Faktencheck

Nein, Alkohol zu trinken tötet das Coronavirus nicht ab

In einer Meldung, die auf Whatsapp kursiert, wird behauptet, ein erhöhter Alkoholkonsum helfe, Coronaviren im Mund- und Rachenraum abzutöten. Das ist falsch. Alkohol macht das Immunsystem anfälliger für Erkrankungen.

von Matthias Bau

photo-1566633806327-68e152aaf26d
Hilft Alkohol gegen das neuartige Coronavirus? Nein, er macht sogar anfälliger für Erkrankungen. (Foto: Gerrie van der Walt / Unsplash)
Bewertung
Frei erfunden
Über diese Bewertung
Völlig falsch. Die Meldung ist eine Fälschung. Alkohol hilft nicht gegen Coronaviren im Mund und Rachenraum.

Auf einem Bild mit Text, welches derzeit vor allem auf Whatsapp geteilt wird, wird behauptet, dass ein erhöhter Alkoholkonsum gegen das Coronavirus hilft. Es wird angedeutet, Alkohol könne die Viren im Rachen abtöten. Die Meldung enthält das Logo des Robert Koch Instituts (RKI) und das Datum 19. März 2020. Darin heißt es: „Ab einer Menge von 100g Alkohol pro Tag soll sich eine ausreichende Desinfizierung im Mund und Rachenraum einstellen […] Wer mehr verträgt soll und darf sogar auch mehr zu sich nehmen.” Dies entspreche der Menge von fünf Bier.

Diese Behauptung ist falsch und das Bild eine Fälschung. 

Die angebliche Meldung vom RKI. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf ihrem Twitter Account erklärte die WHO am 29. März ausdrücklich: „Alkohol zu trinken schützt nicht gegen Covid-19 und kann gefährlich sein.” Das RKI ist zudem nicht die Quelle der Mitteilung: In keinem der Situationsberichte des RKI (Stand 30. März) finden sich Ausführungen zum Thema Alkohol. Insbesondere auch nicht in dem vom 19. März

Die Ärztin Dr. Susanne Huggett erklärte in einem Artikel der Bild-Zeitung: „Wenn wir Alkohol trinken, landet dieser in der Speiseröhre und im Magen-Darm-Trakt und nicht tief in der Lunge und in den Atemwegen, in denen sich das Coronavirus befindet. Die Annahme, dass man sich vor einer Infektion schützen kann, indem man hochprozentigen Alkohol trinkt, ist folglich falsch.” Genauso wenig lässt sich das Virus abtöten, indem man sich mit Alkohol oder Chlor besprüht. Meldungen, die das behauptet hatten, wurden offiziell von der WHO zurückgewiesen

Erhöhter Alkoholkonsum schadet der Gesundheit

Wer 100 Gramm Alkohol pro Tag konsumiert, bringt seine Gesundheit in Gefahr. Einen risikofreien Alkoholkonsum bescheinigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung allen, die nicht mehr als 12 bis 24 Gramm Alkohol am Tag zu sich zu nehmen. Der Wert für Frauen liege bei 12 Gramm; das entspreche einem kleinen Bier oder einem Glas Wein. Männer könnten die doppelte Menge trinken. 

Ab dann jedoch gilt: „Wer die Grenzwerte von 12 bzw. 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag überschreitet, kann seine Gesundheit gefährden. Nicht nur die Leber, nahezu jedes Organ kann durch Alkoholkonsum dauerhaft beeinträchtigt werden.” Und dabei handelt es sich nur um die Langzeitwirkungen des übermäßigen täglichen Konsums. Akut führt er dazu, dass das Immunsystem geschwächt und der Körper anfälliger für Erkältungsviren wird.  

Ist das Coronavirus „alkoholsensibel“?

Warum glauben offenbar dennoch einige Menschen, dass sie sich durch den Konsum von Alkohol desinfizieren könnten? Sie haben möglicherweise eine Aussage des Gesundheitsministers Jens Spahn falsch verstanden. Spahn hatte am am 11. März 2020 auf einer Pressekonferenz, erklärt, das Coronavirus sei „alkoholsensibel”.  

Die Äußerung Spahns fiel, als er über Desinfektionsmittel sprach. Vermutlich bezog er sich auf eine Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 30. März (Seite 2). Dieses hat mitgeteilt, dass Coronaviren „als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, […] empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole oder Tenside” reagieren. Weiter heißt es von Seiten des Instituts, es sei „hoch wahrscheinlich, dass durch diese Substanzen die Virusoberfläche beschädigt und das Virus inaktiviert wird“. Dieses Aussage bezieht sich allerdings auf die Desinfektion von Oberflächen. 

Eine gute Handhygiene und der Abstand zu anderen Menschen bleiben also, wo die Kontaktvermeidung nicht möglich ist, derzeit immer noch die besten Mittel, um sich gegen eine Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. Ein Medikament steht laut der WHO und dem Robert Koch Institut gegen das Virus noch nicht zur Verfügung. „Verschiedene spezifische Therapieansätze – darunter experimentelle Wirkstoffe und bereits zugelassene Medikamente – werden derzeit im Rahmen von Studien geprüft”, schreibt das RKI auf seiner FAQ-Seite.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
Wir recherchieren zu Missständen in der Gesellschaft, bieten Bildungsprogramme an und setzen uns für Informationsrechte und Pressefreiheit ein.
Unterstützen Sie uns dabei

Auf die gefälschte Meldung bei Whatsapp haben uns Leser hingewiesen. Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Um sie effektiv zu bekämpfen, sind wir auf Hilfe angewiesen. In unserem CrowdNewsroom zum Coronavirus kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht.