Faktencheck

Plakat einer Züricher Drogerie enthält Falschinformationen über Masken bei Kindern

Auf Facebook kursiert das Foto eines Plakats, das offenbar aus einer Drogerie in der Schweiz stammt. Der Text darauf erläutert, weshalb die Drogerie keine „Hygienemasken“ für Kinder anbiete. Angeblich habe das mehrstündige Tragen einer Maske Auswirkungen auf die Entwicklung und Funktionsfähigkeit des Gehirns. Dafür gibt es jedoch keine Belege.

von Steffen Kutzner

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Ein auf Facebook verbreitetes Foto eines Drogerie-Plakats enthält Falschinformationen über Masken für Kinder (Quelle: Facebook / Collage und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Es sei bewiesen, dass mehrstündiges Tragen von „Hygienemasken“ die Sauerstoffzufuhr beeinträchtige und Auswirkungen auf Gehirnfunktionen und -entwicklung haben könne.
Bewertung
Größtenteils falsch
Über diese Bewertung
Größtenteils falsch. Es gibt keine Hinweise, dass das Tragen von Masken bei Kindern (oder Erwachsenen) zu gesundheitlichen Problemen führt oder die Funktion oder Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt. Allerdings empfehlen nicht alle Experten Masken für Kinder unter 12 Jahren.

„Es ist bewiesen, dass mehrstündiges Tragen von Hygienemasken die Sauerstoffzufuhr negativ beeinträchtigt und Auswirkungen auf die Hirnfunktion und die Hirnentwicklung haben kann!“ Diese Behauptung findet sich laut eines auf Facebook und Telegram kursierenden Fotos auf einem Plakat in einer Drogerie im Kanton Zürich. 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet zwischen Mund-Nase-Bedeckungen (Alltagsmasken), medizinischen Gesichtsmasken (OP-Masken) und partikelfilternden Halbmasken (etwa FFP2-Masken). Als Hygienemasken werden in der Schweiz medizinische Gesichtsmasken bezeichnet.

Wie die Schweizer Zeitung Blick berichtet, hat der Inhaber der Drogerie den Text des Plakates tatsächlich verfasst. Er habe gegenüber Blick gesagt: „Ich bin dagegen, dass man die Kinder in der aktuellen Situation auch noch drangsaliert.“


Masken stellen keine Gesundheitsgefahr dar

Wir haben bereits mehrfach berichtet, dass das Tragen von Masken weder bei Erwachsenen noch bei Kindern zu einer Sauerstoffunterversorgung führt und auch keinen Einfluss auf das Gehirn hat. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) teilt mit, Masken seien für Kinder nicht gefährlich. Sie empfiehlt auch explizit das Tragen von medizinischen Masken. 

Eine Ausnahme seien Säuglinge, diese dürften keine Masken tragen. Auch für Kleinkinder rät die DGKJ davon ab, allerdings eher deshalb, weil diese mit den Masken „nicht sinnvoll umgehen“ könnten. „Auch im Grundschulalter sollte es keinen Maskenzwang geben.“ 

Wir haben im Oktober 2020 auch den stellvertretenden Landesvorsitzenden des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Till Reckert, gefragt, ob das Tragen einer Maske zu Sauerstoffmangel im Gehirn führen könne. Er schrieb uns in einer E-Mail am 15. Oktober: „Nein. Das ist nicht relevant. […] Stark immunsupprimierte Kinder auf der Onkologie genauso wie Ärzte, Chirurgen etc. tragen schon immer OP-Masken.“

Masken beeinträchtigen die Sauerstoffzufuhr nicht wesentlich

Das Plakat der Drogerie ist datiert auf den 22. Januar 2021. Am Tag zuvor war beschlossen worden, dass in Zürich die Maskenpflicht auf Kinder ab der vierten Klasse ausgeweitet werden soll. Das gilt laut der Mitteilung der Kantonsverwaltung für die gesamte Zeit des Unterrichts und auf dem gesamten Schulgelände.

Laut Blick geht es dem Züricher Drogisten „nicht um Hirnschäden, sondern beispielsweise [um] Kopfweh, Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche“. Das geht aus dem Plakat, das in Sozialen Netzwerken geteilt wird, jedoch so nicht hervor.

Die DGKJ weist darauf hin, dass Kopfschmerz bei Masken mit hoher Dichte, also etwa FFP2-Masken, bei längerem Tragen ohne Pause auftreten könne, weil das Atmen anstrengender sei. Abdichtende Masken sind jedoch an Züricher Schulen nicht vorgeschrieben und auch auf dem Plakat ist lediglich von „Hygienemasken“ die Rede. 

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach ist laut eines Artikels des Ärzteblatts von November 2020 für eine Maskenpflicht auch an Grundschulen. „Die chirurgischen oder auch die sogenannten Alltagsmasken seien zwar ein wenig un­be­quem für Kinder, sie schränkten aber das Ein- und Ausatmen nicht ein, führten weder zu einer Einschränkung der Sauerstoffversorgung, noch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlendioxid“, heißt es in dem Artikel. Fischbach wird außerdem mit den Worten zitiert, Alltags- und OP-Masken würden „in keiner Weise“ die Gesundheit von Kindern gefährden. Es gebe keine Hinweise, dass sie ihre Atmung einschränken. 

Redigatur: Sarah Thust, Alice Echtermann

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck: 

  • Artikel von Blick (27. Januar 2021): Link
  • Informationen zur Maskennutzung durch Kinder von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Link




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