Faktencheck

Sprachnachricht verbreitet unbelegte Behauptung über Corona-Tests mit „voreingestelltem“ Ergebnis

In einer Sprachnachricht behauptet eine Frau, eine Bekannte von ihr habe in einer Apotheke die Entdeckung gemacht, dass Corona-Tests in Kartons angeliefert würden, auf denen entweder „positiv“ oder „negativ“ stünde. Die Tests würden also unabhängig vom Patienten ein vorab festgelegtes Ergebnis liefern. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass das stimmt.

von Steffen Kutzner

Coronavirus - Schnelltestzentrum
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Corona-Schnelltests ab Werk auf ein bestimmtes Testergebnis voreingestellt werden könnten. (Symbolbild: Picture Alliance / dpa / Friso Gentsch)
Behauptung
Corona-Tests seien von Vornherein positiv oder negativ „eingestellt“. Das beweise, dass es kein Virus gebe.
Bewertung
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Behauptungen wahr sind.

In einer Sprachnachricht, die in Messengern und als Video geteilt wird, berichtet eine unbekannte Frau von folgendem angeblichen Vorfall: Die Mitarbeiterin einer Apotheke habe im Lager Kartons mit Corona-Tests auspacken sollen. Dabei sei ihr aufgefallen, dass die Kartons mit „positiv“ oder „negativ“ beschriftet seien. Die Frau, die die Sprachnachricht aufnimmt, leitet daraus ab, dass es „kein Corona gibt“. Die Tests seien „alle manipuliert“ und die Pandemie sei „von oben gesteuert“. Auf Telegram wurde die Nachricht insgesamt mehr als 40.000 Mal gesehen. Auch die in der Querdenker-Szene bekannte Miriam Hope griff die Sprachnachricht in einem Video auf.

Aus der Sprachnachricht geht weder hervor, wo sich dieser Vorfall ereignet haben soll, noch um was für eine Art Corona-Tests es geht. Vermutlich sind jedoch Antigen- oder Antikörper-Schnelltests gemeint, die laut Medienberichten beide teilweise in Apotheken verkauft werden können.

Apothekerverband: Keine Möglichkeit der „Voreinstellung“ von Tests bekannt

Wir haben bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) nachgefragt, ob dort ähnliche Fälle bekannt geworden sind. Der Leiter der Kommunikation, Reiner Kern, erklärte uns via E-Mail, dass keine Fälle von voreingestellten Tests bekannt seien. Weder ihm noch den pharmazeutischen Experten beim ABDA seien Gründe ersichtlich, weshalb die Worte „positiv“ oder „negativ“ auf Verpackungen von Testkits auftauchen sollten. Außerdem sei ihm „keine Möglichkeit bekannt“, wie man das Ergebnis von Corona-Tests im Vorfeld festlegen könnte. 


Auszug aus der E-Mail vom Pressesprecher der ABDA. (Screenshot und Markierungen: CORRECTIV)

Selbst wenn die Worte „positiv“ oder „negativ“ auf den Verpackungen von Corona-Testkits auftauchen sollten, wäre das kein Beweis dafür, dass die Tests in irgendeiner Weise manipuliert wären.

Zudem könnten die Fallzahlen in Deutschland mit solchen Tests aus der Apotheke nicht „von oben gesteuert“ werden. Wie wir bereits für einen anderen Faktencheck recherchiert haben, beruhen die Zahlen, die das Robert-Koch-Institut meldet, ausschließlich auf PCR-Tests. Bei diesem Verfahren wird genetisches Material des Virus SARS-CoV-2 in einer Probe im Labor nachgewiesen – und das Zubehör dafür bekommt man nicht in der Apotheke. 

Redigatur: Alice Echtermann, Till Eckert





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