Faktencheck

Räuber mit chemisch behandelten Masken? Der Polizei ist bisher kein solcher Fall bekannt

Auf Whatsapp und Facebook kursiert ein Kettenbrief, in dem vor Kriminellen gewarnt wird, die angeblich Masken mit Betäubungsmittel verteilen, um Leute auszurauben. Die Polizei hat dazu keine Erkenntnisse. Der Text kursierte zuvor schon im Ausland. Auch dort gab es bisher keine solchen Vorfälle.

von Lea Weinmann

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Kriminelle verteilen angeblich Masken mit Betäubungsmittel an der Haustür, um Leute dann auszurauben, wird behauptet. Die Polizei hat dazu keine Erkenntnisse. (Symbolbild: fsHH/Pixabay)
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Falsch. In Deutschland gab es laut deutschen Polizeibehörden bisher keinen solchen Fall.

Auf Whatsapp und Facebook (hier und hier) verbreitet sich ein Kettenbrief, in dem vor Kriminellen gewarnt wird, die die Corona-Pandemie ausnutzen: Sie würden angeblich an Haustüren Masken verteilen, die mit einem Betäubungsmittel getränkt seien. Danach würden die Opfer ausgeraubt, steht in der Nachricht.

In Deutschland gibt es laut Polizeibehörden jedoch keine Belege für einen solchen Fall.

Behauptung: Masken seien mit Chemikalien besprüht, um Leute auszurauben

Der Text in dem Kettenbrief lautet:

„WARNUNG: Jetzt zirkuliert etwas Neues. Die Leute gehen von Tür zu Tür, um Masken zu verteilen. Sie sagen, es sei eine neue Initiative der lokalen Regierung. Sie bitten Sie, es anzuziehen, um zu sehen, ob es passt. Es wurde mit Chemikalien besprüht, die Sie umhauen. Dann werden Sie bestohlen!! Akzeptiere KEINE Masken von Fremden. Warnen Sie Ihre Freunde, es ist eine kritische Zeit und die Menschen sind verzweifelt, die Kriminalität wird zunehmen. Seien Sie vorsichtig!“

Eine Recherche in der Rubrik „Blaulicht“ des bundesweiten Presseportals nach den Schlagworten „Maske“, „Betrug“, „betäubt“ und „Corona“ lieferte keine relevanten Treffer (Stand: 23. April). Auch bei einer Google-Suche fand sich kein Hinweis auf einen Fall dieser Art.

Das Bundeskriminalamt teilte auf Anfrage von CORRECTIV per E-Mail mit: „Im Bundeskriminalamt liegen keine Erkenntnisse zu Ihrer Anfrage vor.“ Auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes weiß nichts von solchen Vorfällen, schreibt sie uns per E-Mail.

Der Kettenbrief kursierte vor wenigen Wochen in Großbritannien

Wie ein Faktencheck von Reuters vom 3. April zeigt, verbreitete sich der Kettenbrief jedoch vor wenigen Wochen bereits in Großbritannien. Der Wortlaut ist nahezu der gleiche – nur eben in englischer Sprache. Da der deutsche Text in sehr holprigem Deutsch formuliert ist, liegt die Vermutung nahe, dass er aus einer anderen Sprache übersetzt wurde.

Reuters recherchierte, dass es sich um eine Falschmeldung handeln müsse, weil auch eine Nachfrage bei den britischen Polizeibehörden ergebnislos blieb. Zudem habe sich der Brief auch in anderen Ländern wie Südafrika und den USA verbreitet, schreibt die Nachrichtenagentur.

In Spanien kursierte ein ähnliches Gerücht

Auch in Spanien kursierte in den vergangen Tagen ein ähnliches Gerücht, schreiben die spanischen Faktenchecker von Maldita. Am 20. April veröffentlichten sie einen Artikel zu einer Sprachnachricht, in der eine Frau von einem solchen angeblichen Trickbetrug berichtet. Wörtlich sagt sie darin: „Mädels, wenn bei euch geklingelt wird, öffnet niemandem die Tür. Anscheinend klingeln sie an den Türen, verteilen Masken mit Chloroform, um die Menschen zu betäuben und einzutreten, um sie auszurauben. Das ist in Agengibre passiert und in einem anderen Haus in Mahora. Die Polizei ist dort, um es zu bewachen. […]“ (aus dem Spanischen übersetzt).

Die spanischen Faktenchecker konnten ebenfalls keine Belege dafür finden, dass es in den Gemeinden Abengibre und Mahora zu solchen Vorfällen gekommen sein soll: Den Behörden dort liegen demnach „keine Aufzeichnungen über Beschwerden“ vor.

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Die Behauptung in dem Kettenbrief ist also offensichtlich falsch.

Polizei warnt dennoch vor zahlreichen Trickbetrügern, die die Corona-Pandemie ausnutzen

Dennoch stimmt es, dass die Corona-Pandemie von Trickbetrügern auch in Deutschland ausgenutzt wird. Wir haben dazu bereits einen Faktencheck veröffentlicht. Die Polizeistellen berichteten in den vergangenen Wochen vielfach über Kriminelle, die sich an der Haustür oder telefonisch als Mitarbeiter der Stadt oder des Gesundheitsamts ausgeben, um persönliche Informationen zu erfragen.

Auch gibt es viele Berichte über eine angepasste Version des „Enkeltricks“: Betrüger geben sich am Telefon gegenüber älteren Personen als Verwandte aus, die an Covid-19 erkrankt sind und beispielsweise für die Behandlung dringend Geld benötigen. Zudem kursieren Phishing-Mails; im Internet werden in vermeintlichen Shops Masken und Desinfektionsmittel zu hohen Preisen angeboten.

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat Tipps veröffentlicht, wie man sich vor Straftaten im Zusammenhang mit der Corona-Krise schützen kann.