Faktencheck

Keine Belege, dass seit der Wahl von Armin Laschet 14.877 Mitglieder aus der CDU ausgetreten sind 

Auf Facebook wird behauptet, dass seit der Wahl von Armin Laschet zum Parteivorsitzenden der CDU 14.877 Menschen oder vier Prozent aller Mitglieder aus der Partei ausgetreten seien. Woher die Zahl stammt ist unklar – der CDU liegen laut einer Sprecherin solche Daten selbst nicht vor. 

von Matthias Bau

Armin Laschet Symbolbild
Armin Laschet ist der neue Parteivorsitzende der CDU Deutschland (Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS/ Odd Andersen)
Behauptung
Seit der Wahl von Armin Laschet zum Vorsitzenden der CDU (vom 16. bis 21. Januar) seien 14.877 Mitglieder aus der Partei ausgetreten.
Bewertung
Unbelegt. Es gibt keine Belege für diese Zahlen. Eine Pressesprecherin der CDU widerspricht der Behauptung. 

Auf einem Bild mit Text, das auf Facebook kursiert (hier und hier), wird behauptet, dass der CDU „bis heute Abend 14.877 Parteiaustritte“ vorlägen. Die Nutzer, die das Bild verbreiten, behaupten außerdem: „Vier Prozent aller CDU-Mitglieder sind innerhalb von nur fünf Tagen ausgetreten!“ 

Als Quelle wird in einem der Facebook-Beiträge ein Tweet einer Person namens Hubert W. M. verlinkt, der diese Behauptungen am 21. Januar teilte (hier archiviert im Google Webcache)

Grund für die angeblichen Austritte soll einem der Facebook-Beiträge zufolge die Wahl von Armin Laschet zum neuen Parteivorsitzenden sein. Diese fand beim Parteitag der CDU am 16. Januar 2021 statt. 


Wir haben die Behauptung überprüft und keine Belege dafür gefunden. Aktuelle Daten zu Mitgliederzahlen der CDU sind nicht öffentlich. 

Isabelle Fischer, Pressesprecherin der CDU, erklärte auf Anfrage via E-Mail, die Behauptung sei „falsch“. Der Partei liegen selbst auf Bundesebene noch keine Gesamtzahlen für Januar vor. Eintritte und Austritte würden in der Regel in den Kreisverbänden registriert, erklärte Fischer. Doch viele Anträge würden auch über die Webseite cdu.de eingehen. Diese Zahlen würden eher einen gegenteiligen Trend zeigen: „Seit dem Parteitag sind 350 Neueintritte eingegangen und etwa 250 Austritte.“

In diesem auf Facebook verbreiteten Bild werden falsche Behauptungen über Parteiaustritte bei der CDU aufgestellt
In diesem auf Facebook verbreiteten Bild werden falsche Behauptungen über Parteiaustritte bei der CDU aufgestellt (Quelle: Facebook)

Zusammenhang mit Laschets Wahl nicht belegbar

Fischer wies darauf hin, dass nicht in allen Fällen ein Grund dafür angegeben werde, warum Personen die Partei verlassen. Von den 250 Austritten seien „130 ohne Begründung“ eingegangen und könnten somit „dem Parteitagsgeschehen“ nicht unmittelbar zugeordnet werden.  Ein Zusammenhang der Parteiaustritte mit der Wahl von Armin Laschet lässt sich also nicht belegen.

Auszug aus der E-Mail der Pressesprecherin der CDU
Auszug aus der E-Mail der Pressesprecherin der CDU (Quelle: Facebook / Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Wie viele Mitglieder die CDU zu dem Zeitpunkt hatte als Armin Laschet gewählt wurde (16. Januar), konnte die CDU-Sprecherin nicht mitteilen. Als Grund nannte sie, dass aktuelle Zahlen in der Regel erst „zu Beginn des Folgemonats“ vorlägen. 

Öffentlich verfügbar sind Informationen zur Mitgliederentwicklung der Parteien bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Diese reichen jedoch nur bis zum Ende des Jahres 2019. Aus den Zahlen geht hervor, dass die CDU seit dem Jahr 2000 etwa 50 Prozent ihrer Mitglieder verloren hat. Ende des Jahres 2019 zählte sie 405.816 Mitglieder. 

Briefwahl bestätigt Ergebnis des digitalen Parteitags

Auf dem digitalen 33. Parteitag der CDU wurde Armin Laschet am 16. Januar zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Laschet ist aktuell Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Auf ihn entfiel mit 521 Stimmen die Mehrheit der 1.001 Delegierten. Laschet setzte sich im zweiten Wahlgang gegen seinen Mitbewerber Friedrich Merz (466 Stimmen) durch. Die Ergebnisse der digitalen Abstimmung wurden am 22. Januar per Briefwahl bestätigt. Von 980 abgegebenen Stimmen erhielt Laschet 796 Stimmen und wurde so als Parteivorsitzender bestätigt.

Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck: 

  • Ergebnisse der Briefwahlen zum Bundesvorstand der CDU Deutschlands beim 33. Digitalen Parteitag: Link
  • Veröffentlichung der Ergebnisse der digitalen Wahlen vom 33. Parteitag der CDU Deutschlands: Link