Auf Facebook kursiert ein Zitat, dass fälschlicherweise dem Schriftsteller Aldous Huxley zugeschrieben wird. Huxley soll gesagt haben: „Die perfekte Diktatur wird den Anschein einer Demokratie machen, einem Gefängnis ohne Mauern, in dem die Gefangenen nicht einmal davon träumen auszubrechen. Es ist ein System der Sklaverei, bei dem die Sklaven dank Konsum und Unterhaltung ihre Liebe zur Sklaverei entwickeln.“ Bisher wurde der Beitrag vom 26. Oktober 2.800 Mal geteilt.
Auf Facebook heißt es, dass Zitat stamme aus dem Vorwort des Romans „Schöne neue Welt“, das erstmal 1932 unter dem Titel „Brave New World“ veröffentlicht wurde. Eine Übersetzung des Buches aus dem Jahr 1981 findet sich im „Internet Archive“. Darin ist das angebliche Zitat jedoch nicht zu finden.
Auf Seite 13 des Romans findet sich zwar eine Aussage, die dem Zitat auf Facebook inhaltlich ähnelt, die benutzten Worte unterscheiden sich jedoch deutlich: „Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeiten beherrscht, die zu gar nichts gezwungen zu werden brauchen, weil sie ihre Sklaverei lieben.“
Ursprung des Zitats ist mutmaßlich die Webseite der European Graduate School
Eine Google-Suche auf Englisch nach den Schlagworten „Aldous Huxley“ und „the perfect dictatorship“ führt uns zu der Seite „Metabunk“. Dort haben Nutzerinnen und Nutzer den Ursprung des angeblichen Huxley-Zitats gesucht. Das Ergebnis führt zur „European Graduate School“ (EGS).
Auf einer alten Version der Webseite der privaten Hochschule findet sich eine Biografie über Aldous Huxley. Wer sie verfasst hat, ist der Seite nicht zu entnehmen. In dem Text über Huxley findet sich auch das Zitat (auf Englisch), das auf Facebook Huxley selbst zugeschrieben wird. Auf der Seite der EGS wird jedoch klar, dass es sich bei dem Text um eine Zusammenfassung von „Brave New World“ handelt und nicht um ein Zitat von Huxley.
Dass Menschen glauben, dass es sich bei dem Zitat wirklich um die Worte von Huxley handelt, könnte daran liegen, dass er sich inhaltlich mehrfach ähnlich äußerte, wie auf Facebook behauptet. In einer Rede vor Studierenden in Kalifornien (Seite 5 im PDF) sagte er 1959 beispielsweise, dass er glaube, dass künftige Diktaturen Menschen dazu bringen würden, ihre Beherrschung nicht als solche zu empfinden, weil sie durch Propaganda und Gehirnwäsche sowie „pharmazeutische Methoden“ manipuliert würden. Ähnlich äußerte er sich auch in einem Interview aus dem Jahr 1958 (ab Minute zehn).
Redigatur: Steffen Kutzner, Till Eckert
Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
- Webseite der European Graduate School „Aldous Huxley – Biography“: Link
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.