Faktencheck

Nein, die WHO hat nicht erklärt, Schutzmasken aus Stoff würden das Corona-Infektionsrisiko erhöhen

In einem Online-Artikel wird behauptet, die WHO habe ihren Standpunkt bezüglich Masken aus Stoff geändert, weil sie angeblich das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus erhöhen können. Das wurde von der WHO so nicht kommuniziert. Der Artikel lässt entscheidenden Kontext weg.

von Steffen Kutzner

NanaCola Pixabay
Atemschutzmasken erhöhen nicht das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2. (Symbolbild: NanaCola/Pixabay)
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Größtenteils falsch. Die WHO hat nicht gesagt, dass Schutzmasken aus Stoff das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen können.

Hinweis, 3. Juli 2020: Deutsche Wirtschaftsnachrichten hat den Artikel, auf den sich dieser Faktencheck bezieht, inzwischen aktualisiert und deutlich gemacht, dass die WHO nicht ihren Standpunkt in Bezug auf die Gefährlichkeit von Masken verändert hat. Unser Text bleibt zur Dokumentation unverändert.

In einem Artikel auf der Webseite Deutsche Wirtschaftsnachrichten wird behauptet, die WHO habe ihre Meinung zu Schutzmasken aus Stoff geändert: Zuvor habe sie das Tragen von Stoffmasken empfohlen. „Nun behauptet sie, dass solche Masken das Risiko einer Ansteckung auch erhöhen können“, heißt es in dem Beitrag vom 10. Juni 2020. Stattdessen solle man laut WHO dreilagige Masken tragen. 

Die Überschrift des Beitrags führt in die Irre, und im Artikel wird der entscheidende Kontext weggelassen. Die WHO hat nicht gesagt, dass Stoffmasken das Infektionsrisiko erhöhen.

Der Artikel bezieht sich vermutlich auf die Pressekonferenz der WHO vom 5. Juni, die es auch als Abschrift gibt. Darin führte der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, tatsächlich neue Empfehlungen der WHO bezüglich Masken an: 

  • Es wird für medizinisches Personal in Einrichtungen mit hohen Infektionszahlen immer empfohlen, Masken zu tragen, nicht nur während des Kontakts mit Covid-19-Patienten und auch nicht nur für das Personal, das Kontakt zu Patienten hat. (ab 4:07 im Video)
  • Personen über 60 Jahre und Risikopatienten wird empfohlen, in Gegenden mit hohen Infektionszahlen eine medizinische Schutzmaske zu tragen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. (ab 8:17 im Video)

Tedros Adhanom Ghebreyesus wies zudem darauf hin, dass die WHO ihre Richtlinien für den alltäglich Einsatz von Masken in der Öffentlichkeit geändert habe (ab 4:57 im Video). Man rate Regierungen, ihre Bürger zu ermuntern, Masken zu tragen wo es viele Infektionen gebe und Abstandhalten schwierig sei, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Läden. Es gebe zudem neue Empfehlungen für die Beschaffenheit von Textilmasken: Sie sollten aus mindestens drei Lagen aus verschiedenem Material bestehen. Zudem gebe die WHO Empfehlungen, wie die Maske zu waschen und richtig anzuwenden sei. Diese Änderungen werden im Text von Deutsche Wirtschaftsnachrichten erwähnt. 

Doch weder in der am 5. Juni aktualisierten Richtlinie der WHO noch in der älteren Fassung vom 6. April heißt es, dass Atemschutzmasken aus Stoff das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus erhöhen könnten.

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Die Behauptung ist vermutlich eine falsche Interpretation einer Aussage von Tedros Adhanom Ghebreyesus in der Konferenz. Er sagte (ab Minute 6:13 im Video), dass man sich beim Tragen der Maske infizieren könne, wenn man keine sauberen Hände habe: „Menschen könnten sich infizieren, wenn sie die Maske mit ungewaschenen Hände zurechtrücken oder die Maske ab- und wieder aufsetzen ohne sich dazwischen die Hände zu waschen.“ Masken könnten außerdem ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. „Ich kann es nicht genug betonen: Masken allein werden Sie nicht vor Covid-19 schützen“, erklärte Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Masken sind kein Ersatz für physisches Abstandhalten, Handhygiene und andere Gesundheitsmaßnahmen.“ Masken seien nur sinnvoll als ergänzende Maßnahme. 

Aus dieser Aussage abzuleiten, die WHO habe erklärt, Masken zu tragen erhöhe das Infektionsrisiko, ist irreführend. Denn das Risiko geht nicht von den Masken aus, sondern von Menschen, die nicht auf ihre Handhygiene achten.