Faktencheck

Plakat in Lübz stammt von einem rechten Youtuber

Auf Facebook kursiert das Foto eines Plakats mit dem Titel „Integrier dich, weiße Frau!“ Nach Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck hing es tatsächlich in der Stadt Lübz in Mecklenburg-Vorpommern. Es wurde offenbar von einem rechten Youtuber entworfen und soll Stimmung gegen Muslime machen.

von Matthias Bau

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Am Busbahnhof der Stadt Lübz ist ein Plakat aufgetaucht, das von der Polizei entfernt wurde. (Symbolbild: Pixabay)
Behauptung
Ein Foto zeige ein Plakat in der Stadt Lübz, auf dem „weiße Frauen“ zur Integration aufgefordert werden.
Bewertung
Fehlender Kontext
Über diese Bewertung
Fehlender Kontext. Das Plakat war tatsächlich in Lübz zu sehen. Es stammt mutmaßlich von einem rechten Youtuber und soll Stimmung gegen Muslime machen.

Auf Facebook kursiert das Foto eines Plakats mit dem Titel „Integrier dich, weiße Frau!“ Darauf wird behauptet, dass sich Frauen in Deutschland an den Kleidungsstil von konservativen Muslimen anpassen müssten. Alles andere sei „Alltagsrassismus“. Mehrere Facebook-Nutzer behaupten, das Plakat hänge in der mecklenburgischen Stadt Lübz am Busbahnhof (hier, hier und hier). Insgesamt wurden die Beiträge bisher fast 3.000 Mal geteilt. Empörte Nutzerkommentare wie „Ich zeige denen gleich, wie integrieren geht“ lassen darauf schließen, dass das Plakat als ernst gemeinter Aufruf missverstanden werden könnte. 

Urheber des Plakats ist jedoch nach eigenen Angaben ein rechter Youtuber, der damit offenbar Stimmung gegen Muslime machen will. In einem Video am 11. Februar rief er seine Zuschauerinnen und Zuschauer dazu auf, das Plakat zu verbreiten. 

Das Plakat hing tatsächlich kurze Zeit in Lübz, wurde allerdings „rückstandslos“ durch die Polizei entfernt, wie der stellvertretende Bürgermeister Thomas Rosenfeldt CORRECTIV.Faktencheck per E-Mail mitteilte. 


In Lübz ist ein Plakat aufgetaucht, das von einem rechten Youtuber verbreitet wurde.
In Lübz ist ein Plakat aufgetaucht, das von einem rechten Youtuber verbreitet wurde. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Das Plakat stammt offenbar von einem Youtuber

Der stellvertretende Bürgermeister von Lübz schrieb uns, der Urheber des Plakats sei „nicht bekannt“. 

Eine Internetsuche nach dem Plakat führte uns zu der Video-Plattform Bitchute. Dort findet sich ein Video des Kanals „Die Vulgäre Analyse“, in dem ein Mann sagt, man habe „neue Plakate“ (ab Minute 1:12). Darunter befindet sich auch das Plakat, das in dem Facebook-Beitrag zu sehen ist. Die Druckvorlagen für die Plakate werden unter dem Video per Link bereitgestellt.

In dem Video sagt der Youtuber: „Wichtig war es mir hier, die besagte weiße Frau als klare Aggressorin und die muslimischen Migranten als klare Sympathieträger darzustellen und gleichzeitig subtil genug zu bleiben, dass das ganze realistisch wird.“ Er wolle bei Betrachtern des Plakats das Gefühl erzeugen, es könnte ihnen durch den „so harmlos rübergebrachten Minderheitenschutz“ selbst „an den Kragen“ gehen (ab Minute 1:30).

Als Youtuber der rechten Szene bekannt geworden

Der Nutzer, der unter „Die vulgäre Analyse“ auftritt, nennt sich auch „Shlomo Finkelstein“. Er ist laut Medienberichten in der rechten Szene durch Videos, in denen der Koran verbrannt oder darauf Schweinefleisch gegrillt wird, bekannt geworden. 

Screenshot aus einem Interview des rechten Youtube-Kanals "Malenki" mit dem Youtuber "Die vulgäre Analyse".
Rechts im Bild ist der mutmaßliche Betreiber von „Die vulgäre Analyse“ vermummt in einem Youtube-Interview im Februar 2019 zu sehen (Quelle: Youtube-Kanal „Malenki“ / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

In einem Interview mit dem rechten Youtube-Kanal „Malenki“ vom Februar 2019 sagte der mutmaßliche Betreiber von „Die vulgäre Analyse“, dass er sich wegen des Verdachts auf Volksverhetzung vor Gericht befinde (Video ab Minute 9:10). Das habe er als Konsequenz seiner Aktivitäten „in Kauf genommen“. Youtube-Accounts des Formats „Die vulgäre Analyse“ wurden einem Bericht von T-Online zufolge bereits mehrfach gesperrt. 

Redigatur: Sarah Thust, Alice Echtermann

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