Faktencheck

Es gibt keine Belege dafür, dass Nikotin gegen das Coronavirus hilft

Auf Facebook verbreitet sich die Behauptung, Nikotin verhindere die Ausbreitung von Coronaviren im Körper. Aus diesem Grund würden Raucher „fast nie“ an Covid-19 erkranken. Dafür gibt es keine Belege.

von Steffen Kutzner

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Sind Raucher eine Risikogruppe für Covid-19 – oder schützt Nikotin vor einem schweren Krankheitsverlauf? (Symbolbild: Ralf Kunze/Pixabay)
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Unbelegt. Es gibt keine Belege, dass Nikotin gegen das Coronavirus hilft – Studien sehen Raucher auch als mögliche Risikogruppe.

Auf Facebook wurde am 22. April ein Beitrag der österreichischen Lokalzeitung Die Monatliche veröffentlicht und mehr als 2.400 Mal geteilt. Darin hieß es, Covid-19 sei eine „Nichtraucher-Krankheit“. Raucher bekämen sie „fast nie“, weil Nikotin vor dem Coronavirus schütze.

Das auf Facebook verbreitete Bild mit den Behauptungen. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Grundlage hierfür soll eine noch nicht abschließend bewertete französische Studie (Preprint) sein. Die Autoren werteten Patientendaten aus und kamen zu dem Schluss, dass der durchschnittliche Anteil der Raucher niedriger sei als in der Gesamtbevölkerung Frankreichs. Sie äußern deshalb die Vermutung, dass Nikotin hilfreich sein könnte. Es besetze Zellrezeptoren, die das Coronavirus zur Ausbreitung in andere Zellen benötige. 

Der Beitrag von Die Monatliche auf Facebook ist inzwischen wieder gelöscht worden. 


Über die Studie wurde aber auch von anderen Medien berichtet, etwa bei Spiegel oder N-TV. Auf Facebook kursieren andere Beiträge mit der gleichen Aussage. Allerdings wird hier als Quelle das Sat.1-Frühstücksfernsehen angegeben. 

Die zuständige Mitarbeiterin bestätigte uns auf Nachfrage, dass dieser Beitrag am 23. April ausgestrahlt worden war und stellte uns den knapp einminütigen Beitrag zur Verfügung. Der Moderator betont darin mehrfach, dass die angebliche Schutzwirkung von Nikotin bislang lediglich eine Vermutung sei.

Erste Studien sahen Rauchen eher als Risikofaktor für eine Erkrankung mit Covid-19 

Noch Ende März hatte das Wissenschaftsmagazin Scinexx berichtet, dass Raucher besonders gefährdet sein könnten, weil Nikotin die Bildung der für das Coronavirus relevanten Zellrezeptoren begünstige. Welcher Rezeptor das genau ist, steht aber laut der Studie, auf die sich Scinexx bezieht, noch nicht fest.

In einer zweiten Studie, die in dem Artikel von Scinexx genannt wird, beobachteten Wissenschaftler, dass viele Covid-19-Patienten in kritischem Zustand Raucher sind oder waren. Dieser Teil der Studie bezieht sich jedoch nur auf elf Teilnehmer, die Datenbasis ist also sehr klein.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) führt auf seiner Informationsseite zu Covid-19 auch Raucher als Risikogruppe für schwere Verläufe an, jedoch mit schwacher Evidenz.

Ausschnitt der Informationsseite zum Coronavirus des Robert-Koch-Instituts. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Das RKI bestätigte uns auf Nachfrage per E-Mail, dass die „wenigen Studien“, die es zum Thema gebe, „das Rauchen eher als einen Risikofaktor für schwere Verläufe von Covid-19“ sehen. 

Die E-Mail des RKI. (Screenshot: CORRECTIV)

Französische Studie: Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren

Die französische Studie, auf die sich die Behauptung bezieht, wurde am 20. April veröffentlicht. Darin heißt es: „Unsere Querschnittsstudie sowohl bei ambulanten als auch bei stationären Covid-19-Patienten deutet stark darauf hin, dass Raucher, die täglich rauchen, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine sehr viel geringere Wahrscheinlichkeit haben, eine symptomatische oder schwere SARS-CoV-2-Infektion zu entwickeln.“ 

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, Nikotin helfe gegen das Coronavirus. Auch die Autoren der Studie weisen explizit darauf hin, dass sie wegen der geringen Fallzahlen nicht nachweisen konnten, ob Rauchen einen Einfluss auf den Verlauf von Covid-19 habe.

Auszug aus der französischen Studie. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass ihre Studienergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen: „Unsere Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden und wir sind uns ihrer Grenzen bewusst.“ Auch ob es wirklich Nikotin ist, das einen potenziellen Effekt auf den Verlauf der Krankheit habe, oder einer der anderen chemischen Stoffe im Tabak, sei noch unklar.

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Fazit: Es ist nicht bewiesen, dass Nikotin den Verlauf der Krankheit beeinflusst. Darauf weisen sowohl die französischen Forscher, als auch das RKI hin.





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