Faktencheck

Bananenkisten statt Särge für Corona-Tote? Angeblich gestelltes Foto zeigt Gedenkfeier für einen General im Iran

Ein Foto zeigt mit Flaggen bedeckte Bananenkisten, die Szene wirkt wie eine Beerdigung. In Sozialen Netzwerken wird suggeriert, zu sehen sei eine Inszenierung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Das Bild zeigt jedoch eine Gedenkfeier für den bei einem US-Raketenangriff getöteten iranischen General Kassem Soleimani.

von Sarah Thust

Iran Gedenkveranstaltung
Das Bild zeigt eine Gedenkfeier für den bei einem US-Raketenangriff getöteten iranischen General Kassem Soleimani im Januar 2021. Der Pfeil zeigt auf eine Bananenkiste, auf der eine iranische Fahne ausgebreitet wurde. (Quelle: „Iranianuk“ / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Mit einem Foto wird suggeriert, die Corona-Pandemie sei inszeniert, da Bananenkisten „beerdigt“ würden.
Bewertung
Falscher Kontext
Über diese Bewertung
Falscher Kontext. Das Foto hat mit der Corona-Pandemie nichts zu tun. Es zeigt eine Gedenkfeier für den bei einem US-Raketenangriff getöteten iranischen General Kassem Soleimani im Januar 2021 im Iran.

Ein Foto zeigt dutzende Personen, die vor großen, rechteckigen Pappkisten stehen, die mit iranischen Flaggen und Blumen bedeckt sind. In einem Telegram-Kanal heißt es dazu: „Was für eine Pandemie! Jetzt werden sogar Bananenkisten beerdigt.“ Das Bild verbreitete sich im Mai hundertfach – auch auf Twitter und Facebook. CORRECTIV.Faktencheck hat recherchiert, was auf dem Foto zu sehen ist.

Die Anwesenden tragen zwar Schutzmasken, aber das Foto hat nichts mit der Corona-Pandemie an sich zu tun: Es zeigt eine Gedenkfeier für den bei einem US-Raketenangriff getöteten iranischen General Kassem Soleimani, die im Januar 2021 vom iranischen Energieministerium veranstaltet wurde. Die Kartons auf dem Bild stellen keine Särge dar, sondern dienen der Dekoration. 

Das Foto zeigt die Gedenkfeier zum Jahrestag der Ermordung des iranischen Generals Kassem Soleimani im Januar 2021

Über eine Bilder-Rückwärtssuche mit Bing und Google fanden wir unter anderem einen iranischen Blogartikel vom 3. Januar 2021, auf dem in Zusammenhang mit dem Foto das Energieministerium erwähnt wird. Auf dem Foto sind iranische Flaggen zu sehen, welche offensichtlich Bananenkisten bedecken. Wie die Faktenchecker der AFP berichten, handelt es sich um eine Gedenkfeier für den verstorbenen General Kassem Soleimani.


Auf der Webseite des iranischen Energieministeriums suchten wir auf Persisch (der iranischen Landessprache) nach „Soleimani“ (سلیمانی) und stießen dort auf eine Fotogalerie von Januar 2021, in der dieselbe Szene aus verschiedenen Perspektiven zu sehen ist. Auf einem der Fotos stehen dieselben Personen in derselben Position zueinander wie in dem auf Facebook verbreiteten Bild. 

Gedenkfeier vor dem Energieministerium in Iran
Das Energieministerium im Iran hat im Januar 2021 eine Gedenkfeier für den verstorbenen General Soleimani abgehalten (Quelle: Ministry of Energy Iran / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

In der zugehörigen Pressemitteilung steht in Persisch, dass es sich um die Gedenkfeier zum Jahrestag der Ermordung von General Kassem Soleimani Anfang Januar 2021 handelt. Soleimani war ein Jahr zuvor bei einem US-Raketenangriff getötet worden

Auf einem weiteren Foto in der Galerie des Energieministeriums sind eine Bühne und ein großes Fotoplakat mit Soleimani zu erkennen. Die Feier fand laut Mitteilung am Energieministerium in Teheran statt. 

Menschen bei der Gedenkfeier im Iran
Die Szene aus einer weiteren Perspektive: Die mit Flaggen bedeckten Kartons stehen vor einer Bühne, auf dem Foto-Plakat im Hintergrund ist Soleimani in der Mitte zu sehen (Quelle: Ministry of Energy Iran / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Fazit: Die Kartons sind Teil der Dekoration, sie sind aber keine Särge

Mit der Corona-Pandemie hat das Foto, anders als in den Beiträgen in Sozialen Netzwerken suggeriert wird, nichts zu tun. Die mit iranischen Flaggen bedeckten Kisten sind Teil der Dekoration für die Gedenkfeier für den getöteten General Soleimani.

Redigatur: Till Eckert, Uschi Jonas

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