Bewertung: völlig falsch

Keine Wahlmanipulation durch Druckfehler auf bayerischen Wahlunterlagen

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Wahlunterlagen (Symbolbild). Quelle: webandi / pixabay

von Tania Röttger

Im bayerischen Bernau am Chiemsee gab es Probleme mit den Wahlbenachrichtigungen. Beim Absender stand die falsche Postadresse.

Über den Druckfehler berichtete Focus Online am 1. Oktober, mit dem Titel: „Falsche Postleitzahl gefährdet Zustellung von über tausend Wahlbriefen in Bayern“. Die Behauptung, der Fehler könne die Abstimmung gefährden, die auch im Text steht, ist jedoch Spekulation und unbegründet.

Kurz nach dem Focus Online Artikel, auch am 1. Oktober, veröffentlichte Halle Leaks den Text: „Vorprogrammierter Wahlbetrug in Bayern. Nicht zugestellte Briefwahlstimmen werden mit Grün aufgefüllt.“ Dazu die Behauptung, dies würde die hohen Umfragewerte der Grünen erklären. Beide Behauptungen im Titel sind falsch. Diesen Text übernahm die Kopierseite News for Friends am 14. Oktober.

Druckfehler

Zunächst zu den Problemen in Bernau. Im Gemeindeamt beantwortet Martina Pollinger Fragen dazu, seit die Sache bekannt wurde haben sich schon viele Journalisten bei ihr gemeldet.

Am Donnerstag vor der Wahl bestätigt Pollinger am Telefon: Auf den Wahlunterlagen hatte der Absender die falsche Postleitzahl – statt „83233 Bernau am Chiemsee“ stand dort „93233 Bernau am Chiemsee“. Wer also Briefwahlunterlagen bestellen wollte, lief Gefahr, die falsche Postleitzahl auf den Rücksende-Briefumschlag zu schreiben.

Als der Fehler bekannt wurde benutzten Pollinger und ihre Kollegen verschiedene Plattformen – ihre Webseite, lokale Medien – um die Wähler auf den Druckfehler aufmerksam zu machen. Sie sprach auch mit dem Wahlleiter der ihr bestätigte, dass die Wahlunterlagen trotzdem gültig waren.

Screenshot von der Webseite der Gemeinde Bernau am Chiemsee.

Außerdem kamen im Wahlamt auch Briefe mit der falschen Postleitzahl an, berichtet Pollinger. Das haben ihr dortige Mitarbeiter bestätigt. Insgesamt gab es wohl weniger als fünf Fälle, in denen Leute die falsche Postleitzahl übernommen haben. Das ist nicht verwunderlich, schließlich hat ganz Bernau dieselbe.

Screenshot der Email von Martina Pollinger, 12. Oktober 2018

Anders als Focus Online im Titel behauptet war die Zustellung der Briefwahlunterlagen also nicht gefährdet.

Kurz: Das Problem war in der Praxis kein Problem.

Grüne profitieren? Nein

Auf die Behauptung, die Grünen würden davon profitieren reagiert Pollinger mit Unverständnis. „Das stimmt ja überhaupt nicht“, sagt sie, „das muss man entschieden zurückweisen.“ Tatsächlich gibt es keine Belege für die Behauptung. Weder bei Halle Leaks noch bei Focus Online und auch nicht bei News for Friends.

Unsere Bewertung:
Die Behauptungen sind falsch. Es gibt weder Hinweise dafür, dass Briefwahlunterlagen nicht angekommen sind, noch dafür, dass die Grünen dadurch Stimmen erhalten haben.

Bewertung: falsch

Spielplatz-Schild in Hannover: Dieses Foto ist eine Fälschung

Spielplatz
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Spielplatz
Das Foto wurde nachträglich bearbeitet und die Aufschrift geändert. (Screenshot: CORRECTIV)

von Simon Wörz

Ein Bild auf Facebook zeigt ein Spielplatz-Schild in Hannover. Darauf steht: „Für Kinder und Kinderinnen.“ Das Foto wurde bearbeitet. Was wirklich draufsteht, erklären wir im Faktencheck.

Am 4. März 2019 teilte die Facebook-Seite „Gegen Til Schweiger und andere Gutmenschen eine Bildmontage von einem angeblichen Schild, das auf einem Spielplatz in Hannover angebracht sein soll. Darauf ist zu lesen: „Spielplatz für Kinder und Kinderinnen. Aufenthalt von 7 bis 20 Uhr gestattet. Über dem Bild steht in roten Buchstaben: „Die Verblödung in Deutsch nimmt massiv Fahrt auf!.

Bei dem Bild handelt es sich um eine Fälschung, die seit 2017 kursiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Beitrag machte bereits 2017 die Runde

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama recherchierten bereits im Oktober 2017 den Ursprung des Bildes und kamen zu dem Schluss, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Redaktion fand das Originalfoto auf der Seite spielplatzfragen.de“. Dort  trägt es die Aufschrift: Für Kinder und Jugendliche.

Das Originalfoto auf der Seite „spielplatzfragen.de“ (Screenshot: CORRECTIV)

Stadt Hannover nannte die Fotomontage eine „Fälschung

Schon am 7. Juni 2017 dementierte die Stadt Hannover über ihren offiziellen Twitter-Account die Echtheit des Fotos. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete am selben Tag von der Fotomontage.

Das Dementi der Stadt Hannover via Twitter (Screenshot CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung, die schon 2017 entlarvt wurde.

Bewertung: falsch

Bilder des Deutschen Bundestages in falschen Kontext gestellt

GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
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GERMANY-POLITICS-PARLIAMENT
Der Bundestag am 24. Oktober 2017. (Foto: John Macdougall / AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz verbreitet sich eine Fotomontage mit falschen Behauptungen.

Die Facebook-Seite „Frauenbündnis Südpfalz“ veröffentlichte am 24. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen: zwei Fotos aus dem Deutschen Bundestag. Auf dem oberen Foto sitzt auf fast jedem Platz ein Abgeordneter. Nur auf der Regierungsbank sitzt niemand. Darüber steht: „Volles Haus Diätenerhöhung“.

Auf dem zweiten Foto der Montage ist es im Parlament deutlich leerer. Die Regierungsbank ist jedoch besetzt. Am Rednerpult steht Alexander Gauland (AfD). Während die AfD-Fraktion offenbar fast geschlossen anwesend ist, sind bei den anderen Fraktionen nur wenige Abgeordnete an ihrem Platz. Über diesem Foto steht in der Montage „bei Rentenerhöhung“.

Die indirekte Behauptung der Montage: Wenn es um Diätenerhöhung geht sind alle Bundestagsabgeordneten anwesend, bei dem Thema Rentenerhöhung nur wenige außer der AfD. Tatsächlich stammen die Bilder jedoch aus Bundestagssitzungen zu ganz anderen Themen.

Facebook-Beitrag vom 24. Februar 2019 mit falschen Behauptungen (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche mit schnellem Ergebnis

Wir haben recherchiert, was hinter den Bildern aus dem Bundestag steckt. Per Bilder-Rückwärtssuche lässt sich das obere Bild schnell zuordnen – allerdings in einen völlig anderen Kontext als in der Fotomontage behauptet.

Google-Rückwärtssuche zu der Fotomontage (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild stammt aus einer Pressemeldung der Bundesregierung vom 24. Oktober 2017 anlässlich der Konstituierung des 19. Bundestages. Das heißt: An diesem Tag kam das neu gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages zusammen.

Bild von der Website der Bundesregierung (Screenshot: CORRECTIV)

Warum die Regierungsbank leer blieb

Das erklärt erstens, warum nahezu alle Plätze belegt waren und zweitens, warum die Regierungsbank auf dem Bild leer ist. Denn die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Regierung sitzen wie alle anderen im Plenum. Der Grund: Mit der konstituierenden Sitzung endet auch offiziell die vorherige Amtszeit der Kanzlerin. Die Regierung bleibt nur geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung gebildet ist.

Erst am 14. März 2018 wurde Angela Merkel als Kanzlerin wiedergewählt und saß ab dann gemeinsam mit den neuen Regierungsmitgliedern wieder auf der Regierungsbank. Auch darüber berichtete die Pressestelle der Bundesregierung.

Merkel und Regierungsmitglieder auf der Regierungsbank (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das erste Bilder der Fotomontage zeigt keine Debatte oder Abstimmung zu einer Diätenerhöhung, sondern die konstituierende Sitzung des aktuellen Bundestages am 24. Oktober 2017.

2. Bild: Generalaussprache statt Rentenerhöhung

Auch das zweite Bild stammt nicht, wie behauptet, aus einer Debatte oder Abstimmung zum Thema „Rentenerhöhung“. Zu erkennen ist, dass am Rednerpult Alexander Gauland von der AfD steht. Wenn man bei Google die Suchbegriffe „afd rede gauland bundestag“ eingibt und die Suchergebnisse auf Videos einschränkt, ist einer der ersten Treffer ein zum Foto passendes Video.

Google-Suche nach zum Foto passenden Videoaufnahmen (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto stammt aus der sogenannten Generalaussprache zum Bundeshaushalt 2018 am 4. Juli 2018. Das Protokoll der Sitzung ist online einsehbar. Dort ist auch Alexander Gaulands Rede ab Seite 4690 dokumentiert.

Auf der Webseite des Deutsche Bundestages ist die Rede von Alexander Gauland in einem Video dokumentiert. Eine Aufnahme stimmt mit dem Bild aus der Fotomontage überein. In seiner Rede kritisierte Gauland die Kanzlerin für ihre Migrationspolitik. Das Thema Rente erwähnte er nicht.

Dokumentierte Rede von Alexander Gauland (AfD) auf der Seite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Das Foto stammt von der Generalaussprache des Bundeshaushalt am 4. Juli 2018.

Unsere Bewertung:
Falsch. Beide Fotos sind in falschen Kontext gestellt.

Bewertung: falsch

Todesfall in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Der für Falschmeldungen bekannte Blog Halle Leaks heizt die Stimmung mit irreführender Überschrift und aus dem Kontext gerissenen Textstellen an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Der Mann litt an einer nicht ansteckenden Vorerkrankung.

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung am 18. Februar. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“ Der Mann litt demnach an einer Vorerkrankung, die jedoch nicht ansteckend war.

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Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Der Blog Halle Leaks veröffentlichte am 21. Februar einen Artikel mit der falschen Überschrift: „Hurra, Hurra – Die Ebola ist da.“ Im Text behauptete die Redaktion: „Die Seuchenbehörden und Polizei halten sich bedeckt. Man möchte die Bürger nicht unnötig verunsichern.“

Richtig ist: Seit dem 18. Februar hat die Polizei Wuppertal keine neue Pressemeldung veröffentlicht. Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt der Pressesprecher Alexander Kresta heute am Telefon: „Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen noch nicht vor. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, wird über eine Obduktion entschieden“. Weiterhin gebe es keine Hinweise auf Ebola.

Artikel des Blogs „Halle Leaks“ mit falscher Überschrift vom 21. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Um den angeblichen Ebola-Verdacht zu unterstreichen, zitierte Halle Leaks in dem Artikel auch drei Sätze aus einem Artikel der Welt zum Vorfall: „Der Bereich um den Fundort auf der Schellenbecker Straße in Oberbarmen wurde weiträumig abgesperrt. Feuerwehrleute in speziellen Infektionsschutzanzügen rückten am Sonntagabend an. Sie reinigten und desinfizierten die mit Blut verunreinigten Stellen.“ Das Zitat ist richtig, aber aus dem Kontext gerissen. Denn in dem Welt-Artikel steht im nächsten Absatz: „Die Behörde widersprach Gerüchten von einer hochgefährlichen Ebola-Infektion: Bislang gebe es keine Hinweise auf eine ansteckende Infektionskrankheit.“ Dies erwähnte Halle Leaks nicht.

Auch Boulevardzeitung Express schürte Angst vor Ebola

Die Zeitung Express wählte am 18. Februar für zwei Artikel über den Vorfall ebenfalls irreführende Überschriften: „Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“.

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung die irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“ Später änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der ExpressArtikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.