein Journalismus, der nach Beweisen in den Datensammlungen sucht.

Daten sind dabei für uns aber nicht nur Nummern und Zahlen – hinter jedem Eintrag, hinter jeder Zahl steckt oft die Geschichte eines Menschen. Auch diese Geschichten wollen wir, wann immer das möglich ist, erzählen.

Damit wollen unseren Lesern und Nutzern helfen, das Problem zu erfassen. Betrifft es sie? Wenn ja, wie sehr? Und was können sie dagegen tun? Das sind Fragen, die nach unserem Verständnis im besten Fall jeder Leser individuell für sich selbst beantworten sollte. Klassisches Beispiel solcher Recherchen ist das Projekt Dollars for Docs von ProPublica. Dort konnten US-Amerikaner nachschauen, wie viel Geld ihr Hausarzt von welchen Pharma-Firmen bekommen hat und damit einen Eindruck davon bekommen, wie interessensgeleitet die jeweilige Behandlung ist.

Artikel

Wir Stellen Ein

von David Schraven

Wir suchen Mitarbeiter: Bewerber — egal ob Mann oder Frau — sollten über ausreichend Erfahrung verfügen im Umgang mit vertrackten Sachverhalten, umfangreichen Recherchen, komplizierten Informanten, verärgerten Pressesprechern, zornigen Vorstandschefs und Ansprechpartnern, die den Telefonhörer aufknallen.

Unser Kandidat sollte wenigstens einmal in seinem Leben damit gedroht haben, seinen Job zu schmeißen, weil seine Texte völlig wirr gekürzt wurden. Er sollte nicht verstehen können, wenn jemand einen PR-Mitarbeiter als vollwertige Quelle ansieht.

Wir wollen Geschichten ans Licht bringen, an die sich kaum ein anderer herantraut: weil sie zu kompliziert erscheinen, weil sie nicht sexy sind, weil sie langwierig vor sich hin dümpeln oder keinen einfachen Erzählstrang haben, mit Protagonist, Heldentat und Heilung. Wir wollen Projekte durchziehen, die Strukturen hinter relevanten Problemen offen legen; Dinge, die uns alle angehen.

Unser Kandidat weiß genau, dass diese Aufgabe verdammt hart und frustrierend ist; dass es hier um einen Job geht, in dem man kiloweise Papier wälzt und nächtelang Datenbanken von Hand füttert; in dem man Dokumente in aufwendigen Verfahren beschafft, während andere das Zeug von Pressestellen geschenkt bekommen. Unser Kandidat weiß, dass man am Ende von Niemandem gelobt, dafür aber von gut bezahlten Rechtsanwälten bedroht wird.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Wenn Sie das alles nicht abgeschreckt; wenn Sie keine Angst haben vor Ringen unter den Augen, vor Fahrten in die tiefste Provinz und vor einem viel zu kleinen Büro. Wenn Sie keine Bange haben vor Konzernchefs und deren Rechtsabteilungen. Wenn sie gut damit leben können, dass ihnen einige der mächtigsten Menschen im Land die Pest an den Hals wünschen. Dann könnten Sie bei uns richtig sein.

Das einzige, das wir Ihnen im Gegenzug für dieses journalistische Paradies bieten, ist ein angemessenes Gehalt und die Gesellschaft von ein paar Journalisten, die sich für ihre Geschichten begeistern, die unsere Leser, Nutzer und Mitglieder faszinieren sowie hin und wieder unsere Gesellschaft zum Positiven verändern sollen. Diese Hoffnung geben wir nicht auf.

Wenn Sie Interesse haben, schicken Sie uns Ihre Bewerbung samt Lebenslauf und Arbeitsproben bitte an:

bewerbung (at) correctiv.org

informationen_fuer_mehr-1

Artikel

Mehr Information Für Mehr Demokratie

von Daniel Drepper

Wir bei CORRECTIV sind Experten für Informationsfreiheit und Auskunftsrechte. Unsere Mitarbeiter setzen sich seit Jahren dafür ein, dass deutsche Behörden transparenter werden. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter: Wir werden diese Auskunftsrechte nicht nur journalistisch nutzen, sondern Ihnen als Bürgern zeigen, wie sie sich wichtige Informationen selbst besorgen.

Je mehr Transparenz, desto besser lässt sich die Arbeit von Volksvertretern und Beamten beurteilen. Und desto unwahrscheinlicher ist es, dass hinter den Kulissen Geschäfte gemacht werden, die gut für einzelne Beteiligte, aber schlecht für uns alle sind.

Die Mitarbeiter von Behörden arbeiten zu einem einzigen Zweck: Um uns Bürgern zu dienen. Jede Information, jedes Dokument und jeder Datensatz in einer Behörde gehört denen, die dafür bezahlen: den Bürgern. Grundsätzlich muss alles, was in Behörden passiert, öffentlich sein. Nur wenn schwerwiegende Gründe gegen völlige Transparenz sprechen, können einzelne Informationen geheim bleiben.

Alles muss transparent sein

Wenn Informationen zurückgehalten werden, müssen Regierung und Behörden dies entsprechend begründen. Nur wenn diese Begründung Sinn ergibt, ist Geheimhaltung gerechtfertigt. Das gleiche gilt übrigens für Einrichtungen, die aus Steuermitteln bezahlt werden und Aufgaben für uns Bürger erledigen. Dazu gehören privatisierte Stadtwerke, die Müllabfuhr oder wissenschaftliche Institute, die mit Steuergeld forschen. Nur wenn all diese Informationen öffentlich sind, können Machtmissbrauch und Steuerverschwendung aufgedeckt werden – und im besten Fall sogar gleich vermieden.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Seit acht Jahren gibt es in Deutschland ein Informationsfreiheitsgesetz, das diese Transparenz sicherstellen soll. Dazu gibt es zahlreiche andere Regelungen, die Bürgern den Zugang zu Informationen ermöglichen. Einige Behörden betrachten Informationen, Dokumente und Daten aber immer noch als ihr Eigentum. Wir wollen dabei helfen, dass sich dies ändert.

Auskunftsrechte wie das Informationsfreiheitsgesetz sind nicht nur ein Mittel der journalistischen Recherche, sie sind ein grundlegendes Mittel, um Demokratie zu stärken. Werden diese Rechte beschnitten, ist das ein schlechtes Zeichen für die Demokratie. Werden sie ausgebaut, ist das gut für alle. Wir werden uns deshalb zur Aufgabe machen, die Auskunftsrechte zu stärken und zu verbreiten, auch in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Wir wollen den Weg frei machen für andere. Je mehr Menschen die ihnen zustehenden Informationen einfordern, desto eher wird Transparenz zur Normalität.

Mehr Infos für alle Bürger

In den USA werden jedes Jahr hunderttausende Anträge nach dem Informationsgesetz gestellt. Der Freedom of Information Act, rund fünf Jahrzehnte alt, ist auch in den Vereinigten Staaten längst nicht perfekt. Aber die Informationsfreiheit wird dort besser genutzt. Sie ist im journalistischen Alltag verankert und auch normale Bürgern wissen zum Teil über ihre Rechte Bescheid. Hier in Deutschland werden noch immer nur ein paar tausend Informationanfragen pro Jahr gestellt. Viele von Anwälten, für Unternehmen.

Wir aber wollen mehr freie Informationen für alle Bürger. Als Mitglied von CORRECTIV helfen wir Ihnen deshalb dabei, Ihre Rechte durchzusetzen. Wenn Sie Informationen von Ihrer lokalen Behörde haben wollen, fragen Sie uns um Hilfe. Wir sind gerne für Sie da. Lassen Sie uns gemeinsam für mehr Transparenz sorgen.

Hier werden Sie CORRECTIV-Mitglied.

Artikel

Wir Kooperieren Mit FragDenStaat.de

von David Schraven

Wir haben gerade eine strategische Kooperation mit der Auskunftsrechteplattform FragDenStaat.de vereinbart. Unser gemeinsames Ziel: Wir wollen den Bürgern dabei helfen, ihre Auskunftsrechte gegenüber dem Staat effektiver wahrzunehmen.

Wie das gehen soll? Nun: Die Auskunftsrechteplattform FragDenStaat.de wird von der Open Knowledge Foundation Deutschland betrieben. Über die Plattform können Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen (IFG) einfacher an Behörden und Ämter gestellt werden kann. Es gibt Vorlagen für Anträge und jede Menge Erfahrungen mit dem IFG. Wir können Probleme bei der Antragstellung herausarbeiten und so frühzeitig aus dem Weg räumen. Dadurch, dass Fragen und Antworten transparent dokumentiert werden, kann man die Auskunftsbereitschaft von Behörden offen legen – und so bei Bedarf gezielt Druck machen, um langfristig Behörden zur Transparenz zu verpflichten. „Wir wollen mit der Plattform das Thema Informationsfreiheit insgesamt stärken“, sagt Stefan Wehrmeyer, Vorstand der Open Knowledge Foundation Deutschland und Mitarbeiter von CORRECTIV.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Wir werden FragDenStaat.de in unser Programm zur Verbreitung des Informationsfreiheitsgedanken eng einbinden. Wir wollen die Plattform in unsere Schulungen einbauen, wenn wir vor Ort bei den Bürgern sind, um Ihnen dabei zu helfen, ihre Auskunftsansprüche durchzusetzen. Wir wollen Ihnen anhand der vielen Praxisbeispiele zeigen, wie sinnvoll es ist, Informationsrechte zu nutzen, und welche Erfolge man damit erzielen kann. Wir wollen aber auch zeigen, wo Fallstricke liegen und welche Fragen man sich besser schenken sollte. Wir wollen Ihnen damit helfen, sich selbst vor Ort zu helfen. Wir wollen Ihnen den Rat geben, den sie brauchen, um sich selbst die Informationen aus ihrem Rathaus zu beschaffen, wenn es etwa um Straßenbau, Gewerbeansiedlungen oder Großprojekte geht. Das Amtsgeheimnis war gestern. Heute nehmen mündige Bürger ihre Informationsrechte selbstständig wahr.

Wir bauen unser Programm weiter aus. Wie es weiter geht, erklären wir nach und nach.

Artikel

Wir Suchen Web-Entwickler

von David Schraven

Wir suchen weiter Leute — egal ob Mann oder Frau. Jetzt brauchen wir einen Mediengestalter, Online-Geschichtenerzähler, Coder mit grafischer Erfahrung. Sprich jemanden, der in der Lage ist das Netz zum Leben erwachen zu lassen.

Unser Kandidat ist ein Web-Entwickler mit Fokus auf modernes HTML/CSS und JavaScript (Frontend). Unser Kandidat hat außerdem Erfahrungen im Management von Softwareprojekten als Product Owner und weiß, was Python-basierte Web-Frameworks sind und kann damit spielend umgehen. Unser Kandidat wird als erste Aufgabe die Konzeption und Entwicklung eines wichtigen und umfangreichen Softwareprojekts betreuen und im Frontend unterstützen.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Man könnte den Job umschreiben als Zorro vom Dienst: Die Aufgabe ist spannend, die Anforderungen extrem und die Erwartungen riesig. Unser Kandidat wird etwas Großes aufbauen. Einsatzort ist Berlin.

Wenn Sie Interesse haben, schicken Sie uns Ihre Bewerbung samt Lebenslauf und Arbeitsproben bitte an:

bewerbung (at) correctiv.org

Artikel

Unser neuer Mann: Christian Humborg

von David Schraven

Wir haben einen neuen, einen zweiten Geschäftsführer. Und zwar kommt Christian Humborg zu uns. Bisher war Christian Geschäftsführer von Transparency International Deutschland; uns wird er ab November unterstützen. Wir freuen uns auf die Verstärkung. Das ist genau der richtige Mann für uns. Christian wird zukünftig die kaufmännische Leitung übernehmen, David wird journalistischer Leiter.

„CORRECTIV soll die führende gemeinnützige Organisation für investigativen, aufklärenden Journalismus in Deutschland werden und Missstände in der Gesellschaft aufdecken“, sagt Christian. Dazu will er Menschen und Institutionen als Unterstützer gewinnen. Eine transparente Mittelverwendung und Rechenschaftslegung sind für ihn dabei unerlässlich.

Christian wird nicht nur die 3 Millionen Euro Anschubfinanzierung von der Brost-Stiftung verwalten, sondern er wird sich auch um  Mitglieder- und Spendenwachstum kümmern. „Wir brauchen eine stabile und ausreichende Finanzierung. Da wir sehr viel vorhaben, ist eine spürbare Erhöhung weiterer Spenden und Einnahmen ganz zentral.“

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Christian ist promovierter Betriebswirt. Er gilt als Experte für den Ausbau von Non-Profit-Organisationen. Er hat zuvor 8 Jahre lang Transparency International in Deutschland geleitet. Die deutsche Sektion von Transparency International wurde unter ihm zur wichtigsten Institution für Transparenz in Politik und Wirtschaft. Der Schwerpunkt der zivilgesellschaftlichen Organisation liegt darin, Integritätssysteme zu stärken, um Korruption zu verhindern und zu bestrafen.

„Ich habe mit großem Interesse die Gründung von CORRECTIV verfolgt. Der Mediensektor und die organisierte Zivilgesellschaft verändern sich beide rasant. CORRECTIV ist genau an der Schnittstelle“, sagt Christian. Die Entscheidung, die „spannendste Neugründung des Jahres“ zu begleiten, sei ihm leicht gefallen. Der Ausbau des investigativen Recherchebüros wird für Christian zur wichtigsten Herausforderung der nächsten Jahre.

Vor seiner Arbeit bei Transparency International Deutschland war Christian unter anderem für die Anwaltskanzlei Freshfields und für Plato Kommunikation, eine Tochter von Scholz&Friends, tätig. Neben weiteren Arbeitsfeldern ist er Mitglied beim Autorenblog Carta.

Wir freuen uns über Christians Einstand!

Artikel

Nimmt CORRECTIV anderen die Aufträge weg?

von Daniel Drepper

Wir zerstören den Markt, weil wir unsere Recherchen verschenken. Unsere „Steal our Stories“-Politik stiehlt freien Journalisten die Arbeit. Das haben uns Kollegen in den vergangenen Wochen hin und wieder vorgeworfen. Doch das ist falsch. CORRECTIV ist keine Konkurrenz für Freie. Im Gegenteil: Wir schaffen Arbeit, wo vorher keine war.

Ausnahmslos alle Reporter von CORRECTIV haben in der Vergangenheit als freie Journalisten gearbeitet, manche kürzer, die meisten länger. Ich arbeite seit 13 Jahren als Journalist. In dieser Zeit war ich bis zum Start von CORRECTIV insgesamt nur ein Jahr lang fest angestellt, als knapp bezahlter Volontär. Ich weiß, dass es immer schwieriger wird, als freier Journalist zu leben. Die Bezahlung ist oft eine Lachnummer.

Zwei Beispiele:

1) Für ein großes deutsches Onlinemedium habe ich vor Jahren eine Geschichte über einen dopenden Amateur-Radsportler geschrieben. Ich begleitete ihn zum ersten Rennen nach der Sperre, besuchte ihn in seinem Heimatdorf, telefonierte stundenlang.

Der Text hat mich geschätzt zwei Wochen gekostet und war fast 10.000 Zeichen lang. Am Ende gab es 180 Euro. Dem Medium mache ich keinen Vorwurf: Die Bezahlung liegt auf einem üblichen Niveau für die größten deutschen Zeitungen und Online-Medien. Nur extrem wenige Medien in Deutschland zahlen mehr, die allermeisten noch viel weniger.

2) 2010 fuhr ich zu den Paralympischen Winterspielen in Vancouver. Neben ARD und ZDF arbeiteten vielleicht zehn deutsche Reporter vor Ort, ich war vermutlich der einzige freie. Ideale Situation. Ich habe mich zugeworfen mit Aufträgen. Für Spiegel-Online, Zeit-Online, ZDFonline, die Frankfurter Rundschau und diverse Regionalzeitungen. Ich war jung und brauchte das Geld.

Wochen vor den Spielen habe ich Stories vorbereitet. Zwischendurch besuchte ich zwei oder drei Tage lang keinen einzigen Wettbewerb. Ich produzierte Geschichten, vom Schreibtisch im Hotelzimmer, am Fließband. Rausgegangen bin ich zum Essen und Cola kaufen. Ich habe in zehn Tagen vielleicht 40 Stunden geschlafen. Nach Hause geflogen bin ich mit knapp 4000 Euro. Ohne ein Stipendium für Flug und Hotel wäre mir davon kein einziger Euro geblieben.

Wer als freier Journalist recherchiert, zahlt drauf. So einfach ist das.

Wir haben alle schon solche aufwändigen Geschichten gemacht, aber das ist keine dauerhafte Lösung. Größere Recherchen – zur Sportförderung oder zum Fußballdoping – konnte ich in der Vergangenheit nur machen, weil ich drei Jahre lang in Teilzeit beim Recherche-Ressort der WAZ angestellt war.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

CORRECTIV ist ein Modell unter vielen, das es in Zukunft ermöglichen wird, wieder richtig, unabhängig und langfristig zu recherchieren.

Die Recherche zu Marco Russo, in vier Ländern und auf vier Sprachen, hätten wir als freie Journalisten niemals leisten können. Noch weniger wären wir in der Lage, große Datenprojekte anzuschieben, lange Recherchen zu auf den ersten Blick wenig aufregenden Themen – wie den Sparkassen – zu starten oder interessierte Bürger fortzubilden.

Investigativer Datenjournalismus ist als freier Journalist schlicht nicht möglich.

Unsere Geschichten stellen wir kostenlos zur Verfügung, weil wir die Missstände, die wir aufdecken, abstellen wollen. Dafür brauchen die Stories eine möglichst große Reichweite.

Wir sind gemeinnützig, wir arbeiten nicht für Medien, sondern für die Gesellschaft. Damit nehmen wir freien Kollegen nicht die Arbeit weg: Die Stories wären ohne uns nie recherchiert worden.

Im Gegenteil: Wir beschäftigen schon jetzt viele Kollegen in Vollzeit, die vorher frei gearbeitet haben. Dazu holen wir Pauschalisten für langfristige Projekte. Wir schaffen Arbeitsplätze, dadurch wird auch der Markt für andere Freie wieder breiter.

Mittelfristig wollen wir zudem mit freien Kollegen zusammenzuarbeiten und Rechercheprojekte fördern – inklusive fairer Bezahlung. Dafür entwickeln wir gerade ein Modell.

Wir zerstören den Markt nicht, wir füllen Lücken.

Und wir freuen uns über jeden freien Kollegen, der mit einer tollen Recherche zu uns kommt, die er bislang wegen fehlender Ressourcen nicht umsetzen konnte.

Artikel

Columbia J-School: Infosession bei CORRECTIV

von Daniel Drepper

Wir bei CORRECTIV bekommen Besuch aus New York. Christine Souders kommt am kommenden Donnerstag vorbei, Associate Dean of Admission and Financial Aid der Columbia University Graduate School of Journalism. Eingeladen sind alle, die Interesse haben, in New York Journalismus zu studieren. Christine wird über das Programm der Columbia sprechen, über Stipendien und das Bewerbungsverfahren.

Das einjährige Masterstudium an der Columbia Journalism School gilt als die beste Journalistenausbildung der Welt – und die mit dem meisten Prestige. Die Schule war lange Jahre als zu traditionell kritisiert worden, das Programm richte sich nicht nach den Anforderungen des digitalen Journalismus. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Es gibt neben den klassischen M.A.- und M.S.-Masterprogrammen auch spezielle Ausbildungen für investigative Journalisten, für Datenjournalisten oder eine Dual-Degree-Ausbildung in Journalism und Computer Science.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Erste Informationen gibt es auf journalism.columbia.edu – wer aber mehr wissen will, kommt am Donnerstag in das CORRECTIV-Büro in der Singerstraße 109 in 10179 Berlin-Mitte. Christine wird von 17 bis 19 Uhr Fragen beantworten. Dazu werden voraussichtlich neben mir noch ein paar weitere Alumni der Columbia J-School da sein, die bei Rückfragen auch nochmal persönliche Eindrücke vermitteln können.

Wer dabei sein will registriert sich spätestens am Montag. Wir freuen uns auf Euch.

[Update, 23. September 9.55 Uhr] Die offizielle Anmeldefrist ist zwar vorüber und wir freuen uns über den Zuspruch, wir haben aber trotzdem noch ein wenig Platz. Wer also noch kommen mag, schreibt bitte eine E-Mail an daniel.drepper (at) CORRECTIV und Diane Nguyen von der Columbia unter dxn2101 (at) columbia.edu.

Veranstaltung

Cryptoparty am Montag, 29. September

von Julia Brötz

“Deine privaten Mails würd’ ich gerne lesen.”
“Nö, geht dich doch nichts an.”

Sicher im Netz kommunizieren geht, wenn man weiß wie. CORRECTIV veranstaltet am kommenden Montag eine Cryptoparty: Wir erklären Euch, wie Ihr E-Mails verschlüsselt, sicher chattet und im Internet surft, ohne Spuren zu hinterlassen.

Im Fernsehen wirbt im Moment die Initiative „E-Mail made in Germany“. Die Anbieter WEB.DE, Telekom und GMX versprechen Kunden sicheren Mail-Verkehr. Doch wenn Behörden oder Polizei anklopfen, werden die Nachrichten weiterhin herausgegeben. Und auch die Technik hinter der Datenübertragung bleibt undurchsichtig. Tschüss NSA, hallo Herr Schäuble.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Jeder, der sich das Passwort zu einem E-mail-Konto verschafft — ob Hacker oder beleidigte Ex-Freundin — kann die dort enthaltenen Nachrichten lesen. Von gelangweilten Mitarbeitern des Anbieters oder neugierigen Geheimdienstlern ganz zu schweigen. Wer dagegen verschlüsselt im Netz agiert, macht es ungebetenen Gästen deutlich schwerer, die privaten Inhalte zu knacken. Der eigene Text wird dabei in unlesbare Zeichen verwandelt — eine Geheimsprache, die nur derjenige, für den die Nachricht bestimmt ist, entziffern kann.

In der „Post-Snowden-Ära“ ist das Thema Datenschutz präsenter als je zuvor. Die Verschlüsselung und Sicherung von Informationen — kurz Kryptografie — ist keine Geheimwissenschaft mehr. Open-Source-Programme wie die GPG Suite oder das Gpg4win für E-Mails, Off-the-Record Messaging oder pidgin für Instant-Messaging sind frei zugänglich. Ihre Einrichtung erfordert lediglich ein wenig Geschick und Zeit. Danach ist es ein Kinderspiel, geschützt im Netz zu verkehren.

Für alle, die sich nicht alleine durch nerdige Wikis kämpfen wollen, bietet CORRECTIV am kommenden Montag, 29. September, eine Informationsveranstaltung an. Unser Kollege Sebastian Vollnhals führt Euch durch die Geschichte und Basics der Kryptografie, erklärt die besten Tools und Tricks und liefert praktische Anleitungen. Wer mag, kann direkt Computer oder Handy zücken. Vielleicht sind bis zum Ende des Abends schon die ersten Schlüssel ausgetauscht.

Wir freuen uns auf Euch, am Montag ab 19 Uhr in unserem Berliner Büro in der Singerstraße 109. Meldet Euch zu unserem Facebook-Event an oder schreibt eine Mail an mich unter events (at) correctiv.org.

Artikel

CORRECTIV wird Mitglied des Gijn

von David Schraven

Wir sind Mitglied des Global Investigative Journalism Network geworden. Das freut uns sehr. Das GIJN ist ein Verbund von non-profit Organisationen, die sich weltweit um neue Formen des investigativen Journalismus bemühen. Wir haben über das Netzwerk Kontakt zu Kollegen in ganz Europa, in Afrika, in Asien, in Nord- und Südamerika.

Der Austausch im Netzwerk ist sehr lebendig. Immer wieder schließen sich Gruppen zusammen, um einzelne Themen zu recherchieren oder langfristige Kooperationen zu schmieden. Die Idee dahinter ist einfach: wenn die bösen Jungs global agieren, müssen auch wir mit der Aufklärung Grenzen überschreiten. Wir können uns keine Egoismen erlauben, wir müssen zusammenarbeiten und uns gegenseitig helfen. Die Idee des Datenjournalismus und Computer Assisted Reporting hat entscheidende Impulse über das GIJN bekommen.

Die Idee des GIJN ist keine heiße Luft. Wir haben über das Netzwerk langfristige Kooperationen mit IRPI und den Kollegen Giulio Rubino und Cecilia Anesi aufgenommen. Wir arbeiten mit Nils Mulvad aus Dänemark zusammen und mit vielen anderen Kollegen aus der ganzen Welt. Alle zwei Jahre kommen alle zusammen, um sich zur GIJC zu treffen — der Global Investigative Journalism Conference. 2013 waren wir in Rio de Janeiro. Es ist die beste Konferenz ihrer Art. Es gibt Workshops, in denen internationaler Waffenhandel direkt am Beispiel aufgeklärt wird. Wahnsinn. Im kommenden Jahr treffen wir uns in Norwegen.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Executive Director des GIJN ist David Kaplan. Er sitzt in Washington. David hat lange Jahre Erfahrungen als investigativer Journalist gesammelt. Er war Chief Investigative Correspondent für den damals als Wochenzeitung erscheinenden U.S. News & World Report und Editorial Director des Center for Public Integrity. Zudem hat David als Director des International Consortium of Investigative Journalists gearbeitet.

Gabriela Manuli unterstützt David bei seiner Arbeit als Stellvertretende Direktorin. Als gebürtige Argentinierin hat Gabriela ihren Stützpunkt in Europa. Sie hat zuvor als Redakteurin für die spanischsprachige Ausgabe des International Center for Journalists gearbeitet.

Geführt wir das GIJN von einem gewählten 15-köpfigen Vorstand, dem Leute aus Mitgliedsorganisationen aller Kontinente angehören.

Wir freuen uns, Teil dieses Netzwerkes sein zu dürfen.

Artikel

CORRECTIV veröffentlicht Quartalsbericht

von David Schraven

Wir veröffentlichen morgen unseren ersten Quartalsbericht. Mit diesen Berichten wollen wir unsere Mitglieder über die Entwicklung unserer Organisation auf dem Laufenden halten und gleichzeitig größtmögliche Transparenz üben.

Wir legen unsere Ausgaben- und Einnahmestrukturen offen. Wir geben möglichst genau Auskunft über die Arbeit an unseren Projekten. Wir geben einen Ausblick auf unsere zukünftige Entwicklung. Und unsere Mitarbeiter erklären, in welchen Clubs und Vereinen sie Mitglied sind.

Im ersten Quartal lief es nach unseren Ansprüchen ganz gut. Wir konnten mit den Spendengerichten und den Kredithaien zwei größere Veröffentlichungen platzieren, unsere Struktur entwickeln und mehrere große Projekte anstoßen, die in den kommenden Monaten verwirklicht werden.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Wir haben rund 190.000 Euro ausgegeben, denen rund 350.000 Euro Einnahmen gegenüber stehen.

Damit stehen wir stabil da und können die nächsten Entwicklungsstufen angehen. Durch Neueinstellungen wächst unser Kostenapparat, aber wir sind zuversichtlich, diesen durch zusätzliche Einnahmen refinanzieren zu können.

Der Quartalsbericht ist nur für Mitglieder gedacht und erscheint im eBook-Format. Er wird am Montag, den 6. Oktober, unseren Mitgliedern per Email zugesendet. Später werden die Mitglieder unsere Quartalsberichte in unserer Community herunterladen können.

Wer noch Mitglied werden will, kann das gerne tun. Klick

Artikel

Einladung: Stammtisch am Dienstag, 21. Oktober

von Julia Brötz

Der Berliner Stammtisch des netzwerk recherche kommt zu uns. Am 21. Oktober sind alle Journalisten, Rechercheure und Interessierte ab 19 Uhr herzlich eingeladen, in unserem Büro in entspannter Runde ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich wird Lars Marten Nagel, Mitglied im Investigativ-Team der „Welt“-Gruppe, Einblicke in seinen Alltag als Reporter geben. Der Journalisten-Stammtisch wird ab sofort jeden Monat bei CORRECTIV zu Gast sein.

Journalisten leben von ihren Kontakten: Unabhängige, sorgfältig recherchierte, große Geschichten sind in Kooperationen oft einfacher als im Alleingang. CORRECTIV und netzwerk recherche setzen genau dort an. Wir ermöglichen Recherchen, die der Allgemeinheit dienen. Gemeinnützigkeit statt Profit, Kollaboration statt Ego. Mit einem monatlich stattfindenden Stammtisch möchten wir einen Ort schaffen, an dem wir uns ungestört austauschen und gemeinsame Projekte anstossen können.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Mit Lars Marten Nagel konnten wir für den ersten nr-Stammtisch bei CORRECTIV einen Sprecher gewinnen, dessen Recherchen Missstände in unserer Gesellschaft offen legen. Für das Investigativ-Ressort der „Welt“ berichtet der Reporter regelmäßig über dubiöse Geschäftspraktiken, Internet-Imperien, Cyberkriminalität und Politikskandale. Zuletzt hat er die katastrophalen Zustände in deutschen Flüchtlingsheimen aufgedeckt – und dabei erschreckende Verbindungen zur Staatssicherheit der DDR ausgemacht. 2011 ist Lars mit dem Otto-Brenner-Preis ausgezeichnet worden.

Damit wir absehen können, wer an unserem Stammtisch am 21. Oktober teilnehmen wird, bitten wir um eine kurze Anmeldung per Mail an events (AT) CORRECTIV oder über unser Facebook-Event.

netzwerk recherche Stammtisch
Dienstag, 21.10.2014
19 Uhr
Singerstraße 109, 10179 Berlin