Gesellschaft

Ja, die AfD Sachsen veröffentlichte dieses Bild über die „traditionelle Frau“ auf Instagram

Hat der sächsische Landesverband der AfD ein Bild auf Instagram veröffentlicht, das einen Vergleich zwischen „modernen befreiten Feministinnen“ und „der traditionellen Frau“ zieht? An einem online kursierenden Screenshot des Beitrags wird mit Verweis auf sprachliche Ungereimtheiten gezweifelt. Die Recherche zeigt: Die AfD Sachsen veröffentlichte das Bild – inzwischen ist es nicht mehr abrufbar.

von Kimberly Nicolaus

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Einige Nutzerinnen und Nutzer zweifeln, ob der AfD-Landesverband Sachsen dieses Foto auf seinem Instagram-Account veröffentlichte. Doch es stimmt, wie eine archivierte Version belegt. (Quelle: Twitter / Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Der AfD-Landesverband Sachsen habe auf Instagram ein Bild geteilt, das „moderne befreite Feministinnen“ einer „traditionellen Frau“ gegenüberstellt.
Bewertung
Richtig. Eine archivierte Version des offiziellen Instagram-Accounts der AfD Sachsen belegt, dass der Landesverband das Bild am 24. Oktober 2022 veröffentlichte. Inzwischen ist es gelöscht.

„Moderne ‚befreite‘ Feministinnen“ trügen „Tonnen von Make-Up wegen ihres geringen Selbstbewusstseins“. Sie seien ungepflegt, hätten „kaputte Haare von zu viel Färbung“, wechselten häufig ihre Partnerin oder ihren Partner und seien im Alter von 22 Jahren stolz auf ihre dritte Abtreibung. „Die tradiotenelle [sic!] Frau“ im Gegensatz dazu habe eine „schlanke Figur durch Sport und gesunde Ernährung“, sie liebe ihre Heimat, sei stolz für ihre Kinder zu leben und unterstütze ihren Mann – all das ist auf einem Bild zu lesen, das vom Instagram-Account der AfD Sachsen stammen soll. Dort ist der Beitrag inzwischen nicht mehr auffindbar.

Auf Twitter (hier und hier), Instagram und Tiktok werden jedoch Screenshots davon verbreitet, um darauf aufmerksam zu machen, dass der sächsische Landesverband der AfD den frauenfeindlichen Vergleich veröffentlicht hatte. Doch einige haben Zweifel, ob das Bild wirklich von der AfD stammt. Ein Nutzer schrieb: „Sicher, dass es echt ist? Rechtschreibfehler und Redundanz lassen Zweifel zu.“ Auf dem Bild wird das Wort „traditionell“ falsch geschrieben, ein Textzusatz ist doppelt vorhanden. Jemand anderes kommentierte: „Ich glaube nicht, dass es echt ist. So etwas traue ich noch nicht mal der AfD Sachsen zu.“ 

AfD Sachsen veröffentlichte das Bild auf Instagram – und löschte es wieder

Wir fanden eine archivierte Version des Instagram-Profils, die belegt, dass der AfD-Landesverband Sachsen das Bild am 24. Oktober 2022 veröffentlichte. Wir haben die Pressestelle des Landesverbandes über E-Mail und telefonisch kontaktiert, doch bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Antwort erhalten. Wie lange der Beitrag tatsächlich online war und warum er gelöscht wurde, lässt sich daher nicht mehr nachvollziehen. Eine fast identische Version des Bildes ist jedoch weiterhin auf Instagram beim stellvertretenden Kreisvorsitzenden der AfD Zwickau zu finden. Dort sind die sprachlichen Fehler angepasst.

Wie in der archivierten Version zu lesen ist, hatte die AfD Sachsen zu dem Beitrag geschrieben: „Hashtag #tradwife die Abkürzung für ‚traditional housewife, auf Deutsch: ‚traditionelle Hausfrau trendet auf TikTok mit 90 Millionen Aufrufen und erfreut sich inzwischen immer größerer Beliebtheit unter jungen Mädchen (….).“ Medienberichten zufolge wurde der Begriff „tradwife“, der moderner Gleichberechtigung entgegensteht, ursprünglich von Rechtspopulisten und Rechtsextremen in den USA genutzt, zum Beispiel von der Alt-Right-Bewegung. Seit ein paar Jahren gibt es eine wachsende Bewegung junger Frauen, die sich in Sozialen Netzwerken für ultra-traditionelle Geschlechterrollen einsetzen und den Begriff nutzen. 

Über den Hashtag #tradwife fanden wir heraus, dass das Bild bereits vor drei Jahren in ähnlicher Form im englischsprachigen Raum kursierte

Das Bild kursierte bereits vor drei Jahren in Sozialen Netzwerken (links) und ähnelt dem Bild, das die AfD Sachsen (rechts) auf Instagram veröffentlichte
Das Bild kursierte bereits vor drei Jahren in Sozialen Netzwerken (links) und ähnelt dem Bild, das die AfD Sachsen (rechts) auf Instagram veröffentlichte (Quelle: Reddit und Twitter / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Redigatur: Uschi Jonas, Sophie Timmermann

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.