„Niemand wird mehr gehasst, als derjenige, der die Wahrheit sagt.“ Laut eines Bildes, das auf Facebook mehr als 17.300 Mal (Stand: 24. Januar) geteilt wurde, soll dieses Zitat vom griechischen Philosophen Platon stammen. In Platons Schriften findet es sich jedoch nicht.
Dieses Bild mit dem angeblichen Zitat von Platon kursiert seit Mitte Januar auf Facebook. In Platons Schriften findet sich das Zitat jedoch nicht. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Eine Google-Suche ergab keinen Hinweis auf eine Primärquelle für das Zitat. Auch in Platons gesammelten Werken, die auf Deutsch übersetzt auf der Webseite „opera-platonis.de“ zur Verfügung gestellt werden, fanden wir es nicht. Die Google-Suche zeigte, dass das Zitat immer wieder als angeblicher Spruch Platons verbreitet wird, zum Beispiel auf der Seite „Made my day“ oder Pinterest.
Platon-Experte kennt Zitat weder auf Deutsch noch auf Griechisch
Wir haben den Platon-Experten Christoph Quarch gefragt, ob er das Zitat kennt. Er schrieb uns auf unsere Anfrage: „Im Wortlaut bzw. in einer entsprechenden altgriechischen Formulierung findet sich dieses Zitat nach meinem Kenntnisstand in keinem der von der Forschung mehrheitlich als authentisch anerkannten Dialoge Platons.“
Quarch verweist jedoch inhaltlich auf Platons Höhlengleichnis. Darin geht es um Menschen, die seit jeher in einer Höhle gefangen gehalten werden und nie etwas anderes gesehen haben als Schatten von Gegenständen, die an eine Wand vor ihnen projiziert werden. Diese Schatten halten sie für die Realität, also die „Wahrheit“. Laut Platon würde es kein gutes Ende nehmen, wenn man einen von ihnen aus der Höhle herausführen und ihm die reale Welt mit den echten Gegenständen zeigen würde, denn wenn diese Person zurück in die Höhle käme, würden ihr die anderen Höhlenbewohner, die die echte Welt nie gesehen und die Schatten nie als Projektionen erkannt haben, nicht glauben. Platon schrieb: „Und wenn er sich gar unterstände, sie zu entfesseln und hinaufzuführen, würden sie ihn nicht ermorden, wenn sie ihn in die Hände bekommen und ermorden könnten?“
Quarch vermutet, dass das Zitat aus dem Bild eine Ableitung dieses Gleichnisses sein könnte. Im Wortlaut existiert das Zitat jedoch weder auf Deutsch noch auf Griechisch und ist aller Wahrscheinlichkeit nach frei erfunden.
Redigatur: Matthias Bau, Alice Echtermann
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