Faktencheck

Rumänien: Dieses Foto entstand nicht bei einer aktuellen Demonstration gegen die Regierung

Rumänen forderten den Rücktritt der Regierung, wird unter einem Foto auf Facebook behauptet. Als Beleg wurde ein Foto genutzt, das angeblich die Hauptstadt Bukarest am selben Abend zeige. Doch das Foto ist nicht aktuell: Es stammt aus dem Jahr 2017.

von Sarah Thust

Demonstration in Rumänien 2017
Dieses Foto kursiert derzeit auf Facebook. Mehrere Kommentatoren weisen jedoch darauf hin, dass es eine Demonstration in Rumänien im Jahr 2017 zeigt und nicht aktuell ist. (Quelle: Facebook / Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein aktuelles Foto zeige Rumänen in Bukarest, die den Rücktritt der Regierung fordern.
Bewertung
Falscher Kontext
Über diese Bewertung
Falscher Kontext. Das Foto ist nicht aktuell, es zeigt eine Demonstration im Jahr 2017 in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.

Ein Foto auf Facebook zeigt eine große Demonstration bei Nacht. Der Nutzer, der das Foto am 17. Februar geteilt hat, schreibt dazu: „Bukarest heute Abend. Rumänen fordern den Rücktritt der Regierung. Ein Volk, das sein Schicksal in die Hand nimmt. Beeindruckend.“ Geteilt wurde der Beitrag mehr als 5.330 Mal. Das Foto ist aber nicht aktuell, wie auch mehrere Personen in den Kommentaren darunter schreiben (hier, hier und hier).

Unsere Recherchen zeigen: Das Foto stammt zwar aus Rumänien, ist aber aus dem Jahr 2017 und zeigt eine Demonstration gegen Korruption. 

Eine Bilderrückwärtssuche liefert den ersten Beleg dafür: Wir haben nach dem Foto in den Suchmaschinen Google, TinEye und Yandex gesucht. So stießen wir auf mehrere Berichte und Twitter-Beiträge über eine Demonstration in Rumänien am 5. Februar 2017, in denen dasselbe Foto zu sehen ist. Darunter ist auch ein Tweet von Koert Debeuf, Chefredakteur der Onlinezeitung EU Observer und ehemaliger Berater eines belgischen Premierministers. 


Dasselbe Foto wurde im Februar 2017 von Koert Debeuf, einem ehemaligen Berater des belgischen Premierministers, geteilt.
Dasselbe Foto wurde im Februar 2017 von Koert Debeuf, einem ehemaligen Berater des belgischen Premierministers, geteilt. (Quelle: Twitter, Koert Debeuf / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Weitere Google-Suchen für das Datum 5. Februar 2017 führen zu weiteren Medienberichten über die Demonstration. 

Demnach fand die große Kundgebung, bei der das Foto entstanden ist, am 5. Februar auf dem Siegesplatz (Piața Victoriei) in Bukarest statt, wo sich 200.000 bis 300.000 Menschen versammelt hätten. 

Das Foto stammt von einer Anti-Korruptions-Kundgebung in Bukarest im Jahr 2017

In einem Video des britischen Nachrichtensenders BBC wird berichtet, dass es sich um eine „Anti-Korruptions-Kundgebung“ handelte, bei der „hunderttausende Demonstranten“ mit Taschenlampen und Lichtern den Platz erhellten. Anlass war ein umstrittenes Dekret, das Politikerinnen und Politiker laut Medienberichten vor Strafverfolgung wegen Korruption geschützt hätte. Der damalige Premierminister des Landes, Sorin Grindeanu, hatte das umstrittene Dekret zwar zurückgenommen. Dennoch protestierten Menschen in ganz Rumänien tagelang.

Derzeit gibt es zwar Berichte über Demonstrationen in Rumänien, allerdings handelt es sich um kleinere Protestaktionen aus verschiedenen Anlässen. Mehrere englischsprachige Artikel von Ende Januar (hier und hier) berichten von Demonstrationen nach einem tödlichen Brand in einem der wichtigsten Krankenhäuser des Landes für Covid-19-Patienten. Es demonstrierten laut Euronews „Hunderte von Menschen“ in Bukarest, allerdings nicht auf dem Siegesplatz, sondern vor dem rumänischen Gesundheitsministerium

Redigatur: Alice Echtermann, Uschi Jonas

Fakten für die Demokratie.

Fakten sind die Grundlage informierter Entscheidungen in unserer Demokratie. Gezielte Desinformation wird genutzt, um unsere Gesellschaft zu spalten, Hass zu verbreiten und damit womöglich Geschäfte zu machen. Einseitige oder falsche Informationen kreieren verzerrte Weltbilder. Als Teil eines internationalen Netzwerks von Faktenprüfern wirkt CORRECTIV.Faktencheck dem entgegen und deckt Falschinformationen und Halbwahrheiten auf.

Unser Ziel ist aufzuklären, wie gezielte Falschmeldungen erkannt und eingedämmt werden. Wir stellen uns mit Fakten gegen Spaltung und wollen mit unserer Arbeit den Dialog ermöglichen. Das ist nicht immer leicht –
Hassnachrichten, Beleidigungen und Drohungen gehören zum Alltag unseres Faktencheck-Teams. Aber die Arbeit wirkt: Falschmeldungen werden deutlich weniger geteilt.

CORRECTIV.Faktencheck ist eine eigenständige Redaktion innerhalb des gemeinnützigen Recherchezentrums. CORRECTIV steht für investigativen Journalismus. Wir bringen systematische Missstände ans Licht und stärken eine demokratische und offene Zivilgesellschaft. Leisten Sie einen Beitrag und unterstützen Sie uns mit einer Spende!


Was ist Fake? Was ist Fakt?
Es wird immer wichtiger, zuverlässige Quellen erkennen zu können und seriöse Informationen einzuordnen. Das Programm unserer Online-Akademie richtet sich an Schülerinnen und Schüler, sowie deren Lehrer. Deutschlandweit werden Journalisten an Schulen vermittelt, um im Unterricht die Medienkompetenz zu stärken. Mit Online-Workshops und zugehörigem Unterrichtsmaterial können die Themen auch selbstständig erarbeitet werden.