Faktencheck

Elektroautos im Winter: Nein, die Batterien sind nicht nach zwei Stunden im Stau leer

Im Netz wird behauptet, Elektroautos würden im Stau bei eingeschalteter Heizung gerade einmal zwei bis drei Stunden durchhalten und könnten dann nicht abgeschleppt werden. Das stimmt nicht.

von Till Eckert

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Elektroautos können im Stau – anders als im Netz behauptet wird – bis zu 17 Stunden bei eingeschalteter Heizung durchhalten, wie ein Test des ADAC ergeben hat (Symbolfoto: Mike / Pexels / CC0)
Behauptung
Die Batterien von Elektroautos würden im Stau im Winter bei eingeschalteter Heizung nur zwei bis drei Stunden durchhalten und es sei fragwürdig, wie die Fahrzeuge abgeschleppt werden könnten.

Elektroauto-Batterien würden im Stau bei eingeschalteter Heizung nur zwei bis drei Stunden durchhalten und es sei fragwürdig, wie die Fahrzeuge abgeschleppt werden könnten: Das wird in einem Beitrag behauptet, der in Sozialen Netzwerken kursiert – aktuell auf Telegram und bereits im Februar 2019 auf Facebook

Beide Behauptungen stimmen nicht. Herkömmliche Batterien halten weitaus länger durch – und Elektroautos können durchaus abgeschleppt werden, allerdings nicht mit einem Seil.

Dieses Bild kursiert seit Jahren in Sozialen Netzwerken. Die Behauptungen sind falsch. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

ADAC testete Batterielaufzeit von Elektroautos im Stau 

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) testete im Februar 2021 unter Realbedingungen, wie lange die Batterien eines elektrischen Renault Zoe und eines VW e-Up im Stau bei Frost mit laufender Heizung, Sitzheizung sowie eingeschaltetem Standlicht durchhalten. 

Das Ergebnis: „Auch bei solch sehr winterlichen Bedingungen könnte man mit der 52 Kilowattstunden großen Batterie des Zoe ungefähr 17 Stunden und mit den 32,3 Kilowattstunden des e-Up 15 Stunden ausharren. Mit einem Elektroauto im Stau darf die Heizung also auch bei eisiger Kälte problemlos mehrere Stunden auf Wohlfühltemperaturen laufen.“ 

Ausschlaggebend dabei sei natürlich, wie voll die Batterie zu Staubeginn ist – aber das sei vergleichbar dem Tankfüllstand beim Verbrennerfahrzeug, so der ADAC. „Das hat es natürlich leichter, wenn der Tank dann ganz leer ist: Hier hilft der Ersatzkanister – das E-Auto muss abgeschleppt werden.“

Elektroautos müssen laut ADAC zum Abschleppen verladen werden

Doch wie genau können Elektroautos abgeschleppt werden? Thomas Reynartz, Chef der ADAC-Pannenhilfe, sagte dazu 2019 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Bei einem liegen gebliebenen Elektrofahrzeug schicken unsere Disponenten derzeit einen Abschleppwagen, der es zu einer geeigneten Ladesäule transportiert, um die Akkus zu laden.“

Auf der Webseite erklärt der ADAC, weshalb E-Autos nicht mit einem Abschleppseil gezogen werden sollten, sondern verladen werden müssen: „(…)Meist wird über eine Achse noch Energie im Elektromotor erzeugt. Fließt die Energie im e-Motor ohne aktivierte Elektronik, kann es zu hohen Induktionsspannungen kommen, die die Steuerungselektronik schädigen.“

Für einen Faktencheck von 2019 recherchierten wir außerdem, dass es auch erste Versuche mit mobilen Ladestationen für Elektroautos gibt. Eine solche wurde 2019 vom Pannendienst in Österreich getestet.

Redigatur: Alice Echtermann, Uschi Jonas