Faktencheck

Dieses Foto zeigt keine Särge von Menschen, die in Italien durch das Coronavirus gestorben sind

In mehreren Beiträgen auf Facebook wird ein Foto mit vielen Särgen gezeigt. Angeblich zeigt das Bild die derzeitige Situation in Italien, wo viele Menschen durch das neuartige Coronavirus gestorben sind. Das ist jedoch falsch. Das Foto entstand schon 2013.

von Bianca Hoffmann

Särge Faktencheck
Dieses Foto steht nicht in Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-Krise in Italien. (Collage: CORRECTIV)
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Größtenteils falsch. Das Foto ist alt und hat nichts mit dem Coronavirus zu tun.

Ein Facebook-Nutzer hat am 18. März ein Bild von Särgen veröffentlicht, auf denen Blumen liegen. Dazu schreibt er: „Auch Deutschland wird sich an dieses Bild gewöhnen müssen. Erst recht, wenn weiterhin alle Beschlüsse mit Füßen getreten werden. BITTE BITTE BLEIBT ZUHAUSE, WENN IHR WEITER LEBEN WOLLT.“ Im Bild ist außerdem zu lesen: „Vielleicht ein Grund, dass alle mal Zuhause bleiben. So schauts in Italien aus.“ Der Beitrag wurde inzwischen mehr als 2.000 Mal geteilt. 

Der Beitrag einer anderen Facebook-Nutzerin mit dem gleichen Bild wurde bisher mehr als 2.800 Mal geteilt. 

An dem Aufruf, zu Hause zu bleiben, ist nichts Falsches. Das Bild ist allerdings aus dem Zusammenhang gerissen worden. Es entstand schon 2013. Damals ertranken vor Lampedusa zahlreiche Flüchtlinge. 


Foto hat keinen Zusammenhang zur aktuellen Situation in Italien

Wir haben das Bild bei der Bilderrückwärtssuche von Tineye hochgeladen. Direkt der erste Link führte in die Bilderdatenbank der Foto-Agentur Getty Images

Das Foto wurde demnach von der französischen Presseagentur AFP gemacht. In der Bildunterschrift ist zu lesen: „Diese Särge der Opfer wurden am 5. Oktober 2013 in einem Hangar des Flughafens von Lampedusa gesehen, nachdem ein Boot mit Migranten gesunken ist und mehr als hundert Menschen umgekommen sind.“ Weitere 200 Menschen würden noch vermisst.

Am 3. Oktober 2013 sank vor der Küste von Lampedusa ein Schlepperboot mit Flüchtlingen und Migranten. Fast 500 Menschen aus Somalia und Eritrea waren an Bord, wie es in diesem Medienbericht der Süddeutschen Zeitung heißt. 339 von ihnen konnten nur noch tot aus dem Meer geborgen werden. 

Abgesehen von dem Foto ist die Botschaft der Facebook-Nutzer im Kern richtig. Italien ist bislang nach China das Land mit den meisten Coronavirus-Erkrankungen und -Todesfällen. SARS-CoV-2 hat laut WHO dort bis zum 18. März schon knapp 2.500 Todesopfer gefordert

Angela Merkel rät dazu, Abstand zu anderen Menschen zu halten

In ihrer Rede an die Nation rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 18. März dazu auf: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge!“ (Youtube-Video, ab Minute 9:11). Sie wiederholt in ihrer Rede die Ratschläge von Experten, um eine Infektion zu vermeiden: 

  • gründlich und oft die Hände waschen,
  • 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten,
  • kein Handschlag mehr,
  • kaum noch Kontakte zu Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören.

Das Bild mit den Särgen tauchte übrigens nicht nur in Deutschland auf. Auch in Sri Lanka gibt es Facebook-Beiträge mit dem Foto, die von Faktencheckern aus Sri Lanka überprüft wurden. 

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