Auf Telegram und Facebook (zum Beispiel hier oder hier) verbreitet sich seit Dezember im deutschsprachigen Raum eine angebliche Äußerung von Henry Kissinger. Demnach soll der ehemalige US-Außenminister im Jahr 2009 vor einem Eugenik-Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesagt haben: „Sobald die Herde verpflichtende Impfungen akzeptiert, ist das Spiel vorbei. Sie werden alles akzeptieren – erzwungene Blut- oder Organspenden – ‚für das Allgemeinwohl‘. Wir können Kinder genetisch verändern und sie sterilisieren – ‘für das Allgemeinwohl’“.
Es gibt jedoch keinerlei Belege, dass sich Kissinger so geäußert hat. Auch existiert bei der WHO kein „Eugenik-Rat“.
Das Kissinger-Zitat ist erfunden und, einen „Eugenik-Rat“ der WHO gibt es nicht
Eine Suche via Google nach dem angeblichen englischen Originalzitat liefert keinen Hinweis darauf, dass sich Kissinger so je geäußert hat. Die Suche führt aber zu mehreren Faktenchecks englischsprachiger Redaktionen, die zu dem Schluss kommen, dass die Aussage frei erfunden sei. Die angebliche Äußerung Kissingers kursiert demnach bereits seit 2019.
Eine Suche in der Pressedatenbank Genios lieferte ebenfalls keine Treffer.
Gegenüber den Faktencheckern von Reuters bezeichneten Vertreter Kissingers das angebliche Zitat als freie Erfindung.
Auf der Webseite henrykissinger.com werden Reden des US-Politikers gelistet. Für das Jahr 2009 finden sich dort zwei Reden. Eine hielt Kissinger im April vor der Trilateralen Kommission, einem politischen Thinktank, die zweite im Oktober im Rahmen des 35-jährigen Bestehens der Internationalen Energieagentur in Paris. In beiden Reden kommt die angebliche Aussage Kissingers, die in Sozialen Netzwerken kursiert, nicht vor. Für Februar 2009, dem Zeitpunkt, an dem er sich so geäußert haben soll, ist keine Rede gelistet.
Auch der „WHO Council of Eugenics“ (auf Deutsch: „WHO-Rat der Eugenik“), vor dem Kissinger die Aussage getätigt haben soll, existiert nicht. Das bestätigte den Faktenchecken von Reuters auch ein Sprecher der WHO.
Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust
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