Faktencheck

Behauptungen über Menschenfleisch, DNA und Zähne in McDonalds-Burgern führen in die Irre

In Sozialen Netzwerken werden vier Berichte verbreitet, die belegen sollen, dass in Burgern von McDonalds Menschenfleisch, menschliche DNA oder Zähne entdeckt wurden. Doch nur einer der Berichte bezieht sich auf McDonalds und ist wahr. Demnach beschwerte sich 2018 ein Kunde in Japan über Fragmente von Zähnen in seinem Essen.

von Sarah Thust

Essen von McDonalds
In Einzelfällen kann es zu Verunreinigungen im Essen von McDonalds kommen, das wird in Deutschland aber streng überprüft (Symbolbild: Pexels / Ready Made)
Behauptung
In Essen von McDonalds habe man Menschenfleisch, menschliche DNA oder Zähne gefunden.
Bewertung
Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Die Berichte über Menschenfleisch in McDonalds-Fleisch sind erfunden. Ein Labor fand zwar menschliche DNA in einem Burger – es ist aber unbekannt, woher dieser stammte. Nur die Behauptung über Zähne ist wahr, der Vorfall trug sich 2018 in einer Filiale in Japan zu.

Dass Burger von McDonalds angeblich Menschenfleisch enthielten, wird seit Jahren im Internet behauptet (CORRECTIV.Faktencheck berichtete). Im Juni kursierten dazu erneut mehrere Facebook- und Telegram-Beiträge (hier, hier, hier und hier). Darin wird behauptet: In den Fleischfabriken von McDonalds habe man Menschenfleisch gefunden, die Burger würden Ratten- und Menschen-DNA enthalten und ein Kunde habe „Teile von menschlichen Zähnen“ in seinem McMuffin gefunden. Die Beiträge wurden auf Telegram mehr als 162.000 Mal gesehen, auf Facebook wurden sie mehr als 300 Mal geteilt. 

Die Geschichte von Menschenfleisch in McDonalds-Burgern ist frei erfunden. Es gibt auch keine Belege, dass die Burger Ratten- oder Menschen-DNA enthalten würden. Es stimmt laut Medienberichten aber, dass ein Kunde in Japan Teile menschlicher Zähne in seinem McMuffin gefunden habe.

In den Beiträgen sind vier Links zu unterschiedlichen Internetseiten aufgeführt. Zwei davon führen zu den englischsprachigen Blogs World Truth und NY Nettle, zwei zu Medienberichten von Independent und The Sun. Wir haben die Behauptungen einzeln überprüft. Sie sind größtenteils falsch. 

Beitrag auf Telegram
Der Beitrag mit den vier Links auf Telegram (Screenshot vom 2. Juli: CORRECTIV.Faktencheck)

Artikel über Menschenfleisch in McDonalds-Burgern, auf den die Blogs sich beziehen, ist Satire

Bereits seit 2014 kursiert im Internet ein frei erfundener Beitrag, in dem es heißt, in McDonalds’ Fleischfabriken sei angeblich Menschenfleisch gefunden worden  (CORRECTIV.Faktencheck berichtete). Aufgestellt wurde die Behauptung von dem US-amerikanischen Blog Huzlers, der laut eigener Beschreibung ein „satirischer und fiktionaler Unterhaltungs-Blog“ ist. 

Die auf Telegram und Facebook verlinkten Berichte von World Truth und NY Nettle verweisen auf den Huzlers-Beitrag – nirgendwo auf den Seiten findet sich jedoch ein Hinweis, dass es sich um Satire handele. 

In beiden Artikeln steht: „Angeblich haben (Lebensmittelinspektoren) Menschen- und Pferdefleisch in den Gefriertruhen einer McDonald’s-Fleischfabrik in Oklahoma City gefunden.“ Ein vermeintlicher FBI-Agent habe Huzlers-Reportern gesagt, dass es teilweise Kinderfleisch gewesen sei, das gefunden wurde.

Auf World Truth werden laut der US-Webseite Media Bias / Fact Check falsche und unbelegte Behauptungen verbreitet, es handele sich um eine „überdrehte pseudowissenschaftliche Verschwörungswebsite“. Sie verbreitete unter anderem den Flat-Earth-Mythos, wonach die Erde eine Scheibe sei. 

Die Seite NY Nettle hat kein Impressum, es ist folglich unklar, wer die Seite betreibt.

Bei einer Stichprobe in mehreren US-Imbissen fand ein Labor menschliche DNA – unklar blieb, woher die Burger stammten

„Burger enthalten Ratten- und Menschen-DNA, so eine Studie“, heißt es auf Facebook. Als Beleg wird ein kostenpflichtiger Artikel des britischen Independent geteilt.

Wie der Independent und andere Medien im Mai 2016 berichteten, entdeckte das US-amerikanische Labor für Lebensmittelsicherheit „Clear Labs“ bei einer nach eigenen Angaben unabhängigen Stichprobe drei Burger mit Ratten-DNA und einen Fall von menschlicher DNA. Tatsächlich ist aber unklar, ob einer dieser Burger von McDonalds stammte. 

Die 258 Stichproben wurden laut „Clear Labs“ bei anonymisierten Einzelhändlern und Fast-Food-Ketten in Nordkalifornien gesammelt. Die Stichprobe sei demnach repräsentativ  – für nationale Marken und für Marken spezifisch von der US-Westküste. Woher die Probe, die menschliche DNA enthielt, stammte, ist unklar. Unsere Presseanfrage dazu beantwortete das Unternehmen nicht.

Übrigens schreibt das Labor in dem Bericht: „Das Vorhandensein von menschlicher DNA oder Ratten-DNA ist zwar unangenehm, aber wahrscheinlich nicht schädlich für die menschliche Gesundheit.“ So kann ein Haar, das beim Produktionsprozess in einen Burger gelangt, bereits zu einem solchen Ergebnis führen.  

Auszug aus dem Bericht von „Clear Labs“
Auszug aus dem Bericht von „Clear Labs“ nach der Analyse von 258 Stichproben (Quelle: The Hamburger Report, Clear Labs / Screenshot vom 2. Juli: CORRECTIV.Faktencheck)

Insgesamt lautete das Fazit des Labors, dass die Fast-Food-Industrie „niedrige Kontaminationsraten“ aufweise. 

Ein Kunde in Japan beschwerte sich laut Medienberichten tatsächlich über Zähne in seinem McMuffin

In den Social Media-Beiträgen wird außerdem ein Artikel der britischen Boulevardzeitung Sun vom 9. August 2018 geteilt. „McDonald’s entschuldigt sich, nachdem ein Kunde ‘Fragmente von menschlichen Zähnen’ in seinem McMuffin gefunden hat“, lautet die Überschrift. Es geht um einen Einzelfall in einer Filiale in Japan. 

Auch andere Medien berichteten über den Fall. Laut lokalen Medienberichten kündigte McDonalds an, die Lieferketten zu untersuchen. So sollte herausgefunden werden, an welche Steller im Produktionsprozess die Zahnstücke in das Fleisch gelangten. Ob das erfolgreich umgesetzt wurde, geht aus den Medienberichten nicht hervor. McDonalds Japan bestätigte laut der Straits Times, dass es sich tatsächlich um Bruchstücke von Zähnen handelte. 

Wie der Independent schrieb, waren zum damaligen Zeitpunkt bereits mehrere Fälle von Verunreinigungen in einzelnen McDonalds-Produkten in Japan bekannt. 

Verunreinigungen kamen vor, doch Menschenfleisch wurde in McDonalds-Burgern nicht gefunden

Zwei der vier geteilten Links in den Social Media-Beiträgen führen zu Blogs, welche die erfundene Behauptung von Menschenfleisch in Burgern verbreiten. 

Verunreinigungen mit DNA sind theoretisch möglich. Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung schrieb CORRECTIV.Faktencheck per E-Mail, es könne sein, dass menschliche DNA beispielsweise auf Lebensmitteln (tierischer Herkunft) gefunden werde. Für eine Kontamination des Fleisches mit menschlicher DNA würden bereits Hautschuppen ausreichen. Die Zahl der DNA in einer Probe sei dann „äußerst gering, aber nachweisbar“.

Redigatur: Till Eckert, Matthias Bau

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