Faktencheck

Fotos auf Facebook zeigen Ausschläge, die nichts mit der Covid-19-Impfung zu tun haben

Sechs Fotos in einem Facebook-Beitrag zeigen angeblich Menschen mit einem Ausschlag nach einer Booster-Impfung gegen Covid-19. Doch nur eins der Bilder steht mit der Covid-19-Impfung überhaupt in zeitlichem Zusammenhang – die anderen Bilder entstanden teils Jahre vor der Zulassung der Impfstoffe.

von Sarah Thust

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Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein Hautarzt einen Ausschlag diagnostizieren kann. Einige Erkrankungen lassen sich bereits auf den ersten Blick erkennen. (Symbolbild: Picture Alliance / Klaus Rose)
Behauptung
Sechs Bilder zeigen angeblich Menschen mit Hautausschlag nach einer Booster-Impfung.
Bewertung
Falscher Kontext
Über diese Bewertung
Falscher Kontext. Nur eines der Bilder stammt aus einem Fallbericht über eine Gürtelrose nach der ersten Impfung gegen Covid-19, die anderen Bilder haben nichts mit der Impfung zu tun. Hautausschläge können eine Nebenwirkung der Covid-19-Impfung sein.

Triggerwarnung: In diesem Beitrag werden Bilder gezeigt, die teils starke Hautausschläge zeigen.

In einem Facebook-Beitrag vom 24. Mai heißt es: „Nein, das sind keine Bilder von den Affenpocken, sondern Bilder von Menschen nach der Booster-Impfung.“ Zu dem Beitrag werden sechs verschiedene Bilder geteilt, die dies belegen sollen. 

Unsere Recherche ergab: Nur eines der sechs Bilder zeigt eine Gürtelrose („Herpes Zoster“), die zeitlich nach Erhalt einer Corona-Impfung aufgetreten sein soll. In dem Fall wurde aber keine Booster-Impfung verabreicht, sondern die erste Dosis Impfstoff gegen Covid-19. Die übrigen Fotos zeigen andere Hauterkrankungen, die weder mit der Corona-Impfung, noch mit Affenpocken etwas zu tun haben – sie entstanden teils lange vor der Corona-Pandemie. 

Bilder zeigen Gürtelrose, Dermatitis und Hand-Fuß-Mund-Krankheit und entstanden teils vor mehreren Jahren

Wir schickten die im Beitrag verlinkten Bilder an Uwe Schwichtenberg vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. und baten ihn um eine Beurteilung. Er schrieb uns, die alleinige Diagnosestellung aus einem Bild heraus sei „sehr unsicher“, schätzte jedoch für uns ein, welche Krankheiten auf den jeweiligen Bildern zu sehen sein könnten. 

Zusätzlich suchten wir nach jedem Foto einzeln – und fanden sie durch eine Bilderrückwärtssuche auf unterschiedlichen Internetseiten. Sie zeigen unterschiedliche Hautentzündungen und kursieren teils seit Jahren im Netz. 

Diese Bilder werden auf Facebook mit der Covid-19-Impfung in Verbindung gesetzt. Nur Bild 1 steht im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung; Bild 2 wird als Symbolbild für Dermatitis eingesetzt; die Bilder 3 und 6 zeigen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit; Bild 4 zeigt die Nesselsucht; Bild 5 zeigt eine Gürtelrose
Diese Bilder werden auf Facebook mit der Covid-19-Impfung in Verbindung gesetzt. Nur Bild 1 steht im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung; Bild 2 wird als Symbolbild für Dermatitis eingesetzt; die Bilder 3 und 6 zeigen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit; Bild 4 zeigt die Nesselsucht; Bild 5 zeigt eine Gürtelrose (Quelle: Facebook; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
  • Bild 1 fanden wir in der März-Ausgabe einer Dermatologie-Zeitschrift. Laut Artikel zeigt es einen „mehrsegmentalen Zoster“ (Gürtelrose) eines 20-Jährigen, der berichtete, zwei Wochen zuvor die erste Covid-19-Impfung mit Astrazeneca erhalten zu haben. 
  • Bild 2 zeigt laut Schwichtenberg vermutlich eine Dermatitis. Wir fanden es zudem in einem Artikel des Bayerischen Rundfunks, wo es als Symbolbild für Dermatitis eingesetzt wird. Der Artikel stammt von Anfang Dezember 2020; das Bild entstand also vor Einführung der Impfstoffe gegen Covid-19 in Deutschland.
  • Bild 3 zeigt die Hand-Fuß-Mund-Krankheit und findet sich in der Medizin-Enzyklopädie Deximed – dass es sich um die Krankheit handelt, schätzte auch der Dermatologe Uwe Schwichtenberg so ein. Der Artikel wurde laut Angabe auf der Seite zuletzt im September 2020 aktualisiert, kann also ebenfalls nicht die Folgen der erst Ende Dezember 2020 gestarteten Covid-Impfkampagne zeigen.
  • Bild 4 zeigt laut Schwichtenberg und gemäß der Bildbeschreibung in der Fotodatenbank iStock eine Nesselsucht – dort ist es auf das Jahr 2013 datiert. 
  • Bild 5 findet sich in mehreren Bilddatenbanken mit unterschiedlichen Datumsangaben, es ist mehrere Jahre alt, ein Eintrag datiert das Bild auf 2014. Es handelt sich laut den Bildbeschreibungen um eine Gürtelrose – das vermutet auch Schwichtenberg. Das Bild wurde im Mai 2022 in einem Artikel der Frankfurter Rundschau über das Risiko einer Gürtelrose nach einer Corona-Infektion als Symbolbild für eine Gürtelrose verwendet.
  • Bei Bild 6 war sich Schwichtenberg nicht sicher. Es stammt laut der Datenbank Shutterstock aus Brasilien und entstand im April 2019. Es zeigt laut Bildbeschreibung einen Mann mit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Die Fotos haben also bis auf eines keine Verbindung zu Covid-19-Impfungen. 

Nach Corona-Impfungen können Nebenwirkungen wie Ausschlag und Juckreiz auftreten

Pharmahersteller müssen mögliche Nebenwirkungen im Beipackzettel aufführen – dazu geben sie in Prozent an, wie häufig sie auftreten. Liegt die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel bei 0,01 Prozent, könnte eine Nebenwirkung bei einem von 10.000 Behandelten auftreten.

Juckreiz oder Ausschlag gehören laut den Impfstoff-Herstellern zu möglichen Nebenwirkungen der Impfstoffe: Je nach Hersteller werden sie mit einer Häufigkeit von 0,01 bis 1 Prozent angegeben (Jannssen, Biontech und Moderna, Novavax, Astrazeneca). 

Bei Nesselsucht liegt die Häufigkeit überwiegend ähnlich hoch, bei Janssen mit 0,01 bis 1 Prozent am niedrigsten, bei Moderna wird sie zwischen 1 und 10 Prozent angegeben. Nesselsucht ist ein Ausschlag mit Quaddeln und kann durch äußere Einflüsse, also eine Unverträglichkeit, entstehen.  

Gürtelrose-Fälle wurden vereinzelt beobachtet, laut dem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Institut vom 4. Mai gab es 1.42 Meldungen pro 100.000 Impfungen. Gürtelrose (auch „Herpes Zoster“ genannt) ist keine allergische Reaktion, sondern die sogenannte Reaktivierung der Windpocken. Nach dem Abheilen verschwinden die Windpocken-Viren nicht vollständig aus dem Körper. Ist beispielsweise das Immunsystem geschwächt (zum Beispiel altersbedingt oder durch Stress), kann der Ausschlag wieder ausbrechen.

Dermatitis (Hautentzündung) und Hand-Fuß-Mund-Krankheit werden nicht als mögliche Nebenwirkungen nach einer Covid-19-Impfung aufgeführt. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird durch Enteroviren ausgelöst.

Virologen: Hauterkrankungen und Ausschlag können durch Stress ausgelöst werden

Warum kann es zu Ausschlägen nach der Impfung kommen? Durch die Covid-19-Impfung werden bestimmte Bestandteile des Immunsystems angeregt, um einen Schutz gegen das Virus aufzubauen, schreibt Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation der Dermatologischen Klinik, auf der Internetseite des Universitätsspitals Zürich. Das könne Symptome wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Ausschläge wie Nesselsucht hervorrufen; ein Zeichen, dass das Immunsystem auf den Wirkstoff reagiert. Unabhängig von der Impfung können Allergien, Stress und körperliche Belastung diese Ausschläge verursachen. 

Ähnlich äußerte sich die Virologin Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien in unserem Faktencheck vom 27. Juni in Bezug auf das Auftreten von Gürtelrose. Es seien bislang einige wenige Fälle bekannt, bei denen Menschen nach der Impfung eine Gürtelrose bekommen hätten. Gleichzeitig seien mehr Fälle bekannt, bei denen die Infektion mit Covid-19 die Gürtelrose verursacht hat. Es gebe viele Gründe für die Reaktivierung des Virus, etwa durch mechanische Reizung oder Überbeanspruchung, so die Virologin.  

Affenpocken mit PCR von Hautausschlägen zu unterscheiden

In dem Facebook-Beitrag wird außerdem behauptet, wer mit einem Ausschlag wie auf den Bildern zum Arzt gehe, werde „bestimmt“ mit einem PCR-Test auf Affenpocken getestet. So werde die „positive Quote“ für das Affenpockenvirus erhöht. 

Mit Affenpocken haben die Hautentzündungen und Ausschläge auf den Bildern nichts zu tun. Affenpocken verursachen Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten und Pusteln auf der Haut, die bei schweren Verläufen tiefe Narben hinterlassen können. 

Bilder von Affenpocken
Bilder von Affenpocken (Quelle: The Lancet / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Der kommissarische Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Bodo Plachter, erklärte uns telefonisch, dass sich die Bläschen, die nach einer Covid-19 Impfung auftreten können, in der Regel deutlich von einer Affenpocken-Infektion unterscheiden. Ein PCR-Test könne das Affenpocken-Virus zudem eindeutig nachweisen. Ein PCR-Test auf eine Affenpocken-Infektion wird anhand von Proben aus den Bläschen oder Pusteln durchgeführt. 

Die absolute Zahl der Affenpocken-Fälle in Deutschland ist im Vergleich zu Corona-Infektionszahlen gering: Laut RKI wurden seit Mai 969 Fälle gemeldet (Stand 30. Juni 2022). Das Robert-Koch-Institut empfiehlt bei Krankheitssymptomen oder engem Kontakt zu nachweislich mit Affenpocken infizierten Menschen oder Tieren, eine Untersuchung und gegebenenfalls einen PCR-Test machen zu lassen. 

Redigatur: Steffen Kutzner, Sophie Timmermann