Faktencheck

Coronavirus: Ja, Deutschland hat Schutzausrüstung nach China geschickt

In einem Artikel wird behauptet, Außenminister Heiko Maas habe medizinische Schutzausrüstung an China verschenkt, kurz bevor das Coronavirus sich in Europa auszubreiten begann. Das Auswärtige Amt hat uns das bestätigt.

von Lea Weinmann

Heiko Maas
Außenminister Heiko Maas habe medizinisches Material an China verschenkt, behauptet ein Artikel. Das ist nach Recherchen von CORRECTIV richtig. (Bild: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa)
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Richtig. Deutschland hat im Februar zweimal medizinische Schutzausrüstung an China geliefert.

Der rechte Blog Journalistenwatch behauptet in einem Artikel vom 29. Februar, Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) habe Schutzkleidung und Desinfektionsmittel nach China verschenkt. Diese Materialien fehlten jetzt angeblich in Deutschland zur Bekämpfung des Coronavirus. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle rund 1.200 Mal auf Facebook geteilt.

Die Tatsachenbehauptungen in dem Artikel stimmen. Das hat das Auswärtige Amt auf Anfrage von CORRECTIV bestätigt. 


Deutschland habe mehrere Tonnen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel an China verschenkt

Außenminister Heiko Maas habe Mitte Februar „großzügig Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und Sprühgeräte an China“ verschenkt, schreibt Journalistenwatch in dem Artikel, der auch auf der Webseite Gute Nacht Deutschland erschienen ist. Insgesamt habe es sich um eine Hilfslieferung von 8,7 Tonnen gehandelt.

Diese fehlten nun in Deutschland, behauptet Journalistenwatch und verweist auf eine Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dieser sagte in einem Interview mit dem ZDF am 27. Februar, man müsse sich „auf eine Knappheit in dem Bereich einstellen“ und erwägte, Schutzausrüstung notfalls zu beschlagnahmen.

Auswärtiges Amt bestätigt zwei Hilfslieferungen an China

Das Auswärtige Amt hat CORRECTIV bestätigt, dass Deutschland zweimal Hilfsmaterialien nach China geliefert hat: Das erste Mal am 1. Februar, als deutsche Staatsangehörige mit einem Flugzeug der Luftwaffe aus Wuhan zurückgeholt wurden. Dabei habe es sich um insgesamt 5,4 Tonnen Verbrauchsmaterial gehandelt, darunter Schutzanzüge, Gummistiefel, Handschuhe, Masken, Schutzbrillen, OP-Hauben und Handschuhe.

Mail des Auswärtigen Amtes
Das Auswärtige Amt bestätigt in einer Mail an CORRECTIV zwei Hilfslieferungen an China. (Screenshot: CORRECTIV)

Die zweite Hilfslieferung am 18. Februar umfasste nach Angaben des Auswärtigen Amts 8,7 Tonnen Material im Wert von mehr als 150.000 Euro. Darunter seien Sprühgeräte für Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung gewesen. Diesen zweiten Transport bis nach Shanghai habe das Auswärtige Amt selbst organisiert und finanziert.

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Grund seien „humanitäre Erwägungen“ und die Eindämmung der Verbreitung in China gewesen

Man habe sich „von humanitären Erwägungen leiten lassen“, begründet das Auswärtige Amt die Hilfslieferungen. „Gleichzeitig darf auch nicht vergessen werde, dass diese deutsche Unterstützung auch in unserem ureigenen Interesse erfolgte. Wir konnten dabei zu einer besseren Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus in China beitragen. Damit konnte die Weiterverbreitung über Chinas Grenzen hinweg erheblich verzögert werden mit der Folge, dass Fälle in Deutschland wohl erst später und auch in geringerer Anzahl eingetreten sind“, heißt es in der E-Mail an CORRECTIV weiter.

Mail des Auswärtigen Amtes
Man habe sich „von humanitären Erwägungen“ leiten lassen, schreibt das Auswärtige Amt zur Begründung. (Screenshot: CORRECTIV)

Zur Frage, wie sich die Hilfslieferungen an China konkret auf die Versorgungslage in Deutschland auswirken, macht das Auswärtige Amt keine genauen Angaben. Es teilte lediglich mit, die Bundesregierung trage „grundsätzlich dafür Sorge, dass Spenden im humanitären Bereich keinen negativen Einfluss auf die Versorgungssituation in Deutschland haben.“

Tatsächlich berichten aktuell Medien, dass Desinfektionsmittel und Schutzmasken, insbesondere für Ärzte, in Deutschland knapp werden. Deutsche Hersteller von Schutzkleidung bitten Kunden um Geduld bei der Bearbeitung ihrer Bestellungen. Der gemeinsame Krisenstab von Bundesinnen- und Bundesgesundheitsministerium hat deshalb am 4. März den Export von medizinischer Schutzausrüstung (Atemmasken, Handschuhe, Schutzanzüge etc.) ins Ausland verboten.

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