Faktencheck

Hundeverbot? Angebliches Zitat von Annalena Baerbock ist ein Fake

Ein Screenshot verbreitet sich auf Facebook und unterstellt Annalena Baerbock, sie habe ein Hundeverbot gefordert. Das stimmt aber nicht.

von Tania Röttger

Annalena Baerbock
Annalena Baerbock war bisher kein Hauptziel von Falschbehauptungen. Das hat sich seit ihrer Kanzlerkandidatur geändert. (Symbolbild: Picture Alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Behauptung
Annalena Baerbock habe das „Ende der Haustierhaltung“ gefordert.
Bewertung
Frei erfunden
Über diese Bewertung
Frei erfunden. Es gibt keine Hinweise, dass die Grünen-Politikerin so etwas jemals gesagt hat. Das Zitat ist offenbar ein Fake.

Am Abend des 21. April verbreitet sich ein Screenshot eines angeblichen Zitats von Annalena Baerbock auf Facebook. Demnach habe sie ein Hundeverbot gefordert, weil Hunde viel CO2 verursachen würden. 

Konkret heißt es: „Wir können alleine durch den Wegfall der Hunde in Deutschland ca. 19 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen. (…) Die private Tierhaltung muss daher ein Ende haben und wenn es durch eine CO2 Steuer auf Haustiere erfolgt“, habe „Annalena Baerbock (39)“ gesagt.

Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass dieses Zitat wirklich von Baerbock stammt. Die Pressesprecherin der Grünen, Nicola Kabel, teilte uns auf Anfrage mit: „Das Zitat ist schlicht frei erfunden, Annalena Baerbock hat das nicht gesagt.“

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Annalena Baerbock wurde am Montag als Kandidatin der Grünen für das Kanzleramt vorgestellt. In dem Facebook-Beitrag wird behauptet, sie sei 39 Jahre alt, sie ist aber 40. 

Mehrere Profile auf Facebook teilen ein angebliches Zitat von Annalena Baerbock über ein Hundeverbot
Mehrere Profile auf Facebook teilen diesen Screenshot mit einem angeblichen Zitat von Annalena Baerbock. (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck, Stand 21. April 10:50 Uhr)

Keine Treffer bei Google-Suche nach dem angeblichen Zitat von Annalena Baerbock

Eine Suche auf Google mit Teilen des Zitats in Anführungszeichen – um sicherzustellen, dass genau diese Worte in den Suchergebnissen auftauchen – brachte keinen Treffer. Eine Suche nach den Stichworten „Annalena Baerbock und Hunde“ – ergab auch keine Ergebnisse, die belegen würden, dass sich die Grünen-Politiker so oder ähnlich geäußert hätte. 

Auch die Datenbank Spaactor, die Videos und Podcasts durchsucht, ergab keinen Treffer bei dem angeblichen Zitat.

Der Screenshot zeigt ein Foto von ihr. Eine Bildersuche ergibt, dass es vom 2. September 2019 stammt. Der Screenshot und der Facebook-Beitrag liefern aber keine Quellen dafür, wann oder in welchem Rahmen sie das Zitat gesagt haben soll, noch dafür, woher der Screenshot stammen soll. Das sind Anzeichen dafür, dass es sich um eine falsche Information handelt.

Haustiere sind ein emotionales Thema. Mehr als 1.300 Profile haben den Beitrag bislang geteilt. Manche Personen auf Facebook scheinen erkannt zu haben, dass das Zitat offenbar falsch ist, andere kommentieren, dass sie aus diesem Grund Baerbock als Kandidatin nicht für wählbar halten. 

Mehrere Anzeichen für einen Fake

Politikern und Politikerinnen der Grünen werden auf den Sozialen Netzwerken immer wieder falsche Zitate unterstellt, wie vergangene Faktenchecks dokumentieren.

Der Beitrag bedient zudem das Narrativ der Grünen als Verbotspartei. In der Vergangenheit berichteten wir in Faktenchecks schon über falsche Behauptungen, wonach Kerzen, Luftballons oder der Verkauf von Alkohol verboten werden sollten. Auch ein angebliches Verbot von Haustieren, gefordert von Klimaaktivisten, haben wir schon gesehen – das war teilweise falsch.

Neben dem Fehlen der Quelle enthält der Screenshot auch Zeichensetzungsfehler, die ein weiterer Hinweis darauf sind, dass er keinen seriösen Ursprung hat. 

Redigatur: Sarah Thust, Uschi Jonas

Update, 23. April 2021: Wir haben ein Statement der Grünen-Pressesprecherin ergänzt und die Bewertung von „Unbelegt“ zu „Frei erfunden“ geändert. 

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